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Erklärung der akademischen Solidarität mit den Universitäten von Rojava

Das Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft pflegt seit 2021 eine enge Lehrkooperation mit der Universität Rojava in Qamishlo. Die gemeinsamen online Seminare waren immer eine große Bereicherung für alle Studierenden und Lehrenden, sowohl in Bremen als auch in Rojava/Nordostsyrien. Wir haben viel voneinander gelernt, einander zugehört, miteinander diskutiert und gemeinsam gelacht. Besonders das Engagement unserer Partner für eine emanzipatorische Bildung aus radikal-demokratischer und feministischer Perspektive für eine friedliche Koexistenz, ökologischer Erneuerung und Leben hat uns tief bewegt. Diese Zusammenarbeit hat unser aller Denken geprägt und unseren Blick auf die Welt erweitert.

Zutiefst erschüttert sind wir über die unerbittlichen Angriffe der Armee der Übergangsregierung und Söldner auf das Gebiet Nordostsyriens, die massive Gewalt und die daraus resultierende humanitäre Katastrophe. Unsere Kolleg*innen berichten, dass die Universitäten geschlossen sind. Alle öffentlichen Gebäude dienen den Hunderttausenden Vertriebenen als Zuflucht, die mit nichts als den Kleidern am Leib geflohen sind. Die Studierenden haben sich entweder den Selbstverteidigungskräften angeschlossen oder unterstützen die Versorgung der Geflüchteten. Die Universität von Raqqa wurde bereits geplündert, während unsere Kolleg*innen in Qamishlo versuchen, Lehrmaterial und Ausstattung in Sicherheit zu bringen. Sie fürchten nicht nur um ihr Leben, sondern auch um das Bildungssystem, das sie inmitten der Trümmer des Krieges aufgebaut haben, um der jahrzehntelangen Unterdrückung der Kurden, ihrer Sprache und Identität entgegenzuwirken und ein alternatives Bildungssystem zu ermöglichen. Der Angriff der fundamentalistischen Kräfte ist daher auch ein Angriff auf diese akademischen Institutionen, ihre Bemühungen um eine friedliche, demokratische Gesellschaft, die Bedeutung, die sie Forschung und Bildung beimessen, und die zentrale Rolle der Frauen in diesen Institutionen.

Wir stehen an der Seite unserer Kolleg*innen in ihrem Kampf für Freiheit und Frieden. Wir bekräftigen unsere uneingeschränkte Solidarität mit den Universitäten von Rojava/Nordostsyrien und fordern den sofortigen Schutz der Zivilbevölkerung sowie der Bildungs- und Forschungseinrichtungen.

In diesem Zusammenhang verweisen wir auf das Statement unserer Partneruniversität EHESS, das ebenfalls die akademische Solidarität mit den Universitäten in Rojava bekräftigt. Das vollständige Statement ist hier abrufbar.