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Beyond Vulnerability

  • Schulz in Uganda

    Uganda

    Forschung mit Überlebenden sexueller Gewalt

  • Schulz in Uganda

    Uganda

    Forschung mit Überlebenden sexueller Gewalt

Obwohl konfliktbezogene sexuelle Gewalt gegen Männer häufiger auftritt als allgemein angenommen, sind diese Verbrechen nachwievor nur unzureichend untersucht. Die wenigen bestehenden Studien konzentrieren sich in erster Linie auf die von männlichen Überlebenden erfahrenen geschlechtsspezifischen Vulnerabilitäten und Leiden. Infolgedessen wurden sexuelle Kriegsgewalt gegen Männer sowie die Erfahrungen männlicher Überlebender bisher ausschließlich im Rahmen von Verletzlichkeiten untersucht. Männliche Überlebende werden fast ausschließlich als passiv, gedemütigt und ihrer Geschlechtsidentität beraubt dargestellt. Wie männliche Überlebende sexueller Gewalt - trotz ihrer Verwundbarkeiten - jedoch auch aktiv mit ihren konfliktbezogenen und geschlechtsbedingten Erfahrungen und Vulnerabilitäten umgehen, darauf reagieren und dabei unterschiedliche Formen politischer Agency ausüben, ist noch nicht untersucht worden. Um diese Lücke in der Literatur zu schließen, fragt dieses Projekt: Welche verschiedenen Formen und Bedingungen der politischen Agency gibt es für Überlebende sexueller Gewalt gegen Männern in (Post-)Konflikt Gebieten? Diese Analyse ist von wissenschaftlicher Bedeutung, da sie ein ganzheitliches, nuanciertes sowie empirisch-fundiertes Bild der Geschlechterdynamiken von bewaffneten Konflikten und sexueller Gewalt in Kriegszeiten im Allgemeinen, und der Erfahrungen von männlichen Überlebenden im Besonderen, zeichnet. Diese empirisch-fundierten Erkenntnisse fördern damit auch ein vertieftes Verständnis bezüglich der langfristigen Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf Zivilisten und betroffene Bevölkerungen im weiteren Sinne.

Unter Verwendung von Nord-Uganda und Sri Lanka als explorative Fallstudien geht die vergleichende Studie daher über bisher bestehende Forschungsarbeiten hinaus, die sich entweder auf die geschlechtsspezifische Vulnerabilitäten männlicher Überlebender oder die politische Agency von Frauen in Kriegsgebieten konzentriert haben. Neue empirische Daten werden durch interpretative und ethnographische qualitative Methoden gesammelt, einschließlich Experten Interviews, gruppenbasierter Story-Telling Diskussionen und Zeitzeugenbefragungen (oral history interviews) mit männlichen Überlebenden. Das Projekt beleuchtet dadurch die nur selten gehörten Stimmen männlicher Überlebender sexueller Gewalt und trägt somit zu einer erweiterten Analyse mit Konflikten bei, mit akademischer und politischer Bedeutung. Durch die Untersuchung der gelebten Realitäten männlicher Überlebender sexueller Gewalt mit Blick auf politische Agency leistet das Projekt neue empirische und theoretische Beiträge in sich überschneidenden Feldern der internationalen Beziehungen, Friedens- und Konfliktforschung und Geschlechterforschung. Konkret trägt das Projekt das wissenschaftliche Potential, den Stand der Forschung zu sexueller Gewalt im Krieg und die Grenzen des Wissens über geschlechtsspezifische Konfliktuntersuchungen signifikant zu erweitern.

 

Projektmitglied

Philipp Schulz

 

Projektrelevante Publikationen

- 2022. ‘Broadening the Scope but Reasserting Male Privilege? Potential Patriarchal Pitfalls of Inclusive Approaches to Gender-Based Violence. International Feminist Journal of Politics (im erscheinen), mit Henri Myrttinen.

- 2022: ‘Political Agency, Victimhood and Gender in Contexts of Armed Conflict: Moving Beyond Dichotomies.’ International Studies Quarterly66(2), mit Anne-Kathrin Kreft.

- 2022: ‘Accountability for Conflict-Related Sexual Violence.’ Oxford Research Encyclopaedia of International Studies1-25, mit Anne-Kathrin Kreft.

- 2021: ‘From “It Rarely Happens” to “It’s Worse for Men”: Dispelling Misconceptions about Sexual Violence against Men and Boys in Conflict and Displacement.’ Journal of Humanitarian Affairs 2(3): 25-34, with Heleen Touquet, Sarah Chynoweth, Sarah Martin, Chen Reis, Henri Myrttinen, Philipp Schulz, Lewis Turner, David Duriesmith.

- 2020: ‘Queering Explanatory Frameworks for Wartime Sexual Violence Against Men.’ International Affairs 96(5): 1169-1187, with Heleen Touquet.

- 2020. ‘Male Survivors of Wartime Sexual Violence: Perspectives from Northern Uganda.’ Berkeley: University of California Press (Open Access).

- 2020: ‘Navigating vulnerabilities and masculinities – how gendered contexts shape the agency of male sexual violence survivors.’ Security Dialogue 52(3): 213-230, with Heleen Touquet.

Aktualisiert von: Roy Karadag