Interview mit Förderin

„Etwas zurückgeben, damit Studierende ihren Weg gehen können“

Professorin Rieger fördert seit 2025 das Deutschlandstipendium

Seit 15 Jahren unterstützen Unternehmen, Stiftungen, Vereine und Privatpersonen das Deutschlandstipendium an der Universität Bremen und nutzen damit die Chance, talentierten und engagierten Studierenden das Studium zu erleichtern.

Eine der Förder:innen ist die Musikwissenschaftlerin und Genderforscherin Professorin Eva Rieger, die seit dem aktuellen Stipendienjahr das Programm unterstützt. Wir haben mit ihr über ihre Verbindung zur Universität Bremen, über ihre Motivation, als Förderin aktiv zu werden und darüber, was die USA damit zu tun haben, gesprochen.

Frau Professorin Rieger, Ihre akademischen Stationen führten Sie über Berlin, Osnabrück, Göttingen und Hildesheim schließlich an die Universität Bremen. Hier waren Sie von 1990 bis 2000 Professorin für Historische Musikwissenschaft/Sozialgeschichte der Musik. Wie haben Sie die Universität anfangs erlebt?
Der Einstieg in Bremen war für mich zunächst ungewohnt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das „Duzen“ der Studierenden, an das ich mich erstmal gewöhnen musste. Auch das eher linke Image der Universität führte hin und wieder zu Kommentaren in meinem Bekanntenkreis: ‚Ach, du bist in Bremen?‘. Das hat mich anfangs gestört. Aber letztendlich habe ich es sehr genossen, an einer solch offenen Universität an fortschrittlichen Themen zu arbeiten.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte prägten Ihre Lehre in Bremen und wie haben Sie unsere Studierenden in Erinnerung?
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit waren Seminare über Komponistinnen. Die Studierenden sind hier sehr engagiert mitgegangen, es gab viele kluge Beiträge, und die Arbeit hat mir große Freude bereitet.

Auch Filmmusik spielte in Ihrer Forschung eine wichtige Rolle.
Ja, die Auseinandersetzung mit Filmmusik hat mich damals intensiv beschäftigt und schließlich zu einem Buch geführt. Mich interessierte besonders, dass Frauen musikalisch häufig ganz anders beschrieben werden als Männer. Die Diskussionen mit den Studierenden waren dabei sehr bereichernd.

Auch heute, viele Jahre später, arbeite ich noch an diesem Thema. Es ist noch immer nicht hinreichend wissenschaftlich ausgelotet worden, dass jede Empfindung musikalisch übertragen wird und dass es hier Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. 

Wie haben Sie die Universität Bremen als Arbeitgeberin empfunden?
Ich habe die Universität als sehr unterstützend erlebt. Die Universität hat mir zweimal ermöglicht, meine Stelle zeitweise auf 50 Prozent zu reduzieren, um mein Buch über Maria Anna Mozart zu schreiben. Dafür habe ich viel Verständnis erfahren. Das war keineswegs selbstverständlich und ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben.

Wie würden Sie rückblickend die Atmosphäre an der Universität Bremen beschreiben?
Die Atmosphäre war insgesamt locker und offen. Auch wenn ich anfangs etwas fremdelte, hat mir dieses Umfeld letztlich sehr gut gefallen.

Noch immer sind Sie in Kontakt mit der Universität Bremen. Heute fördern Sie zum Beispiel gleich mehrere Studierende über das Deutschlandstipendium. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Von Kolleg:innen aus den USA ist mir das Spenden an Universitäten gut bekannt. Dort ist es Gang und Gäbe, dass ehemalige Studierende und auch ehemalige Hochschullehrer:innen den Universitäten etwas zurückgeben.

Nach dem Tod meiner Partnerin habe ich einen Geldbetrag geerbt, für den ich sehr dankbar war. Mir war schnell klar, dass ich einen Teil davon weitergeben möchte, und zwar so, dass er jungen Menschen konkret zugutekommt. Die Universität Bremen war für mich dabei ein naheliegender Ort, schließlich verbinde ich viele positive Erinnerungen mit der Hochschule. Über meine noch bestehenden Verbindungen zum Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik bin ich auf das Deutschlandstipendium aufmerksam geworden. 

Was bedeutet Ihnen die Förderung im Rahmen des Deutschlandstipendiums?
Ich sehe die Förderung als Möglichkeit, Studierende auf ihrem Weg zu unterstützen und ihnen Freiheit zu verschaffen; sei es finanziell oder gedanklich. Wenn ich dazu beitragen kann, dass sie sich stärker auf ihr Studium konzentrieren oder eigene Interessen verfolgen können, freut mich das sehr. Insbesondere liegt mir die Förderung von Studentinnen aus dem Studienfeld Musik am Herzen.

Zum Deutschlandstipendium gehört neben der finanziellen auch eine ideelle Förderung. Wie nehmen Sie das Begleitprogramm wahr?
Da ich Mitte 80 bin und zudem in Liechtenstein wohne, war es mir bislang nicht möglich, zu einer der Begleitveranstaltungen zu kommen. Allerdings bin ich über den Mailverteiler stets informiert und nehme die Veranstaltungen sehr positiv wahr. Zum Beispiel gab es Ende Januar eine Exkursion zum Bunker Valentin. Ich finde es historisch unglaublich wichtig, dass solche Veranstaltungen angeboten werden, und es ist fantastisch, dass junge Menschen sich damit befassen.

Vielen Dank für das Interview und für Ihre großzügige Förderung des Deutschlandstipendiums!

Das Interview führte Dr. Jasmin Overberg.