Im Forschungsseminar des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften berichtete Prof. Dr. Avik Chakrabarti (University of Wisconsin–Milwaukee) über seine jüngste Arbeit zu den Wechselwirkungen zwischen Standards Setting Organizations (SSOs) und grenzüberschreitenden Unternehmensübernahmen. Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Johannes Paha organisiert.
Chakrabarti präsentierte ein Papier, das theoretische Modellbildung und umfangreiche empirische Analysen kombiniert. Kernaussage: Die Mitgliedschaft von Unternehmen in SSOs ist systematisch mit dem Wert grenzüberschreitender M&A‑Transaktionen verbunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass kein statistisch signifikanter Zusammenhang besteht, ist nach den Autoren praktisch null.
Das Papier entwickelt ein general oligopolistic equilibrium Modell, in dem SSOs Netzwerkeffekte erzeugen und somit Produktivitätseffekte und Lohnwirkungen erzielen. Je größer der Netzwerkvorteil einer Seite, desto stärker verändern sich Produktionsmuster, Löhne und damit Fusionsanreize.
Die Autoren verbinden die Searle Center Database mit einem großen M&A‑Datensatz, um grenzüberschreitende Fusionen empirisch zu analysieren. Sowohl die SSO‑Mitgliedschaft des Targets als auch des Erwerbers korrelieren positiv mit dem Transaktionswert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass SSOs nicht nur technische Koordinationsrollen erfüllen, sondern einen weiteren ökonomischen Nutzen bieten, der die Unternehmensbewertungen und internationale Konsolidierungsdynamiken beeinflusst. Für die Forschung eröffnet die Arbeit eine Verbindung von Netzwerk‑/Standardisierungsforschung mit M&A‑Literatur und liefert methodische Werkzeuge für die Arbeit mit unvollständigen Matching‑Daten.
Für die Politik und Wettbewerbsaufsicht bedeutet das: Standardisierungsnetzwerke können strategische Wettbewerbsvorteile erzeugen. Bei der Prüfung grenzüberschreitender Fusionen sollten Regulierungsbehörden die Rolle institutioneller Netzwerke und Standardisierungsvorteile berücksichtigen.
Wer mehr über Avik Chakrabarti und seine Forschung erfahren möchte, findet Informationen auf seiner UWM‑Profilseite:
https://uwm.edu/economics/about/directory/chakrabarti-avik/
Informationen zu Prof. Dr. Johannes Paha und seiner Forschungsgruppe sind auf den Seiten des Fachbereichs bzw. seiner persönlichen Homepage verfügbar:
www.jpecon.de

