Unter der Leitung von Professorin Karin Wolf-Ostermann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) und Professor Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik beteiligten sich Forschende der Universität Bremen an der 8. Konferenz „Zukunft der Pflege“ in Nürnberg. Der Titel „Digitale Transformation: smart, sicher, souverän!“ leitete die Konferenz, die eine den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik zu aktuellen Entwicklungen und Innovationen im Pflegebereich stärkt. In mehreren Vorträgen und einem interaktiven Workshop brachten die Forschenden aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse sowie praxisnahe Perspektiven zur digitalen Transformation der Pflege in die Diskussion ein.
Jessica Lobitz (IPP) stellte in ihrem Vortrag die videobasierte Pflegebegutachtung (ViBe-Pflege) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI vor. Sie zeigte, wie Gutachtende diese Form der digital unterstützten Begutachtung akzeptieren und welches Potenzial videobasierte Verfahren für eine flexiblere, effizientere und zugleich qualitativ hochwertige Pflegebegutachtung bieten. Im Workshop „Von der Idee zur souveränen Umsetzung – Ein Workshop zur erfolgreichen Einführung telebasierter Pflege mithilfe von Patient Journeys“ unterstützten Dominik Domhoff (IPP), Janina Ehe (SOCIUM) und Julia Misonow (IPP) die Teilnehmenden dabei, anhand konkreter Beispiele zentrale Schritte bei der Einführung telepflegerischer Technologie am Beispiel von Wearables kennenzulernen. Gemeinsam entwickelten die Teilnehmenden Strategien für eine erfolgreiche Implementierung. Dr. Kathrin Seibert (IPP) eröffnete mit ihrem Vortrag „Digital nah und doch (noch) so fern?! – Anwendungsfelder und Chancen von Telepflege im Pflegealltag“ den Programmpunkt Telepflege. Anschaulich zeigte sie, wie digitale und telepflegerische Lösungen Pflegepersonen im Alltag unterstützen können und welches Potenzial sie für eine moderne, vernetzte Versorgung bieten. Dabei wurde deutlich: Telepflege trägt schon heute zu einer zukunftsfähigen Pflegepraxis bei. Wichtige Impulse setzten die Forschenden aus dem SOCIUM: Swenja Krüppel präsentierte Ergebnisse zur Implementierung von Sturzsensoren in Pflegeeinrichtungen. In ihrem Vortrag „Mehr als nur Installation – ein partizipativer, qualitativer Logic Model-Ansatz zur Identifikation von Hypothesen und Outcomes“ verdeutlichte sie eindrucksvoll, dass technologische Innovationen in der Pflege nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn ihre Einführung partizipativ gestaltet und organisatorische sowie soziale Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Dominik Domhoff stellte Ergebnisse zu strukturellen Anforderungen für eine erfolgreiche Digitalisierung in der Pflege vor. Sein Vortrag „Strukturelle Anforderungen für die erfolgreiche Digitalisierung in der Pflege – Ergebnisse eines Rapid Reviews und einer Onlinebefragung“ beleuchtete zentrale Voraussetzungen für die nachhaltige Umsetzung digitaler Innovationen im Pflegealltag. Janina Ehe vom SOCIUM moderierte den Programmblock, der sich durch eine lebhafte Diskussion mit dem Fachpublikum auszeichnete. Am letzten Konferenztag präsentierte Julia Misonow ihren Beitrag „Vergleich und Bewertung effizienterer Studiendesigns als Alternative zu randomisierten kontrollierten Studien“. Sie stellte vor, wie innovative methodische Ansätze dazu beitragen können, Interventionen im Gesundheits- und Pflegebereich praxisnah und zugleich wissenschaftlich fundiert zu evaluieren. Im Themenfeld digitaler Innovationen in der Pflege ist dies besonders wichtig, da Wirksamkeitsstudien im Pflegealltag oft komplex sind.
Alle Beiträge der Universität Bremen stießen auf großes Interesse bei den Konferenzteilnehmenden und unterstrichen die hohe Relevanz der Forschung für die Weiterentwicklung der Pflege. Professorin Karin Wolf-Ostermann und Professor Heinz Rothgang nehmen als Leitungen der beteiligten Forschungsteams eine zentrale Rolle bei der Förderung innovativer Forschungsansätze an der Schnittstelle von Pflege, Digitalisierung und Versorgungsforschung ein. Professor Rothgang adressierte in seinem „Impuls: Finanzierung von Pflegeinnovationen in der Langzeitpflege“ und in der sich daran anschließenden Podiumsdiskussion die drängende Frage der Finanzierung digitaler Technologien in der Akut- und Langzeitpflege. Ein Technik-Pflege-Schlüssel, der erlaubt, unbesetzte Personalmittel aus dem Rahmen des §113c Abs. 1 SGB XI für arbeitszeitsparende digitale Technik zu nutzen, könnte für Pflegeheime und ambulante Pflegedienste hierbei neue Möglichkeiten schaffen.
Der intensive Austausch mit Personen aus Wissenschaft und Pflegepraxis zeigen auf der Konferenz eindrucksvoll das Engagement der Forschenden der Universität Bremen, die digitale Transformation der Pflege mitzugestalten und zukunftsfähige Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu entwickeln.


