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Wahnsinn und Postkolonialismus

Postkarte Wahnsinn & Postkolonialismus

Filmreihe // 3.12.2019–9.6.2020

Aufgrund der weiterhin unabsehbaren Covid-19-Dynamik muss die Filmreihe leider pausieren. Wir bedauern diesen Schritt sehr, aber hoffen auf Ihr Verständnis.

Die Filmreihe „Wahnsinn und Postkolonialismus“ widmet sich filmischen Formen des Wahnsinns, mit denen sich postkoloniale Lebensformen und Erfahrungen beschreiben und ausdifferenzieren lassen. Den Ausgangspunkt stellen vielschichtige und interessante Filme aus jüngster Zeit dar, Our Madness sowie Le fort des fous, die diesem Verhältnis Beachtung schenkten und in einen (film-)historischen Kontext präsentiert werden, vor dem sie sich besonders erschließen. Lassen sich die Folgen des Kolonialismus mit Bildern des Wahnsinns beschreiben – und umgekehrt Wahnsinn aus dem Blickwinkel des Postkolonialismus? Wie kann die Seite der ehemaligen Kolonialmächte betrachtet werden, ohne ihr zu einzuräumen, sich zu viktimisieren? Und wie ist der Wahnsinn als ästhetische Form dazu geeignet, einen selbstkritischen Blick über diese Aufsplittung einzunehmen?

Die Filmreihe lotet anhand kritischer Positionen aus, in welchem Verhältnis beide Terme zu einander stehen, vor dem Hintergrund, dass beide eine westliche Weltsicht radikal – von außen wie von innen – infrage stellen. Eingebettet in einem Forschungsprojekt am Fachbereich 9 der Universität Bremen über psychische Erkrankungen und darüber, vor welchen Hintergründen unsere Gesellschaft ihnen begegnet, dient die Filmreihe auch der Vorbereitung des Internationalen Bremer Filmsymposiums zum Thema „Kopf/Kino: Psychische Erkrankungen und Film“ und erfährt in diesem Rahmen Unterstützung durch die nordmedia.

Jeweils mit Einführung von Tobias Dietrich, Universität Bremen / ZeMKI.
Veranstaltungsort: CITY46 / Kommunalkino Bremen e.V.

  • Nordmedia
  • City 46
  • Afrika Netzwerk Bremen
  • Inputs

Aguirre, der Zorn Gottes

18:00 Uhr: Film mit Einführung im Kino CITY 46, Bremen.

Peru im 16. Jahrhundert: Eine Gruppe spanischer Konquistadoren, angeführt von Don Pedro de Ursúa und dessen zweiten Befehlshaber Lope de Aguirre, soll auf Flößen eine Route nach El Dorado ausfindig machen. Nachdem ein Hochwasser die Expedition zum Abbruch zwingt, zettelt Aguirre eine Meuterei an, liquidiert Ursúa, schwört dem spanischen König ab und führt seine Gefolgschaft auf engstem Raum auf eine gewaltvolle und aussichtslose Höllenfahrt.

Mit minimalistischem Anspruch an Plot und Dialogen entfaltet Herzogs Geschichte um den Besessenen, der ins Gericht Gottes führen soll, eine Vision von Größenwahn und Verrücktheit, die eine kritische Sicht auf die Anfänge der globalen Ausbeutung wirft. Der Film verhalf dem Neuen deutschen Film im Ausland zu großem Ansehen. So bezieht sich Francis Ford Coppolas Apocalypse Now direkt auf die nachwirkende „unglaubliche Bildsprache“ des herausragenden Kameramanns Thomas Mauch.

„ein farbenprächtiges, körpergewaltiges Bewegungsgemälde“ Süddeutsche Zeitung

"To see Aguirre for the first time is to discover a genuine masterpiece. It is overwhelming, spellbinding; at first dreamlike, and then hallucinatory." (Danny Peary, 1981)

„Herzog ist ein Suchender nach dem Realen im Menschen, das er tief unter der oberen Hülle vermutet und herausgearbeitet werden muss. Von ihm herausgearbeitet werden kann.“ Olivier Christe, 2013

D/MEX/PER 1972, Regie: Werner Herzog, mit Klaus Kinski, Helena Rojo, Ruy Guerra, 91 Min., OV

Aguirre, der Zorn Gottes