Im Einzelnen

Doktor und dann?

Vom Hörsaal ins Berufsleben - Der Werdegang von Dr. Jascha de Bloom zeigt, dass berufliche Wege nicht immer geradlinig verlaufen müssen, um am Ende dennoch ans Ziel zu gelangen. Im Interview berichtet er von seinem Weg.

Viele Studierende der Geisteswissenschaften kennen die bange Frage nach der beruflichen Zukunft. Das Klischee vom „Taxifahrer-Dasein“ hält sich auch heute noch hartnäckig. Was kommt eigentlich nach dem Studium im Fachbereich 10? Diese Frage stellen sich viele Studierende spätestens gegen Ende ihres Studiums, besonders dann, wenn der berufliche Weg nicht von Anfang an klar vorgezeichnet ist. Der Werdegang von Dr. Jascha de Bloom zeigt, dass die Realität nicht immer im Vorhinein planbar ist. Im Interview erzählt er von seinem Weg aus der Universität in den Beruf. 

Von der Politikwissenschaft zur Linguistik

Jascha de Blooms Weg verlief anders, als er es sich zu Beginn seines Studiums vorgestellt hatte. Nachdem er im ersten Semester von Politikwissenschaften zum Lehramtsstudium zu den Fächern Germanistik und Geografie wechselte, merkte er während eines Praktikums, dass auch dieser Weg nicht sein finaler sein würde. Allerdings entdeckte er im Themenfeld der Linguistik seine Leidenschaft. Sein Weg führte ihn von Bochum nach Bremen, wo er zunächst im Master studierte und anschließend seine Dissertation über Koloniallinguistik verfasste. In dieser Zeit war er auch an der Universität in der Lehre tätig, etwas, was er in seinem jetzigen Beruf vermisst. 

Einstieg im Bereich Content Marketing

Obwohl die akademische Nische der Koloniallinguistik auf den ersten Blick weit weg von der freien Wirtschaft scheint, fand Jascha de Bloom den Einstieg im Online-Marketing, auch wenn es anfangs nicht von ihm geplant war, nach der universitären Ausbildung in diesem Bereich zu arbeiten. Heute beschäftigt er sich in seiner Firma mit dem Bereich SEO (Suchmaschinenoptimierung). Dort sorgt er dafür, dass Inhalte im Internet sichtbar werden, damit die Nutzerinnen und Nutzer da landen, wo sie nach Informationen suchen. 

Wie ihm das Studium geholfen hat

Rückblickend zeigt sich: Nicht jedes Seminar bereitet direkt auf einen konkreten Beruf vor. Neben den fachlichen Inhalten, die man im Studium erwirbt, erlernt man allerdings im Studium der Germanistik viele Softskills, häufig ohne es dabei überhaupt zu merken, so de Bloom. Die Fähigkeiten strukturiert und selbstständig zu schreiben oder auch analytisches Denken, haben Jascha geholfen leichter in den Beruf einzusteigen. Zudem hat er in der Zeit gelernt, sich schnell eigenständig in Themen einzuarbeiten und somit flexibler mit neuen Herausforderungen umzugehen. Diese Kompetenzen werden in vielen Berufen gefragt, neben dem fachlichen Wissen. 

Und Dann?

Dann können viele Dinge kommen: die Wissenschaft, die Lehre, das Verlagswesen oder doch das Online-Marketing. 

Der Werdegang von Jascha de Bloom zeigt, dass berufliche Wege nach dem Studium selten linear verlaufen. Viele Entscheidungen ergeben sich erst unterwegs und neue Perspektiven tun sich auf. Wichtig ist vor allem, sich nicht von gängigen Klischees verunsichern zu lassen, sondern den eigenen Interessen zu folgen und wer weiß, was sich nicht noch alles an Möglichkeiten hervortun werden durch die neuen technischen Möglichkeiten. Auch die Verbindung zur Universität Bremen ist nicht abgerissen. Im Wintersemester 2025/2026 konnten Studierende der Germanistik von den vielfältigen praktischen und theoretischen Kenntnissen von Jascha de Bloom im Rahmen eines Lehrauftrags "Linguistik der Suchmaschine" profitieren.

 Micha Berghaus ist Student an der Universität Bremen im 5. Bachelorsemester für Germanistik und Ästhetische Bildung für das Lehramt an Gymnasien und Oberschulen. Der Beitrag ist im Kontext des Seminars “Textsorten und Formate des Online-Journalismus” entstanden. 

Portraitbild von Jascha de Bloom vor einem Gebäude