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Filmprogramm

ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND

Almanya - Roxy Film

FILM ZU VORTRAG 1 // MI 8.5. / 20:30 Uhr

D 2011, Regie: Yasemin Şamdereli, mit Vedat Erincin, Fahri Yardim, Aylin Tezel, 101 Min.
* mit Einführung von Daniela Berghahn

Großvater Hüseyin kam als Gastarbeiter nach Deutschland. Ungefähr 40 Jahre später – seine Frau und er haben gerade die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten – verkündet er der Großfamilie, dass er ein Haus in Anatolien gekauft habe. Die ganze Familie reist nun dorthin, um das Sommerhaus zu renovieren. Auf der Reise haben alle Familienmitglieder jedoch mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen.
In leichtem Ton handelt der Film von Identitätsfragen dreier Generationen einer Einwandererfamilie. Die Arbeit der Regisseurin, die das Buch zusammen mit ihrer Schwester Nesrin Şamdereli schrieb, zeigt einen differenzierten Blick und spielt mit kulturellen Klischees ebenso wie mit Filmbezügen und Genres.

Almanya – Willkommen in Deutschland feierte 2011 seine Premiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele in Berlin (Berlinale) und wurde mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Wiederholung // DO 9.5. / 18:00

ETWAS TUT WEH

Etwas tut weh – Recha Jungmann

FILM ZU VORTRAG 2 // DO 9.5. / 14:30 Uhr

BRD 1979, Regie: Recha Jungmann, mit Simone Maul, Anja Burak, Hermann Schäfer, 72 Min.
* mit Einführung von Annette Brauerhoch

Recha Jungmann begibt sich auf eine Spurensuche in die eigene Vergangenheit in einem Dorf in der Rhön. Der assoziativ montierte Film folgt ihr in drei Altersstufen: als kleinem Mädchen, als Jugendlicher und als erwachsener Frau. Ihre Erinnerungen sprechen vom Verlust des Familienzusammenhangs und rekonstruieren gleichzeitig Familiengeschichte, indem ein längst verstorbener Großvater neu entdeckt wird.
Der Dokumentarfilm wurde letztes Jahr von der Kinothek Asta Nielsen und dem Deutschen Filminstitut zusammen mit drei weiteren Filmen von Jungmann restauriert und auf den REMAKE. Frankfurter Frauen Film Tagen wieder aufgeführt.

 

FAMILIENGRUFT – LIEBESGEDICHT AN MEINE MUTTER

Familiengruft – Deutsche Kinemathek / DFFB

VORFILM // DO 9.5. / 14:30 Uhr

BRD 1981/82, Regie: Maria Lang, 12 Min., 16mm

Maria Langs Film, der in ihrem ersten Studienjahr an der dffb entstand, ist eine Porträtskizze ihrer Eltern. Über die Darstellung der Männer, um die sich das Leben der Frauen dreht, erzählt die Filmemacherin von den Frauen in ihrer Familie. Lang: „Ich rede über die Sprachlosigkeit, die Mauern, die Liebe, die Verachtung.“ Familiengruft und Etwas tut weh beschäftigen sich mit dem Exponieren weiblicher Erfahrungen in Familienstrukturen als  repressiven Lebenszusammenhängen.
Das Anliegen der frauenbewegten Autorinnen offenbart sich jeweils in der Auseinandersetzung mit filmischen Formen, die andere Zeitlichkeiten und Räume schaffen.

Familiensache(n)

Miranda July

Kommentiertes Filmkunstprogramm // DO 9.5. / 20:00 Uhr

„Familiensache“ bezeichnet im deutschen Zivilrecht eine Reihe von Streitsachen, die u.a. Ehe und Haushalt sowie auch den Versorgungsausgleich betreffen. Aus eigentlich innerfamiliären Wertvorstellungen werden also Familienstreitsachen; der sonst zugehörigkeitsversprechende und identitätsstiftende Familienbegriff wird gründlich umgepolt. Die Familie erweist sich hier als potentielles Konfliktmodell, das dem Versprechen eines schützenden Privatbereichs nicht gerecht wird.

Die ausgewählten Kurzfilm- und Videobeiträge aus über fünf Jahrzehnten nehmen allesamt auf je unterschiedliche Weise ebenso vertrauliche enge Verhältnisse als Ausgangspunkt und Motor einer Narration, die uns das Behagen wie das Unbehagen von Familienrelationen nicht vorenthält. So erweist sich die (Re-)Artikulation innerfamiliärer Werte, dramaturgisch potenziert, als Reartikulation ihrer Funktionen im gesellschaftlichen Leben.

