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Sprachverarbeitung

Auf dem Tisch liegen zwei Bananen und jemand sagt: "Gib mir bitte die Banane!" - Auch wenn es sich hierbei um einen grammatisch korrekten Satz handelt, ist im gegebenen Kontext etwas komisch: der definite Artikel "die" präsupponiert nämlich, dass das bezeichnete Objekt ("Banane") im aktuellen Kontext einzigartig ist. Allgemein handelt es sich bei Präsuppositionen um nicht ausgesprochene Bedeutungskomponenten,die bestimmen, ob eine Äußerung vor dem Hintergrund des bekannten Weltwissens angemessen ist. Der oder die Hörer*in muss also Information aus dem Weltwissen anreichern, um zu einem vollständigen Verstehen zu gelangen.

Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 833 "Bedeutungskonstitution" beschäftigen wir uns im Projekt B2 mit dem Zeitverlauf der Verarbeitung von Präsuppositionen. Eine zentrale Fragestellung ist bspw., ob die Präsuppositionsverarbeitung sofort angestoßen wird, wenn ein entsprechendes Auslöserwort (der "Trigger") aufgetreten ist oder ob mit der Verarbeitung quasi gewartet wird, bis ein Satz als Ganzes vorliegt. Darüber hinaus beschäftigen wir auch mit der Notwendigkeit von Aufmerksamkeit für die Präsuppositionsverarbeitung. Diese Fragen werden in Kooperation mit Dr. Nadine Bade (Tübingen) bearbeitet.

Beispielhafte Publikation:

Schneider, C., Schonard, C., Franke, M., Jäger, G., & Janczyk, M. (2019). Pragmatic processing: An investigation of the (anti-)presupposition of determiners using mouse-tracking. Cognition, 193, 104024.

Aktualisiert von: Markus Janczyk