Eine neue Veröffentlichung von Prof. Dr. Johannes Paha und Wiebke Siebert, die kürzlich in der Jubiläumsausgabe des Jahrbuchs für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (ORDO) erschienen ist, kommentiert Fritz Machlups Beitrag „Volkswirtschaftliche Scheinverluste beim Zustrom neuer Wettbewerber“ und fragt: Welche Bedeutung haben Machlups Überlegungen zu Wettbewerb und Markteintritt für die heutige Wettbewerbspolitik?
Machlups ursprünglich 1952 veröffentlichte Überlegungen befassen sich mit einem grundlegenden Spannungsverhältnis des Wettbewerbs: Einerseits kann der freie Markteintritt neue Wettbewerber hervorbringen und etablierte Unternehmen disziplinieren. Wettbewerb zwingt Unternehmen dazu, ineffiziente Produktionsstrukturen und schlechtes Management zu verbessern und schützt Verbraucher vor überhöhten Preisen. Andererseits weist Machlup darauf hin, dass unter bestimmten Bedingungen auch ein übermäßiger Markteintritt entstehen kann, der mit Wohlfahrtsverlusten verbunden ist. Viele dieser Gedanken finden sich Jahrzehnte später in formalen industrieökonomischen Modellen wieder und sind auch für die aktuelle Forschung weiterhin relevant.
Der Kommentar verbindet Machlups Argumentation mit der neueren wettbewerbsökonomischen Literatur. Empirische Studien zeigen beispielsweise, dass stärkerer Wettbewerb die Produktivität erhöhen, bessere Managementpraktiken fördern und einer sogenannten „quiet life“-Mentalität von Führungskräften entgegenwirken kann. Gleichzeitig ermöglichen moderne empirische Methoden heute eine Quantifizierung vieler Zusammenhänge, zu denen Machlup zu seiner Zeit noch keine belastbaren Daten zur Verfügung standen.
Besonders aktuell sind diese Überlegungen angesichts der Renaissance der Industriepolitik und der Debatte um nationale Champions, Marktzutrittsbeschränkungen und staatliche Förderung einzelner Unternehmen. Neuere Forschung zeigt, dass Industriepolitik durchaus produktivitätssteigernd wirken kann, wenn sie Wettbewerb und Markteintritt fördert. Eine Politik, die dagegen gezielt einzelne Unternehmen vor Wettbewerb schützt oder ineffiziente Anbieter dauerhaft im Markt hält, ist kritischer zu beurteilen. Machlups Plädoyer für offenen Wettbewerb und seine Skepsis gegenüber Marktzutrittsbeschränkungen haben daher auch mehr als 70 Jahre nach Veröffentlichung seines Beitrags nichts an Aktualität verloren.
Der vollständige Artikel kann hier abgerufen werden:
https://degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/ordo-2026-2016/html