Gerade der familiäre Haushalt und die herkömmlich darin implizierte Arbeitsteilung im Häuslichkeitskult der 1950er-Jahre, wie sie der US-Lehrfilm A Date with Your Family beschwört, werden in Julian Rosefeldts Manifesto-Szene „Conservative Mother“ kontrapunktisch mit Claes Oldenburgs Pop-Art-Manifest konfrontiert und somit konterkariert. Und in Vanalyne Greens Trick or Drink wird die für die Bildung und Entwicklung der Familienordnung notwendige Abschirmung nach Außen zum Auslöser kompulsiv-süchtigen Verhaltens. Auch wenn bisweilen parodistisch auf den Kopf gestellt (Klara Lidéns Ohyra, Chantal Akermans Family Business) bleibt die Kernfamilie als primäres Zugehörigkeitsmodell in solchen Konstruktionen bestehen (Miranda Julys Atlanta, Cheryl Dunyes An Untitled Portrait, Eli Cortiñas Quella che cammina). Zugleich wird sie zum Hauptelement, das sein grundsätzliches Konfliktpotential bildlich und dialogisch in verhängnisvolle Narrative perpetuiert.

Elena Zanichelli ist Juniorprofessorin für Kunstwissenschaft und Ästhetische Theorie an der Universität Bremen und Mitglied am Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender. Zuletzt kuratierte sie die Ausstellung „Women in Fluxus and Other Experimental Tales“ (Palazzo Magnani, Reggio Emilia 2013).

Die Filme:
   | A DATE WITH YOUR FAMILY USA 1950, Edward G. Simmel, b/w, 10 Min., OmengU
   | MANIFESTO (Conservative Mother Scene) D 2015, Julian Rosefeldt, col., 10:30 Min., OV
   | TRICK OR DRINK USA 1984, Vanalyne Green, col., 20 Min., OV
   | AN UNTITLED PORTRAIT USA 1993, Cheryl Dunye, col. / b/w, 3 Min., OV
   | ATLANTA USA 1997, Miranda July, col., 10 Min., OV
   | FAMILY BUSINESS GB 1984, Chantal Akerman, col., 18 Min., OV
   | QUELLA CHE CAMMINA / THE ONE WHO WALKS E 2014, Eli Cortiñas, col., 9:30 Min., OmengU
   | OHYRA D 2007, Klara Lidén, b/w, 4 Min., schwed. OmengU

Präsentiert in der Reihe Queering University an der Universität Bremen. Weitere Veranstaltungen unter www.uni-bremen.de/diversity

LA PIVELLINA

La Pivellina – Filmgalerie 451

FILM ZU FORUM 1B // FR 10.5. / 14:30 Uhr

Little Girl, I/A 2009, Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel, mit Patrizia Gerardi, 100 Min., OmU, 35mm
* mit Einführung von Loreta Gandolfi

Patti findet die ausgesetzte Asia auf einem Spielplatz. Statt sie zur Polizei zu bringen, nimmt sie die Zweijährige mit nach Hause in ihren Wohnwagen, wo sie mit einem kleinen Zirkus lebt. Asia wird in der Wahlfamilie des Zirkus warmherzig aufgenommen, doch stets bleibt die Angst, dass sie wieder getrennt werden. Covi und Frimmel verorten ihren Film zwischen Dokumentation und Fiktion. So entsteht mit Schauspieler*innen, die sich selbst spielen, und improvisierten Szenen mit einer Handkamera ein Film voll zauberhafter Alltäglichkeit.
Loreta Gandolfi untersucht das Verhältnis von Kinderfiguren im Film und familiären und nationalen Identitätsbestimmungen.

Wiederholung // SO 12.5. / 18:00 // MO 13.5. / 20:30

STORIES WE TELL

Stories We Tell - Fugu Films

FILM ZU FORUM 2 // FR 10.5. / 20:30 Uhr

CDN 2012, Regie: Sarah Polley, mit Michael Polley, Harry Gulkin, 108 Min., engl. OmU
* mit Einführung von Babylonia Constantinides

„Can you tell the whole story?“ Mit diesen Worten bittet Schauspielerin und Regisseurin Sarah Polley ihren Vater, ihre Geschwister und Freunde, von ihrer Mutter zu erzählen, die starb, als Polley elf Jahre alt war. Daraus schafft sie einen Film, der aus Interviews, alten Super-8-Aufnahmen der Familie und nachgespielten Szenen besteht. Die Ehe ihrer Eltern wie auch Geheimnisse der Familie werden so erkundet.
Jede*r der „Storyteller“ hat einen ganz eigenen Blick auf die Geschichte und so zeigt sich, dass Erinnerungen vage sind und Wahrheit davon abhängt, wer sie erzählt.
Babylonia Constantinides beschäftigt sich in ihrem Vortrag mit der filmischen Aneignung von Found Footage in autobiografischen Filmen.

