Event

Ausstellungseröffnung Schwarzer Markt, Rote Bücher

Organizer: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Location: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Zentrale am Uniboulevard
Begin: 18.06.2026, 17:00
End: 18.06.2026 - Open End
Kategorie: Vorträge, Einzelveranstaltungen

In den frühen 1970er Jahren entstand in der Staats- und Universitätsbibliothek eine kleine Sammlung zeitgenössischer Raubdrucke und "grauer Literatur" mit zumeist linken, politischen Inhalten, deren Veröffentlichung und Distribution außerhalb des offiziellen Buchhandels erfolgte. Das Wissen um die Existenz dieser Sammlung ging in den folgenden Jahren und Jahrzehnten verloren, bis ein Zufall vor zwei Jahren zu ihrer Wiederentdeckung führte.

Eine Gruppe von Studierenden der Hochschule für Künste befasste sich im Wintersemester 2025/26 intensiv mit der Sammlung. Es entstand die Idee zu einer Ausstellung in den Räumen der Bibliothek. In 13 multimedialen Arbeiten, wird das Thema Raubdrucke gestalterisch erforscht, neu interpretiert und rekontextualisiert.

Die Studierenden beschreiben ihr Projekt:

Durch studentische und linke Bewegungen erreichen Raubdrucke in den 1960er Jahren ihren Höhepunkt. Dem bürgerlichen Urheberrecht wird ein Konzept von Wissen als kollektives Eigentum entgegengesetzt. Durch die kostengünstigen Drucke wird einer breiteren Bevölkerungsschicht der Zugang zu meist kapitalismuskritischer, philosophischer oder feministischer Literatur ermöglicht. Aufgrund der folgenden Kriminalisierung der Raubdruckbewegung existieren ihre Publikationen heute nur noch als Randerscheinung im wissenschaftlichen und archivarischen Kontext.

Das Projekt Schwarzer Markt für Rote Bücher ist Teil einer deutschlandweiten Initiative zur Erforschung von Raubdrucken. Die Ausstellung Schwarzer Markt, Rote Bücher verhandelt Fragen von geistigem Eigentum, Zugänglichkeit, Digitalisierung und kollektiver Wissensproduktion. Die Arbeiten nehmen die Raubdruckbewegung zum Ausgangspunkt, um ihre Anliegen und Praktiken in die Gegenwart zu übersetzen. Sie befassen sich mit digitalen Infrastrukturen und zeitgenössischen Formen des Kopierens ebenso wie mit der visuellen Sprache von Raubdrucken, ihren Paratexten und ihrer Funktion als soziale und politische Objekte. Die Ausstellung versteht sich als subjektive Neuinterpretation dieser Bewegung.