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Menschen spazieren durch Grünanlage

Forschungsarbeiten der Abteilung Sozialepidemiologie des IPP gehen in den Vierten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung ein

Gabriele Bolte, Sabine Baumgart

Der Vierte Gleichstellungsbericht „Gleichstellung in der sozial-ökologischen Transformation“, der im März 2025 veröffentlicht wurde, widmet sich dem Klimawandel und Klimapolitiken in Deutschland unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit. Der Gleichstellungsbericht umfasst das Gutachten der Sachverständigenkommission und die Stellungnahme der Bundesregierung (https://www.gleichstellungsbericht.de/gleichstellungsberichte/vierter-gleichstellungsbericht/).

Das Gutachten der Sachverständigenkommission zeigt für verschiedene Handlungsfelder geschlechterbezogene Folgen des Klimawandels sowie gleichstellungsrelevante Auswirkungen der darauf reagierenden Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen auf. Zu einem der Handlungsfelder, der Stadt- und Raumentwicklung, haben Gabriele Bolte und Sabine Baumgart die Expertise „Sozial-ökologische Transformation der Gesundheitsinfrastruktur. Genderaspekte der niedrigschwelligen Gesundheitsversorgung in ländlichen und städtischen Gebieten“ verfasst (https://www.gleichstellungsbericht.de/wp-content/uploads/2025/10/Expertise_Baumgart_Gesundheitsinfrastruktur_20240213.pdf).

Die Expertise verdeutlicht, dass Gesundheit alle Lebensbereiche berührt und entsprechende Strategien zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels, für eine Verkehrswende und den Zugang zu einer angemessenen Infrastrukturversorgung sowie die Sicherung der elementaren Ressourcen wie Luft, Boden, Wasser in Verbindung mit einer sozioökonomisch tragfähigen Lebensgestaltung für alle Bevölkerungsgruppen erfordert. Aus einer Umweltgerechtigkeitsperspektive sind insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen, d. h. sozioökonomisch oder gesellschaftlich benachteiligte Menschen mit einem mangelnden Zugang zu einer gleichberechtigten Teilhabe, in den Blick zu nehmen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Kategorie Geschlecht. In der Expertise wird auf ein umfassendes Geschlechterkonzept Bezug genommen, wie es in der Abteilung Sozialepidemiologie in den Projekten INGER und DIVERGesTOOL erarbeitet wurde. Hinsichtlich gesellschaftlicher Diskriminierungsprozesse gerade auch im Gesundheitswesen und der Entstehung gesundheitlicher Ungerechtigkeiten sind geschlechtliche Vielfalt, die Multidimensionalität und Variabilität von Geschlecht sowie die Verwobenheit von Geschlecht mit weiteren sozialen Kategorien wie beispielsweise der sozialen Lage von Bedeutung.

Die Expertise zu Genderaspekten der niedrigschwelligen Gesundheitsversorgung in ländlichen und städtischen Gebieten nimmt in erster Linie eine raumbezogene Perspektive ein. Eine niedrigschwellige Gesundheitsinfrastruktur ohne Zugangsbarrieren wird als ein wesentlicher Baustein für Geschlechtergerechtigkeit angesehen. In der Expertise werden Aspekte von gesundheitlicher Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung angesprochen, Formate niedrigschwelliger Gesundheitsinfrastruktur in städtischen Quartieren und in ländlichen Räumen unter besonderer Berücksichtigung von Geschlechtergerechtigkeit vorgestellt sowie raumrelevante Anforderungen an eine geschlechtergerechte niedrigschwellige Gesundheitsversorgung diskutiert.

Diese Expertise aus der Abteilung Sozialepidemiologie ging in das Gutachten der Sachverständigenkommission ein. Darüber hinaus greift das Gutachten für den Vierten Gleichstellungsbericht die Arbeiten der Abteilung Sozialepidemiologie des IPP zu Klimagerechtigkeit sowie Intersektionalität und Geschlecht in der Gesundheitsforschung und Gesundheitsberichterstattung auf (Projekte INGER, DIVERGesTOOL, AdvanceGender, vgl. IPP-Info 20/2023). Die Sachverständigenkommission empfiehlt u.a. die Anwendung des Multidimensionalen Geschlechtermodells aus dem Projekt INGER und die Nutzung der Toolbox des Projekts DIVERGesTOOL (https://www.uni-bremen.de/divergestool-projekt/divergestool-toolbox) in der Gesundheitsforschung.

