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„Ich bin wirklich selber erstaunt“ - Evaluation der Externenprüfung und des Vorbereitungskurses für die Pflegefachhilfe in Bremen
Kai Knapp, Ingrid Darmann Finck
Aufgrund des hohen Bedarfs an Pflegefachhelfer:innen mit dem Qualifikationsniveau (QN) 3, einem Niveau, das normalerweise eine ein- zweijährige Ausbildung voraussetzt, hat die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz im Januar 2024 in einem Erlass die Möglichkeit geregelt, dass berufserfahrene Pflegehelfer:innen ohne Ausbildung mittels einer sogenannten Externenprüfung den Berufsabschluss als Pflegefachhelfer:in erlangen können. Personen, die die Externenprüfung absolvieren wollen, müssen an einem etwa einmonatigen Vorbereitungskurs teilnehmen und einen etwa ebenso langen Praxiseinsatz durchführen. Der Vorbereitungskurs orientiert sich inhaltlich an der einjährigen Pflegehelferausbildung und wurde thematisch sowie zeitlich entsprechend angepasst und verkürzt.
Gegenstand einer eigenfinanzierten Untersuchung ist die formative Evaluation des Vorbereitungskurses aus Sicht von Teilnehmenden und Lehrenden. Dem Rahmenmodell zur Evaluation und Qualitätssicherung im Bildungswesen [1] entsprechend werden die Voraussetzungen (z. B. Teilnahmemotive), die Merkmale und Prozesse der Implementation und die Ergebnisse (z. B. Lernergebnisse), auch im Hinblick auf die Reflexion der eigenen berufsbiographischen Entwicklung aus der Perspektive der Befragten untersucht.
Das Vorhaben orientiert sich theoretisch am und am Angebot-Nutzungs-Modell nach Reusser und Pauli (2010) [2]. Die Datenerhebung erfolgte anhand von leitfadengestützten episodischen Interviews [3]. Diese werden inhaltsanalytisch nach Mayring (2022) ausgewertet [4]. Im Anschluss wird geprüft, ob mittels inhaltlicher Zusammenhänge eine Typenbildung [5] möglich ist. In die Untersuchung miteinbezogen wurden insgesamt 13 Teilnehmende und 5 Lehrende von drei Bremer Pflegeschulen.
Die Analyse der Interviews ergibt, dass die Teilnehmenden durchweg eine hohe Teilnahmemotivation am Vorbereitungskurs und der anschließenden Externenprüfung aufweisen. Im Vordergrund stehen vor allem äußere Motive: die Teilnehmenden erhoffen sich durch die formale Qualifikation einen Karrierefortschritt, mehr berufliche Anerkennung sowie finanzielle Verbesserungen.
Die meisten Teilnehmenden verfügen über eine hohe Sicherheit in pflegepraktischen Tätigkeiten, die sie oftmals durch langjährige praktische Erfahrung in der Pflege erworben haben. Barrieren für die erfolgreiche Teilnahme am Vorbereitungskurs und das Bestehen der Externenprüfung sehen die Lehrenden wie auch die Teilnehmenden vor allem in sprachlichen Anforderungen und in Anforderungen der Grundbildung (Lesen und Schreiben). Insbesondere das Herleiten von Fachbegriffen und das Verschriftlichen von Wissen wird als Herausforderung für die Kursteilnehmenden beschrieben. Daraus resultieren zum Teil starke Unsicherheiten und Versagensängste im Hinblick auf die abschließende Prüfung. Vor diesem Hintergrund ziehen die Lehrenden das Fazit, dass die Dauer für den Vorbereitungskurs zu kurz ist, um die Teilnehmenden adressatengerecht zu unterstützen: „[…] die Zeit ist leider einfach sehr knapp für diese Menschen“. Trotz dieser Herausforderungen und des damit verbundenen Leistungsdrucks nehmen die Teilnehmenden den Vorbereitungskurs als positive Lernerfahrung wahr.Sie stellen reflexiv an sich fest, dass sie mehr Handlungssicherheit und ein größeres Bewusstsein für Risiken erworben, was sie selbst nicht unbedingt erwartet hätten („ich bin wirklich selber erstaunt“).
Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass der Vorbereitungskurs dazu beiträgt, dass die Teilnehmenden das eigene Können kritisch reflektieren und sich fachliche Professionalität aneignen. Um die Prüfungssicherheit der Teilnehmenden zu erhöhen und den Kompetenzaufbau nachhaltig unterstützen zu können, ist eine Verlängerung der Kursdauer – wie im Gesetzentwurf zur Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung, der aktuell vom Bundeskabinett beschlossen wurde, vorgesehen - zu empfehlen.
Kai Knapp, Prof. Dr. Ingrid Darmann Finck
Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung IPP | Abt. Qualifikations- und Curriculumforschung
darmann@uni-bremen.de
Literatur
1]: Ditton H. Evaluation und Qualitätssicherung. In: Tippelt R, Schmidt B, Hrsg. Handbuch Bildungsforschung. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften; 2009:607-623. (überarbeitete und erweiterte Auflage).
[2]: Reusser K. Von der Bildungs- und Unterrichtsforschung zur Unterrichtsentwicklung. Z Gesch Pädagogik. 2009;27(3):295-312.
Zitierweise
Knapp K, Darmann-Finck I. “Ich bin wirklich selber erstaunt” - Evaluation der Externenprüfung und des Vorbereitungskurses für die Pflegefachhilfe in Bremen. IPPinfo [Internet]. 2026;19(22):28. Available from: https://www.uni-bremen.de/institut-fuer-public-health-und-pflegeforschung/ippinfo. https://doi.org/10.26092/elib/5876

