Im Sommersemester 2025 fand an der Universität Regensburg unter der Leitung von Prof. Dr. Beatrice Schuchardt am Institut für Romanistik eine Ringvorlesung zu Déplacements statt. "Visuelle, räumliche und zeitlichen Deplatzierungen in Comics & Graphic Novels aus der Frankophonie" wurden dazu in zahlreichen Gastvorträgen identifiziert, analysiert und diskutiert.
"Der Begriff der „Deplatzierung“ entsteht mit der so genannten ‚zweiten Generation‘ der Vertreter/innen der Postcolonial Studies, in der Forschende wie Edward Said, Homi K. Bhabha und Gayatri Spivak ihre Theorien entwerfen und den Fokus auf die Sichtbarmachung der Konstruktivität kolonialer Diskurse, ihrer Epistemologien und deren Destabilisierung richten. Ab Mitte der 1990er Jahre stoßen diese Ansätze innerhalb der Literaturwissenschaften und neu entstehenden Kulturwissenschaften auf ein großes akademisches Echo. Inzwischen scheinen die genannten Theoreme allerdings durch ihre Kritik sowie durch neue Ansätze einer dritten Generation postkolonialer Forschender wie Rothberg mit seinem multidirectional memory approach oder Eaglestone mit seinen knots of saying in den Hintergrund zu treten.
In The Location of Culture (1994) / Die Verortung der Kultur (2000) unterscheidet Bhabha „soziale“ (1994: 5), „historische“ (1994: 9) und „kulturelle Deplatzierung“ (1994: 12). Allen dreien ist eine Entortung gemein, die sich sozial in einem Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit, historisch im Erleben von Diskontinuität und kulturell im Eindruck von Heimatlosigkeit artikuliert. Zugleich beinhaltet Deplatzierung eine produktive Dynamik: Sie erzwingt, ermöglicht aber auch das Einnehmen neuer Standpunkte, die Verschiebung der Perspektive und eröffnet andere Blicke auf vermeintlich Gewohntes."
(Prof. Dr. Beatrice Schuchardt)
Myriam Macé aus der AG Französische Literaturwissenschaft nahm dafür die autobiographische BD Hanbok von Sophie Darcq aus dem Jahr 2023 in den Blick und zeigte auf, das mit dieser BD der auf Homi K. Bhabha zurückgehende Begriff der Deplatzierung ferner auch als aktive Suchbewegung neu gedacht werden kann.
Ein Sammelband mit Beiträgen aus der Ringvorlesung ist für 2027 geplant.

