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Handlungssteuerung und Multitasking

Menschen benutzen ihren Körper in vielfältiger Weise, um bestimmte Ziele zu erreichen. Mit anderen Worten: sie handeln. Die dabei verwendeten Bewegungen reichen von einfachen Zeigegesten bis zu komplexen Bewegungen im Rahmen von Sprachproduktion - aber selbst die Produktion einfachster Bewegungen erweist sich als äußerst komplex. Kern unserer Arbeiten zur Handlungsauswahl ist das sog. Ideomotorische Prinzip, welches wir anhand einfacher Aufgaben untersuchen, aber auch im Kontext von Multitasking. Ferner interessieren uns noch bestimmte Interferenzphänomene, die beim Multitasking auftreten können.

Antizipative Handlungssteuerung: Ideomotorik

Das ideomotorische Prinzip geht schon auf Phlilosophen des 19. Jahrhunderts zurück (vgl. Pfister & Janczyk, 2012) und wurde in den vergangegen 30 Jahren als Gegenstand psychologischer Forschung "wiederentdeckt". Kurz gesagt ist die Grundidee, dass eine motorische Handlung ausgewählt wird, indem jene sensorischen Zustände mental antizipiert werden, die aus der Bewegung resultieren würden. Dies wird heutzutage als "Effektantizipation" bezeichnet.Tatsächlich konnten einige Hinweise auf die Gültigkeit dieser Idee durch experimentelle Arbeiten erbracht werden.

Beispielhafte Publikationen:

Janczyk, M., & Lerche, V. (2019). A diffusion model analysis of the response-effect compatibility effect. Journal of Experimental Psychology: General, 148, 237-251.

Janczyk, M., Durst, M., & Ulrich, R. (2017). Action selection by temporally distal goal-states. Psychonomic Bulletin and Review, 24, 467-473.

Pfister, R., & Janczyk, M. (2012). Harleß' Apparatus of Will: 150 years later. Psychological Research, 76, 561-565.

Ideomotorik komplexer: Multitasking

Fast immer dürften Menschen mit mehr als einer Aufgabe zu einem Zeitpunkt befasst sein, sie betreiben also i.d.R. Multitasking. Oft (aber nicht immer) kommt es hierbei zu Leistungseinbußen in den Aufgaben und zur Erklärung solcher "Doppelaufgaben-Kosten" werden mehrere Ursachen diskutiert. Aufbauend auf unseren Arbeiten zur Ideomotorik untersuchen wir, inwieweit Handlungsziele bzw. deren Antizipation auch einen Beitrag zu den entstehenden Kosten leisten. Zum einen untersuchen wir, inwieweit das gleichzeitige Aufrechterhalten mehrerer Zielzustände bereits problematisch sein könnte (Übersicht in Janczyk, 2016) und zum anderen, inwiefern das Überwachen des tatsächlichen Eintretens des gewünschten Zieles zusätzliche Kosten verursacht. Dieser Aspekt wurde im DFG Projekt JA2307/3-1 untersucht.

Beispielhafte Publikationen:

Wirth, R., Janczyk, M., & Kunde, W. (2018). Effect monitoring in dual-task performance. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 44, 553-571.

Wirth, R., Steinhauser, R., Janczyk, M., Steinhauser, M., & Kunde, W. (2018). Long-term and short-term action-effect links and their impact on effect monitoring. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 44, 1186-1198.

Janczyk, M. (2016). Die Rolle von Handlungszielen bei der Entstehung von Doppelaufgabenkosten. Psychologische Rundschau, 67, 237-249.

Janczyk, M., Pfister, R., Hommel, B., & Kunde, W. (2014). Who is talking in backward crosstalk? Disentangling response- from goal-conflict in dual-task performance. Cognition, 132, 30-43.

Interferenz zwischen Aufgaben beim Multitasking

Neben den generellen Doppelaufgaben-Kosten gibt es noch spezifischere Formen von Interferenz zwischen Aufgaben beim Multiasking. Wir untersuchen hier insbesondere den Fall des sog. "Backward Crosstalk", bei dem Aspekte einer Zweitaufgabe bereits die Performanz in der Erstaufgabe beeinflussen. Wir versuchen dabei auf empirischen Wege verschiedene Formen solcher Crosstalk-Effekte zu isolieren und ihre Ursachen theoretisch zu beschreiben. Diese Arbeiten wurden vom MWK Baden-Württemberg gefördert und sind nun Teil des DFG Projekts JA 2307/6-1 im Rahmen des DFG Schwerpunktprogramms 1772 und werden in Kooperation mit Prof. Dr. Rolf Ulrich (Tübingen) durchgeführt.

Beispielhafte Publikationen:

Durst, M., & Janczyk, M. (2019). Two types of Backward Crosstalk: Sequential modulations and evidence from the diffusion model. Acta Psychologica, 193, 132-152.

Durst,  M., Ulrich, R., & Janczyk, M. (2019). To prepare or not to prepare? When preparation of a response in Task 2 induces extra performance costs in Task 1. Psychonomic Bulletin & Review, 26, 654-660.

Schuch, S., Dignath, D., Steinhauser, M., & Janczyk, M. (2019). Monitoring and control in multitasking. Psychonomic Bulletin and Review, 26, 222-240.

Durst, M., & Janczyk, M. (2018). The motor locus of the no-go based backward crosstalk. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 44, 1931-1946.

Janczyk, M., Renas, S., & Durst, M. (2018). Identifying the locus of compatibility-based backward crosstalk: Evidence from an extended PRP paradigm. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 44, 261-276.

Intentionales vs. nicht-intentionales Verhalten: Free-Choice Aufgaben

Mitunter wird die Idee vertreten, es würde zwei Arten an Handlungen geben, die sich qualitativ unterscheiden lassen, sog. stimulus-basierte vs. intentions-basierte Handlungen, wobei nur letztere dem Ideomotorischen Prinzip unterliegen würden. Zu ihrer Operationalisierung werden im Labor dann häufig Free-Choice Aufgaben eingesetzt, bei denen eine Versuchsperson selber zwischen mehreren Optionen wählen kann. Ausgehend von der Grundannahme keiner qualitativen Unterscheidbarkeit untersuchen wir, inwieweit sich Free-Choice und Forced-Choice Aufgaben tatsächlich unterscheiden und wie es bei Free-Choice Aufgaben zu einer Entscheidung kommt. Diese Arbeiten werden im Rahmen des DFG Projekts JA 2307/1-2 durchgeführt.

Beispielhafte Publikationen:

Naefgen, C., Dambacher, M., & Janczyk, M. (2018). Why free choices take longer than forced choices: Evidence from response threshold manipulations. Psychological Research, 82, 1039-1052.

Naefgen, C., & Janczyk, M. (2018). Free choice tasks as random generation tasks: An investigation through working memory manipulations. Experimental Brain Research, 236, 2263-2275.

Janczyk, M., Dambacher, M., Bieleke, M., & Gollwitzer, P.M. (2015). The benefit of no choice: Goal-directed plans enhance perceptual processing. Psychological Research, 79, 206-220.

Janczyk, M., Nolden, S. & Jolicoeur, P. (2015). No differences in dual-task costs between forced- and free-choice tasks. Psychological Research, 79, 463-477.

Aktualisiert von: Markus Janczyk