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Identitätsartikulation in der frühen Aneignung des Deutschen als Zweitsprache

Eine Situationsanalyse auf Basis von Beobachtungen in der Grundschule

Daria Babanova

Ein wesentlicher Schwerpunkt innerhalb des Forschungsfelds der frühen Zweitsprachaneignung (ZSA) liegt in der Primarstufe. Beim Eintritt in die neue Institution Grundschule begegnen Schüler*innen unterschiedlichen Herausforderungen, unter anderem bei dem Schriftspracherwerb, dem Umgang mit schulischen Machtstrukturen sowie der Konfrontation mit neuen sozialen Funktionen der Sprache. Bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) verläuft das Erlernen der beschriebenen Aspekte parallel zum Prozess der Zweitsprachaneignung, was oft zu einer besonderen Herausforderung wird. Im bildungspolitischen Kontext wird ebenso über sprachliche und fachliche Defizite der Kinder mit DaZ diskutiert. Dabei werden sie mit ihren monolingualen Mitschüler*innen verglichen, da in Schulen immer noch der monolinguale Habitus vorherrscht. Aus diesem Grund erleben Kinder oft stereotypische Zuschreibungen und werden deswegen diskriminiert. Die Veränderungen, denen die Kinder in der Übergangsphase zwischen Kindergarten und Schule ausgesetzt sind, sind identitätsstiftend. So fördern sämtliche Interaktionen nicht nur aktiv die Sprachaneignung, sondern auch die Identitätsartikulation mit anderen Akteur*innen. Grundschüler*innen konstruieren dabei in einem ständigen Prozess ihre Beziehungen zur sozialen Welt. Daraus entstand die Forschungsfrage dieses Promotionsprojekts: Wie werden Identitäten von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache in der Primarstufe artikuliert?

Dem Forschungsprojekt liegt das soziokulturelle Paradigma zugrunde. Als Forschungsgegenstand werden Identitätspraktiken betrachtet, in denen Identitäten der Schüler*innen mit Deutsch als Zweitsprache artikuliert werden. Die Daten werden durch Beobachtungen und Tonaufnahmen erhoben und mit der Situationsanalyse analysiert.