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Übereifrige Regelsuche bei Vorschulkindern

Unsere Studie, die aktuell in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht ist, deutet darauf hin, dass Vorschulkinder soziale Normen ohne jegliche Instruktion auch da vermuten, wo Erwachsene gar keine sehen; nämlich bei Verhaltensweisen, die spontan „einfach mal so“ gezeigt werden und gar keiner Norm unterliegen. Dabei scheint es auszureichen, dass diese zufällig beobachtete Handlung absichtlich ist. Dann schließen die Kinder eigenständig vom Sein (beobachtete Verhaltensweise) auf das Sollen (Verbindlichkeit der Verhaltensweise) – ein klassischer Fehlschluss, auf den schon der Philosoph David Hume vor knapp 300 Jahren hinwies.

Schmidt, M. F. H., Butler, L. P., Heinz, J., & Tomasello, M. (2016). Young children see a single action and infer a social norm: Promiscuous normativity in 3-year-olds. Psychological Science, 27(10), 1360–1370.