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Vortrag des Wirtschaftsweisen Achim Truger in Bremen

"Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich im [Jahr 2025] in einer Stagnation [...]. Die aktuelle Schwäche wird neben konjunkturellen Faktoren auch durch einen tiefgreifenden Strukturwandel sowie durch geopolitische Veränderungen verursacht, die das deutsche Exportmodell gefährden." Ursächlich hierfür sind u.a. die stark gestiegenen US-Einfuhrzölle und die Aufwertung des Euro, die ebenfalls zu steigenden Preisen auf den Weltmärkten führt.

Die deutsche Industrieschwäche hält trotz einer expansiven Finanzpolitik an, zumal für den privaten Konsum infolge eines schwachen Konsumentenvertrauens nur ein schwaches Wachstum erwartet wird. Zwar biete das Sondervermögen der Bundesregierung für die Stärkung des Wachstums eine große Chance. Mit der aktuellen Struktur des Sondervermögens werde dieser Beitrag zum Wachstum aber nicht völlig ausgeschöpft. Gerade investive Ausgaben, bspw. solche in die Verkehrsinfrastruktur, versprächen hohe Multiplikatoreffekte und damit langfristig positive Auswirkungen auf das BIP, während solche Effekte bei den - aus anderen Gründen erforderlichen - Verteidigungsausgaben hingegen nur vglw. schwach ausgeprägt seien. Zu kritisieren seien auch Maßnahmen wie die Mütterrente, die Pendlerpauschale, die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie und die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung.

Über diese Erkenntnisse aus dem aktuellen Jahresgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berichtete der Wirtschaftsweise Achim Truger am Dreikönigstag 2026 an der Universität Bremen.

Weiter äußerte sich Truger zur Reform der Unternehmensbesteuerung. So könnten Maßnahmen sinnvoll sein, um Verzerrungen bei Investitionsentscheidungen, bei der Standortwahl von Unternehmen und der Wahl der Finanzierungsform zu verringern. Zu aktuellen Steuersenkungsforderungen äußerte er sich jedoch skeptisch. Die Forschungszulage könne aber "weiter vereinfacht werden. Sie ist ein effektives Instrument, um Innovation anzuregen und so zu höherem Produktivitätswachstum beizutragen."

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete der Referent die Fragen der Anwesenden. Besonders dankbar griff er eine Frage nach Ungleichheit und Erbschaftsteuer auf: "Die Vermögensungleichheit ist in Deutschland im europäischen Vergleich hoch [...]. Die Erbschaft- und Schenkungsteuer sollte reformiert werden, um für eine gleichmäßigere Besteuerung aller Vermögensarten zu sorgen."

Auch die Diskussion beim anschließenden Abendessen ergab Spannendes: So sei es im Arbeitsprozess des Sachverständigenrats weiterhin sehr wertvoll, vor der Veröffentlichung den Gutachtentext in Arbeitsgruppen laut zu verlesen. Dadurch würden immer noch in letzter Minute eine ganze Menge an Tippfehlern oder Unklarheiten beseitigt.

Herzlichen Dank, Achim, für Deine informativen Ausführungen. Mein Dank gilt zudem Milena Schwarz, der stellv. Generalsekretärin des Sachverständigenrats und meiner ehem. Kollegin von der Justus-Liebig-Universität, für die Vermittlung des Vortragstermins.

Zitate aus dem Jahresgutachten des Sachverständigenrats:
www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/jahresgutachten-2025.html