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BeeCultures - Ethnologische Forschung zu Menschen und Bienen

© Martin Gruber

Seit Jahrtausenden sammeln Menschen den Honig und das Wachs wildlebender Bienen und haben seitdem weltweit völlig unterschiedliche Formen der Imkerei entwickelt. In der Mythologie, sowie in populären Kulturen spielt die Honigbiene eine wichtige Rolle. Wahlweise als Metapher einer utopischen Gesellschaft oder als idealisiertes Menschenbild. In Zusammenhang mit Berichten über das Bienensterben steht heute die ökologische Rolle der Honigbiene im Mittelpunkt. Sie dient verschiedenen Umweltinitiativen als Symbol und wurde für politische und wirtschaftliche Zwecke angeeignet. 

Durch meine Forschung an der Schnittstelle von Natur- und Kulturwissenschaften möchte ich die vielfältigen Verbindungen zwischen Mensch und Biene aufdecken. Mich interessieren die Bienenkulturen (BeeCultures), die durch die Interaktion von Menschen und Bienen entstehen. Ganz besonders interessiere ich mich für die Praktiken von Imker*innen, aber auch Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und andere Gruppen, die sich mit Bienen beschäftigen.

Bienen sind für alle wichtig
Heute wird in den meisten Industrieländern eine intensive Form der Bienenhaltung praktiziert: Durch standardisierte Beuten, Schwarmverhinderung, Königinnen-Zucht und Transport der Bienenvölker versuchen Imker*innen die Honigproduktion zu optimieren. Nicht nur als Lieferanten von Honig und Wachs spielen Bienen in Zeiten der industrialisierten Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Ohne deren Bestäubung ist der Anbau von Obst und Gemüse nur eingeschränkt möglich. Diese Bestäubungsleistung der Bienen steht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, seitdem in den USA und Europa immer mehr Bienenvölker sterben – an den Folgen von Krankheiten, Giften und Umwelteinflüssen. Das Bienensterben und die Bienengesundheit haben ein immenses Medieninteresse und zahlreiche Initiativen zum Schutz der Bienen hervorgerufen. Bezeichnenderweise steigt derzeit in Deutschland die Anzahl von Imker*innen nach Jahren des Rückgangs wieder – insbesondere in den Städten.

Konventionelle und alternative Imker in Deutschland, Japan und Kamerun
In Hamburg – einem Hotspot für urbane und wesensgemäße Imkerei – untersuche ich die Praktiken und Perspektiven verschiedener Schulen von Imker*innen und beschäftige mich mit den Motiven und Ideen der Stadtimkerei. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Forschung befindet sich in der Stadt Ngaoundéré in Zentral-Kamerun. Während sich die traditionelle Imkerei in Kamerun auf das Bereitstellen von Beuten für natürlich ankommende Schwärme und das Ernten von Honig beschränkt, hat sich in Ngaoundéré eine diverse Imker*innen-Szene entwickelt. Der Handel mit Honig spielt eine zunehmend wichtige Rolle. In Japan lebt neben der heimischen Apis Cerana Japonica auch die ‚importierte‘ westliche Honigbiene. Die japanische Biene ist friedlicher als die Westliche Honigbiene, was eine völlig andere Form der Interaktion ermöglicht. Viele japanische Hobbyimker*innen experimentieren mit traditionellen Methoden der Imkerei, die auch in Deutschland immer populärer werden. Ich möchte herausausfinden, inwieweit sich die Praktiken und zugrundeliegenden Vorstellungen kamerunischer, japanischer und deutscher Imker*innen vergleichen lassen und gegenseitig befruchten können. Mit meiner Forschung möchte ich auch zu einem bewussten und nachhaltigen Umgang mit Bienen in Deutschland, Japan und Kamerun beitragen.

Ethnographische und kollaborative Perspektiven auf Bienenkulturen
Die Forschung findet über mehrere Jahre vor allem in Hamburg, Ngaoundéré und Kyoto statt. Es finden jedoch auch kürzere Forschungsaufenthalte an Orten und bei Institutionen statt, die für Bienen und Imkerei eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere interessiere ich mich dafür, wie Wissenschaft, Kunst und Medien zur Aushandlung des Verhältnisses zwischen Menschen und Bienen beitragen. Während der gesamten Forschung werde ich eng mit Imker*innen und anderen "Bienenexpert*innen" aus unterschiedlichen Feldern zusammenarbeiten. Neben ethnographischen Methoden wie der teilnehmenden Beobachtung und qualitativen Interviews werde ich auch audio-visuelle Methoden anwenden. Als Ergebnis der Forschung sind eine Monographie (Habilitationsschrift), diverse Zeitschriftenartikel, sowie ein abendfüllender Dokumentarfilm geplant. Die Forschung wird durch den Eva Crane Trust und die Aurelia Stiftung unterstützt.

Einen Artikel, in dem meine Bienen-Forschung in Kamerun vorgestellt wird, können Sie hier lesen.

Filme die im Rahmen meiner Forschung entstanden sind können Sie hier ansehen.

Kontakt
Dr. Martin Gruber
Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft
Fachbereich 9
Enrique-Schmidt-Straße 7
28359 Bremen
Tel: +49 0421 218 67618
gruber[at]uni-bremen.de

Laufzeit: 10/2015 – 11/2020
Finanzierung: Universität Bremen, Eva Crane Trust, Aurelia-Stiftung

© Martin Gruber
© Martin Gruber
© Martin Gruber
© Martin Gruber