Wiederholung // DI 14.5. + SA–SO 18.–19.5. / 20:00

UNDER THE SHADOW

Under the Shadow – xyz films

FILM ZU FORUM 3 // FR 10.5. / 22:30 Uhr

GB/KAT/JOR 2016, Regie: Babak Anvari, mit Avin Manshadi und Narges Rashidi, 84 Min., farsi OmengU
* mit Einführung von Janna Heine

Shideh wird aus politischen Gründen das Medizinstudium verwehrt. Während ihr Mann, selbst Arzt, zum Militärdienst einberufen wird, ist sie inmitten des Iran-Irak-Kriegs allein mit der gemeinsamen Tochter Dorsa an ihre Wohnung in Teheran gebunden. Mit den irakischen Raketen fallen auch böse Geister ins Heim ein: Ein weiblicher Dschinn im wallenden Tschador will Dorsa holen. In Sundance gefeiert, verknüpft Babak Anvaris Debutfilm intelligent Erzählungen der persischen Mythologie mit politischer Zeitgeschichte, die bis heute die Gesellschaft und Familienmodelle prägen.
Janna Heines Vortrag zeichnet an dem ersten Haunted-House-Horrorfilm im Iran die Bedrohung familiärer Souveränität durch das islamische Regime nach.

DAS UNMÖGLICHE BILD

Das unmögliche Bild - eksystent distribution

FILM & GAST // SA 11.5. / 14:00 Uhr

D/A 2016, Regie: Sandra Wollner, mit Jana McKinnon und David Jakob, 69 Min.
* mit anschließendem Gespräch mit Sandra Wollner

Mit der Super-8-Kamera ihres Vaters filmt die 13-jährige Johanna das Leben ihrer Familie in der Wiener Vorstadt um 1958. Unerwartet geben ihre Aufnahmen die Geheimnisse der Welt preis, in die sie geboren wurde: Großvaters Erinnerungen an die „gute Zeit“ bei der Wehrmacht und die Besucherinnen von Großmutter Marias ominösen Kochclub – hinter verschlossener Tür. Im Home-Movie-Format werden wir in eine Zeit versetzt, an die wir uns mit schnell verklärenden Familienaufnahmen und konstruierten Bildern erinnern. Wollners Filmstudie lotet aus, wie sich Amateurfilm-Ästhetik zur Fiktionalisierung von Familienvorstellungen verhält. Die Familiengeschichte aus dem persönlichen Blick einer heranwachsenden Frau überträgt sich dabei auf eine Kollektivgeschichte des Nachkriegsösterreichs.
Sandra Wollner studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Regie für Dokumentarfilm und ist als Cutterin und Regisseurin tätig. Das unmögliche Bild ist ihr Langspielfilmdebut, für das sie u.a. den Ingmar-Bergman-Debut-Preis in Göteborg erhielt.

STO SPITI – AT HOME

Sto spiti - J.M. Louis / SHNP3

FILM ZU FORUM 3 // SA 11.5. / 18:00 Uhr

GR/D 2014, Regie: Athanasios Karanikolas, mit Maria Kallimani, Marisha Triantafyllidou, 103 Min., OmU
* mit Einführung von Julian Jochmaring

Nadia, eine georgische Migrantin, ist schon so lange Haushälterin einer wohlhabenden Familie, dass sie beinahe ein Familienmitglied ist. Doch als bei ihr eine Krankheit diagnostiziert wird und die Familie zudem in finanzielle Schwierigkeiten gerät, wird sie kurzerhand entlassen. Diesen Vertrauensbruch erträgt Nadia mit stoischer Ruhe.
Ebenso zurückhaltend inszeniert Regisseur Karanikolas die Geschehnisse kühl und distanziert. In Form des emotionalen Verrats erzählt der Film, der der Greek New Wave zuzuordnen ist und im Berlinale Forum 2014 Premiere feierte, von den Folgen der europäischen Finanzkrise auf persönlichem, familiärem Niveau.
Julian Jochmaring untersucht die Inszenierung von Scheitern und Gelingen familiärer Sorgegemeinschaften und fokussiert dabei das Verhältnis weiblicher Arbeitskräfte zum Modell der Kernfamilie.