Prof. Dr. Gabriele Bolte (1), Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart (1,2)

(1) Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung IPP | Abt. Sozialepidemiologie

(2) BPW Stadtplanung, Bremen

Mail: gabriele.bolteprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

https://www.uni-bremen.de/institut-fuer-public-health-und-pflegeforschung/abteilungen-arbeitsgruppen/public-health-forschung/sozialepidemiologie


Zitierweise

Bolte G, Baumgart S. Forschungsarbeiten der Abteilung Sozialepidemiologie des IPP gehen in den Vierten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung ein. IPPinfo [Internet]. 2026;19(22):32. Available from: https://www.uni-bremen.de/institut-fuer-public-health-und-pflegeforschung/ippinfo. https://doi.org/10.26092/elib/5876


Neuer ARL-Arbeitskreis „Räumliche Planung und Management für pandemie-resiliente Städte“

Gabriele Bolte, Sabine Baumgart

Seit Februar 2025 wird von der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft für zwei Jahre der transdisziplinäre Arbeitskreis „Räumliche Planung und Management für pandemie-resiliente Städte“ gefördert. Prof. Dr. Gabriele Bolte und Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart von der Abteilung Sozialepidemiologie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung sind Mitglieder dieses Arbeitskreises. Der Arbeitskreis setzt sich aus 14 Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen und aus Wissenschaft und Praxis zusammen, die über fundiertes Fachwissen zum raumbezogenen Umgang mit Pandemien verfügen.

Der Arbeitskreis ist im Kontext des Leibniz Lab Pandemic Preparedeness entstanden. Hier wird exzellente inter- und transdisziplinäre Forschung aus 41 Leibniz-Instituten miteinander verknüpft. Das übergeordnete Ziel besteht in der Bündelung der Forschungsarbeiten aus einem breiten Spektrum an Fachgebieten zur Vorbereitung, Prävention und Reaktion auf künftige Pandemien. Das erworbene Wissen soll in Form evidenzbasierter Handlungs­empfehlungen politischen Verantwortlichen zur Verfügung gestellt werden.

Um zukünftigen Pandemien besser zu begegnen, führt der ARL-Arbeitskreis „Räumliche Planung und Management für pandemie-resiliente Städte“ raumbezogenes Wissen zusammen, reflektiert dieses mit Erkenntnissen des Leibniz Labs Pandemic Preparedeness und operationalisiert das raumbezogene Wissen für die Planungspraxis, um es anwendbar zu machen.

Ausgangspunkt des Arbeitskreises ist, dass die Krisenfestigkeit in pandemischen und anderen Notlagen sowie der vorsorgende Gesundheitsschutz bedeutsame Themen für eine nachhaltige und transformative Raumentwicklung sind. Dabei ist es wichtig, aus den umfangreichen internationalen Erfahrungen der Covid-19-Pandemie Schlussfolgerungen für zukünftige Planungen zu ziehen und diese zu kommunizieren. Räumliche Ungleichheiten spielen eine wichtige Rolle für eine gesundheitsbezogene und sozialgerechte Raumentwicklung, da die Effekte von Pandemien für einzelne gesellschaftliche Gruppen in Teilräumen verschieden ausgeprägt sind. Zudem waren Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von wohnortnahen grünen Freiräumen bedeutsam für den Alltag von Stadtbewohner:innen während der Covid-19-Pandemie. Pandemie-Resilienz urbaner Räume und nationaler Gesundheitssysteme bedingen sich wechselseitig.

Die Ergebnisse des Arbeitskreises aus der Wissenssynthese und der Ableitung von Handlungswissen werden in einen Praxisleitfaden einfließen, der über die ARL in die Raumentwicklungspraxis kommuniziert und verbreitet werden wird.

 

Prof. Dr. Gabriele Bolte (1), Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart (1,2)

(1) Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung IPP | Abt. Sozialepidemiologie

(2) BPW Stadtplanung, Bremen

Mail: gabriele.bolteprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

https://www.uni-bremen.de/institut-fuer-public-health-und-pflegeforschung/abteilungen-arbeitsgruppen/public-health-forschung/sozialepidemiologie


Zitierweise

Bolte G, Baumgart S. Neuer ARL-Arbeitskreis “Räumliche Planung und Management für pandemie-resiliente Städte”. IPPinfo [Internet]. 2026;19(22):31-32. Available from: www.uni-bremen.de/institut-fuer-public-health-und-pflegeforschung/ippinfo

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