Figuren der Überforderung
Modernisierung - Individualisierung - Desorientierung
30. Internationales Bremer Symposium zum Film, 6.- 9.5.2026
Seit der Erfindung des Kinos begleiten Überforderungserfahrungen die Film- und Kinogeschichte. Heute wird die Rasanz der Schnittgewitter im populären Kino gegen die Langsamkeit des Slow Cinema in Stellung gebracht. Beiden wird angelastet, dass sie ihr Publikum ästhetisch überfordern. Zahlreiche Filme verhandeln Überforderung auch auf der Leinwand und legen da- mit unterschiedliche Perspektiven auf Stress, Erschöpfung und Desorientierung frei. Dabei bleibt der Begriff der Überforderung meist unbestimmt. Die Gesundheitswissenschaften verstehen sie als Form des Stresses, der aus dem Gefühl entsteht, Anforderungen und Erwartungen nicht erfüllen zu können.
Bezogen auf Ästhetik und Geschichte des Films eröffnet der Begriff neue Fragen: Welche Bilder und Erzählungen von Überforderung gibt uns das Kino? Wie klingt Überforderung im Film? Wie sind Überforderungen in der ästhetischen Erfahrung zu bewerten? Welche Entwicklungslinien zeigen sich in der Filmgeschichte? Wie werden Überforderungen auf Seiten der Produktion thematisiert? Auf welche Weise reflektieren sich in den stets wandelnden Figuren der Überforderung gesellschaftliche Krisen?
Mit dem Fokus auf Modernisierung, Individualisierung und Desorientierung versucht das Filmsymposium unterschiedliche Figuren der Überforderung in Ästhetik und Geschichte des Films herauszuarbeiten und dabei den gesellschaftlichen Wandel dieser Konzepte nachzuzeichnen. Im Dialog mit der Produktionsseite beleuchtet das Symposium, wie Filmschaffende die Figuren der Überforderung imaginieren und gestalten, und wie Zuschau- er*innen darauf reagieren. Das Bremer Symposium schaut zu- dem auf kulturelle und soziale Räume jenseits der westlichen Hemisphäre, denn in Zeiten multipler Krisen gilt Überforderung als ein weltweites Phänomen.





PROGRAMMÜBERSICHT
Die gesamte Veranstaltung (Vorträge, Filme und der Dialog „Von Varda lernen“) findet vor Ort in Präsenz statt. Akkreditierungen für Fachpublikum auf Anfrage. Der Zugang zu den Vorträgen ist grundsätzlich kostenlos. Abstracts und Informationen zu den Referent:innen finden Sie hier.
Mittwoch, 6.5.2026
15:00 // STILL LIFE
R: Jia Zhangke, CN 2006, 108 Min., OmengU
| mit Einführung von Felix Hasebrink (Bochum)
17:00 // Begrüßung
Nils Gloistein, Winfried Pauleit, Holger Tepe
17:30 // Andere Rückräume. Infrastruktur und Desorientierung in Jia Zhangkes Still Life (2006)
Vortrag Felix Hasebrink (Bochum)
18:30 // Jeanne Dielman als Kritik der Autonomie
Vortrag Eva Kuhn (Berlin)
20:30 // JEANNE DIELMAN
R: Chantal Akerman, B/F 1975, 201 Min., OmU
| mit Einführung von Eva Kuhn (Berlin)
Donnerstag, 07.05.2026
9:30 // Ethics and Politics of Gesture in Antonioni’s Cinema
Vortrag von Laura Rascaroli (Cork), in engl. Sprache
10:30 // Zooming underwhelmingly: cinematic worldhood and the zoom lens
Vortrag von Dominic Lash (Cambridge), in engl. Sprache
11:30 // Visceral Realism and the Aesthetics of Overwhelm: Sky Hopinka’s Sunflower Siege Engine (2022) and Dislocation Blues (2017)
Vortrag von Ina Karkani (Toronto), in engl. Sprache
– Pause –
14:00 // Überforderung und grausamer Optimismus: Über das Ausfransen der Genres im Kino des Prekären
Vortrag von Andrea Seier (Wien)
15:00 // FORMEN MODERNER ERSCHÖPFUNG
R: Sascha Hilpert, D 2024, 118 Min.
| anschließend: Regisseur Sascha Hilpert (Berlin) im Dialog mit Birgit Kohler (Berlin) und Tobias Dietrich (Bremen)
17:30 // Im Dialog
FIGUREN DER ÜBERFORDERUNG IN FORMEN MODERNER ERSCHÖPFUNG (2024)
| mit Sascha Hilpert (Berlin), Tobias Dietrich (Bremen) und Moderation Birgit Kohler (Berlin)
18:30 // Grußworte und Empfang
20:30 // TOO MUCH | TOO FAST | TOO GOOD
| Kurzfilmprogramm kuratiert und vorgestellt von Christine Rüffert (Bremen)
Freitag, 08.05.2026
9:30 // Atomisierung der Überforderung. Zur Sichtbarmachung neoliberaler Arbeitswelten in Thomas Imbachs Well Done (CH 1994)
Vortrag von David Kleinekottmann (Braunschweig)
10:30 // Spielräume der Überforderung: Indigene Sportfilme und die Aufarbeitung kolonialer Traumata
Vortrag von Michael Fleig (Regensburg)
11:30 // Arbeit – Liebe – Kino in Zeiten der Überforderung. Eine Annäherung an Alfonso Ruizpalacios La Cocina (2024)
Vortrag von Petra Löffler (Oldenburg)
– Pause –
14:00 // Fremde im Haus – Überforderung im privaten Alltag
Vortrag von Heike Klippel (Braunschweig)
15:00 // ILO ILO
R: Anthony Chen, SGP 2013, 99 Min., OmU
| mit Einführung von Heike Klippel (Braunschweig)
– Pause –
19:00 // IT
R: Clarence G. Badger, USA 1927, 72 Min.
| Stummfilm mit Live-Musik von Eunice Martins (Berlin)
| mit Einführung von Winfried Pauleit (Bremen)
20:45 // LA COCINA
R: Alonso Ruizpalacios, MEX/USA 2024, 139 Min., OmU
| mit Einführung von Petra Löffler (Oldenburg)
Samstag, 09.05.2026
9:30 // How To Be Disoriented: The Miseducation of the Senses and the Unreliable Reality in Lucrecia Martel’s Films
Vortrag von Natalia Christofoletti Barrenha (London)
10:30 // Individuelles Handeln unter institutionellen Begrenzungen in „Das Lehrerzimmer“ (2023) und „Heldin“ (2025)
Vortrag von Denis Sasse (Bielefeld)
11:30 // Adaptation Fatigue: Überforderung zwischen Film & Spiel
Vortrag von Rudolf Thomas Inderst (Neu-Ulm)
– Pause –
14:00 // LA CIENAGA
R: Lucrecia Martel, ARG/F/E 2001, 102 Min., OmU
| mit Einführung Natalia Christofoletti Barrenha
Über das Filmsymposium
Das Filmsymposium wendet sich mit der engen Verzahnung von öffentlichen Vorträgen, Filmvorführungen und Filmgesprächen an das filminteressierte Kinopublikum und an Fachbesucher*innen. Es ist eine langjährige Kooperation zwischen dem CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der AG Filmwissenschaft / FB 9 Kulturwissenschaften, ZeMKI und wird gefördert durch die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/ Bremen mbH und die DFG.
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Kontakt und Information
Projektkoordination:
Nils Gloistein // Universität Bremen
Christine Rüffert // Universität Bremen
Info/Anmeldung:
Malene Düvell// CITY 46