WEIBLICHE JUNGGESELLEN

Weibliche Junggesellen - Svenska Filminstitutet

STUMMFILM + X // SA 11.5. / 20:30 Uhr

Norrtullsligan, S 1923, Regie: Per Lindberg, mit Tora Teje, Inga Tidblad, 86 Min., tinted, stumm, engl. Zwischentitel
* mit Live-Musikbegleitung von RØD

Pegg, Emmy, Baby und Eva sind vier weibliche Büroangestellte, die in einer Wohngemeinschaft leben. Diese Wahlfamilie bietet ihnen solidarische Unterstützung gegenüber chauvinistischen Vermietern, Chefs und auch gegenüber tatsächlichen Familienangehörigen. So gelingt es den Frauen, ihre Unabhängigkeit zu behaupten. Die präzise und ungewöhnlich modern anmutende Sozialschilderung thematisiert Verhältnisse, wie sie leider heute noch üblich sind: sexuelle Belästigung, Vorurteile gegenüber Alleinerziehenden und Lohndiskriminierung. Die dennoch komödiantische Stimmung des Films drückt sich in der selbstironischen, lakonischen  Erzählstimme einer der jungen Frauen in den Zwischentiteln aus, die wiederum wörtlich aus der Romanvorlage von Elin Wägner stammen.
RØD ist als DJ und Producer tätig und macht sich in der Hamburger und Bremer Musikszene einen Namen. Fernab angepasster Tanzbeats experimentiert er an den Grenzen von House und Techno.

Präsentiert in der Reihe Queering Universityan der Universität Bremen. Weitere Veranstaltungen unter www.uni-bremen.de/diversity

WHAT WE DO IN THE SHADOWS

What We Do in the Shadows - Wild Bunch

SPÄTFILM // SA 11.5. / 22:30 Uhr

5  Zimmer Küche Sarg, NZ 2014, Regie: Jemaine Clement und Taika Waititi, mit Jonny Brugh, 82 Min., OmU

Viago und seine Vampir-Mitbewohner müssen sich mit den Anforderungen des modernen Lebens herumschlagen: Monatsmieten, Putzplänen, Türstehern und neuen Mitbewohnern. Die Horror-Mockumentary thematisiert das voyeuristische Interesse an der Zurschaustellung des Privaten wie auch des Außenseitertums. Gleichzeitig spiegeln die Filmemacher ihre Erfahrungen mit einer Männer-WG, deren Abhängigkeiten darin und der Unendlichkeit von ungespültem Geschirr.

MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI

Mein Leben als Zucchini - polyband Medien

FAMILIENKINO // SO 12.5. / 16:00 Uhr

Ma vie de courgette, F/CH 2016, Regie: Claude Barras, 66 Min., DF
* mit action&fun! im Anschluss

Als der kleine „Zucchini“ ins Heim von Madam Papineau kommt, fällt es ihm nicht leicht, mit den anderen Kindern zu leben. Er vermisst seine Mama und wird geärgert. Dann stößt Camille zu der Truppe, in die sich Zucchini prompt verliebt. Aber Camilles hinterhältige Tante will sie zu sich holen. Zucchini und seine Freunde müssen sich einen Plan ausdenken, um das zu verhindern. Basierend auf Gilles Paris’ Roman »Autobiografie einer Pflaume«, bietet der Trickfilm Kindern einen leichten Zugang zu den Themen Elternverlust und Heimerfahrungen.

A FAMILY AFFAIR

A Family Affair - Conijn Film

FILM // SO 12.5. / 20:30 Uhr

NL/DK 2015, Regie: Tom Fassaert, mit Marianne Hertz, 115 Min., holl. OmengU

Als ihn seine 95-jährige Großmutter nach Südafrika einlädt, kennt Tom Fassaert (Der Engel von Doel) sie nur aus den Erzählungen seines Vaters: als Femme Fatale der 1950er, die ihre zwei Söhne für ihre Model-Karriere in ein Kinderheim gab. Er trifft auf eine unbeschwerte, jung gebliebene Frau voller Esprit, die er mit den Folgen ihrer Entscheidungen konfrontieren will. Wie in Stories We Tell wird die Familiengeschichte anhand einer weiblichen Figur erkundet und brilliert mit der emotionalen Wucht seiner Erzählung über die universelle Erfahrung innerfamiliärer Konflikte über Generationen hinweg.

Wiederholung // DI 14.5. / 18:00