Jenseits der Oberfläche: Wie das Wettstreiten um Ressourcen den Ozean als politischen Raum neu entdeckt

Dieses Forschungsprojekt untersucht europäische Debatten über den Tiefseebergbau sowie das Verständnis der Ozeane als politikwissenschaftliches Forschungsfeld.

Die Entwicklung neuer Technologien, der Übergang zu erneuerbaren Energien, die Digitalisierung und letztlich der Wohlstand und die Sicherheit Europas hängen immer mehr vom Zugang zu kritischen Rohstoffen ab. Engpässe stellen eine große Herausforderung dar. In den Tiefen des Meeres könnten einige dieser kritischen Rohstoffe, etwa Mangan, Kupfer, Kobalt oder Seltene Erden abgebaut werden. Befürworter sehen im Tiefseebergbau eine vielversprechende Lösung, um den Bedarf an Rohstoffen zu decken und Abhängigkeiten zu reduzieren. Kritiker hingegen warnen vor Umweltauswirkungen unbekannten Ausmaßes. Trotz möglicher wirtschaftlicher Vorteile haben sich europäische Institutionen und viele Mitgliedstaaten für ein Moratorium des Tiefseebergbau ausgesprochen. Dieses Forschungsprojekt untersucht das Zustandekommen dieser Position und wie sich der Tiefseebergbau in die aktuellen Auseinandersetzungen um Rohstoffsicherheit und Nachhaltigkeit einfügt. 

Der Tiefseebergbau ist dabei Teil eines größeren Phänomens: des globalen Bedeutungsgewinns der Ozeane. Während ihre Bedeutung für Ökosysteme und Klimaregulierung immer deutlicher zutage tritt wird, steigt zugleich ihre wirtschaftliche Nutzung. Handel, Tourismus, Off-Shore Windanlagen und andere bereits bestehende Industrien wachsen unaufhaltsam und neue Industrien, wie etwa der Tiefseebergbau oder das sogenannte Carbon Capture and Storage beanspruchen die Ozeane zusätzlich. Die Governance der Ozeane, der Umgang mit ihren Ressourcen, die sich zuspitzenden sicherheitspolitischen Interessen auf See sowie die Entscheidungsfindung und der Aufbau von Institutionen erfordern ein multidisziplinäres Verständnis der Ozeane und werfen auch politikwissenschaftliche Fragen auf. Damit trägt dieses Forschungsprojekt auch zu einem breiteren Verständnis der Ozeane bei. Ziel ist es, Antworten darauf zu liefern, wie der Ozean – insbesondere mit Blick auf seine Ressourcen- als politischer Raum begriffen werden kann.

Dissertationsprojekt von Tim-Frederik Hahn

 

Projektbezogene Aktivitäten

Konferenzen & Vorträge

2025

The Economic (Dis)Interest in Deep-Sea Mining. On Why Companies Are Positioning Themselves Against Deep-Sea Mining.

EISA Pan-European Conference on International Relations, Bologna, 25-29.08.2025

Societal influences and the Governance of the Deep-Sea – the Economic Interest Dimension.

ECPR Joint Sessions of Workshops, Prague, 20-23.05.2025

 

Medienbeiträge

“Bergbau in der Tiefsee – weit weg, aber dennoch entscheidend”, shift blog, 25. Februar 2025, https://www.shift.eco/bergbau-in-der-tiefsee/

 

 

Aktualisiert von: Roy Karadag