Im Einzelnen

Mit Erasmus um die Welt

Im Interview mit Franzi erfahren wir, welche Chancen, Highlights aber auch Herausforderungen ein Auslandsaufenthalt in Schweden zu bieten hat.

Im Rahmen des Erasmusprogramms bietet sich Studierenden die Möglichkeit, einen Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren und dabei sowohl akademische als auch persönliche Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen. Für diesen Beitrag wurde ein Interview mit einer Studentin geführt, die wir hier Franzi nennen (Name der Redaktion bekannt), die ein Erasmus Semester in Schweden verbracht hat. Franzi studierte in dieser Zeit an der Universität Göteborg und nahm dort an englischsprachigen Lehrveranstaltungen teil.

Warum Schweden

Die Entscheidung für Schweden fiel bewusst. Franzi hatte den Wunsch, für einen längeren Zeitraum im Ausland zu leben und nicht nur als Touristin ein anderes Land kennenzulernen, sondern auch den dortigen Alltag zu erfahren. Schweden stellte für sie ein besonders attraktives Ziel dar, da sie zuvor noch nie dort gewesen war und gezielt ein Land wählen wollte, das ihr bisher fremd war. Ausschlaggebend waren zudem die Natur, das gesellschaftliche Umfeld sowie das fortschrittliche Bildungssystem, insbesondere im pädagogischen Bereich. Da die einzige Partneruniversität Bremens in Schweden in Göteborg liegt, war die Wahl der Stadt Göteborg für sie klar. Auch das dortige Lehrangebot, unter anderem mit Bezügen zur inklusiven Pädagogik, spielte für ihre Wahl eine wichtige Rolle bei der Entscheidung.

Vorbereitungen vor dem Auslandspraktikum

Die Vorbereitungen auf das Auslandssemester empfand die Studentin insgesamt als gut machbar, jedoch auch als organisatorisch anspruchsvoll. Eine zentrale Herausforderung bestand darin, den Überblick über alle notwendigen Schritte zu behalten. Dazu gehörten Fristen, Dokumente und formale Anforderungen, die vor dem Aufenthalt erfüllt werden mussten. Die Universität Göteborg stellte hierfür umfangreiche Informationen auf englischsprachigen Webseiten zur Verfügung. Zudem unterstützte sie das Erasmus-Programm und bot eine verlässliche Betreuung, die bei Fragen schnell und unterstützend reagierte. Schwierigkeiten ergaben sich vor allem im Kontakt mit deutschen Behörden, etwa bei der Beantragung eines Führungszeugnisses. Diese verlangten von der schwedischen Universität, dass diese das Schreiben für das Führungszeugnis auf Deutsch erstellt, da englischsprachige Unterlagen nicht akzeptiert werden. Sprachliche Barrieren im Allgemeinen stellten jedoch kein größeres Problem für Franzi dar, da Englisch als Arbeitssprache in Schweden genutzt werden konnte und Übersetzungshilfen zur Verfügung standen. Ein Visum oder ein neuer Mobilfunkvertrag waren aufgrund der EU-Mitgliedschaft nicht erforderlich.

Die Wohnsituation in Göteborg war bereits vor der Anreise geklärt. Die Studentin erhielt über die Universität eine Unterkunft in einem möblierten Apartment, was die Organisation deutlich erleichterte. Dadurch entfiel die eigenständige Wohnungssuche, welche sonst einen weiteren Organisationsfaktor dargestellt hätte.

Alltag an der Universität

Der Alltag an der Universität Göteborg zeigte deutliche Unterschiede zum Alltag an der Universität Bremen. Das Semester ist in vier Quartale strukturiert. Mit jedem Kurs, konnten mindestens 7.5 Credit Points gesammelt werden, dabei dauerte ein Kurs höchsten zwei Quartale. So kam es, dass Franzi in den ersten Wochen an der Uni lediglich einen Tag in der Woche die Uni besuchen musste. Dafür wurden mehr Hausaufgaben aufgegeben. Sehr zu schätzen gelernt hat Franzi die Kommunikation mit den Lehrenden. Verglichen mit dem was Franzi aus Bremen kannte, begegneten sich Studierende und Dozierende mehr auf Augenhöhe, was eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre schuf. Etwas verwundert war Franzi darüber, dass kein Kurs nur von einer Person geleitet wurde, sondern teilweise jede Woche eine andere Person lehrte. Als besonders herausfordernd beschrieb Franzi ihr Praktikum an einer schwedischen Grundschule, insbesondere den direkten Austausch mit Kolleg*innen und Schüler*innen auf Englisch. Letztlich empfand sie aber das Praktikum, allein schon auf sprachlicher Ebene, als sehr gewinnbringend. Da in den Kursen, die Franzi belegte, vor allem viele Erasmus-Studierende waren, fiel es ihr leichter, neue Menschen kennenzulernen. Nach den Kursen traf man sich noch in der Uni Cafeteria oder unternah etwas zusammen in der Stadt. Eine klassische Mensa gibt es an der Universität Göteburg nicht.

Alltag neben dem Studium

Durch die zeitliche Strukturierung des Studiums, war auch Zeit für Unternehmungen in der Umgebung von Göteburg oder für Ausflüge in den Norden, um Polarlichter sehen zu können. Ihren Urlaub hat Franzi teilweise auf den Schäreninseln verbracht, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen waren. Dort hat sie mit Freund*innen auch „Midsommar“ gefeiert. Als „Midsommar“ werden die Feierlichkeiten um die Sommersonnenwende genannt, die in Schweden ausgiebig zelebriert werden. Das wahr eines der Highlights des Auslandsaufenthalts.

Fazit

Franzis vorherige Intention, mit dem Aufenthalt in Schweden aus ihrer Komfortzone ausbrechen zu können und dabei nicht nur Urlaub in Schweden zu machen, sondern auch kulturelle Einblicke zu bekommen, erwies sich als voller Erfolg. Franzi bekam Einblicke in das schwedische Bildungssystem und den Alltag an einer schwedischen Universität aus erster Hand. Auf die Hilfe ihrer Ansprechpartner*innen aus dem Erasmus Programm war dabei immer Verlass. Abschließend betonte Franzi, sie würde allen, die die Lust und das Bedürfnis verspüren, einmal in einem anderen Land studieren zu wollen, das Erasmus Programm ans Herz legen.

Wir sind David und Felix und studieren Grundschullehramt an der Universität Bremen.  Wir belegen die Fächer Deutsch und Sachunterricht als Großfach, sowie Mathematik als Kleinfach. Franzi ist eine unserer Kommilitoninnen,  zudem haben wir selbst einen Faible für unbekannte Orte und Kulturen. Wir wussten, dass Franzi ein Semester in Schweden verbracht hat und haben sie gefragt, ob wir sie dazu interviewen dürfen. Franzi hat zugesagt.

Weiterführende Informationen zum Erasmusstudium: https://www.uni-bremen.de/fb-10/internationales/outgoing

Homepage der Universität Göteborg: https://www.gu.se/en 

Bunte Fischerhäuser auf den Schereninseln bei Göteborg