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Kunstwissenschaft

Unbehaust Wohnen: Verheerende wie diskrete Desaster.

Aktuell wird das Forschungsfeld zum Thema wohnen+/-ausstellen aufgebaut. Wohnen – jener vermeintliche Ort des Privaten – ist in der Moderne als gesellschaftlicher Schauplatz figuriert, an dem sich die innenorientiert moderne Subjektivität fortwährend veräußert, ausstellt und ausstellen muss. Wohnen richtet als politische, soziale und kulturelle An-Ordnung Zuschreibungen an Geschlechter, Ethnien, Körper und Nation ein. Auch Ausstellen ist eine Konstellation sozialer und kultureller Narrative, die im Akt des Zeigens Wissen und Vorstellungen produziert. Im Forschungsfeld wohnen+/-ausstellen wird das Prinzip des Einrichtens und Ausstellens in verschiedenen bildlichen und räumlichen Formaten des Zu-Sehen-Gebens untersucht, z.B. Wohn- und Kunstausstellungen, Interieur(bilder), Atelier, Publikumszeitschriften, Film, Fernsehen und Internet. Angeschlossen daran ist eine Schwerpunktbildung zu Künstlermythen/Autorschaft. Unter geschlechterdifferenten Fragestellungen werden Konzeptionen von Künstlerschaft und Kreativität kritisch analysiert, z.B. das Raummodell des Ateliers oder die Künstler- bzw. Architektenwohnung.

Das langfristig angelegte Forschungsfeld ist in der Kooperation des Instituts für Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft und Kunstpädagogik der Universität Bremen mit dem Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender situiert.

Zeitraum:

3.– 6. Mai 2018

Veranstaltungsort:

Gästehaus der Universität Bremen

Teerhof 58

28199 Bremen

Leitung und Konzept:

Prof. Dr. Irene Nierhaus

Dr. Kathrin Heinz 


Mariann Steegmann Institut Kunst & Gender

Organisation und Kontakt:

Johanna Hartmann
johaprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Anna-Katharina Riedel
anna.riedelprotect me ?!msi.uni-bremenprotect me ?!.de

Wohnen+/-Ausstellen

Das Sprechen über Wohnen ist oft doppelt positiv als Daseiendes und Gutes: Wohnen ist da. Es ist gebaut, es ist ausgestattet, es existiert durch Häuser, Wohnungen, Möbel. Seine Geschichte wird durch seinen Bestand, seine Dinglichkeit in der Wissenschaft bis hin zur persönlichen Erinnerung erzählt. Wohnen erscheint als positivistisch Gegebenes. Und Wohnen wird gerne als positiv, im Sinn von gut als sichernder und glücklicher Raum eines Selbst, einer Familien-, Status- oder Territorialzugehörigkeit beschrieben.

Dem Wohnen als Existenz und Heim/at steht jedoch auch ein unbehaustes Wohnen zur Seite: Zerstörtes Wohnen, wie in kriegerischen Konflikten, verlorenes Wohnen in Migrationen, temporäres Wohnen in Obdach- und Wohnungslosigkeit, prekäres Wohnen in ökonomischer, emotionaler und körperlicher Unversorgtheit, ängstliches Wohnen in Subjektkrisen: Unbehaustes Wohnen von den großen Verheerungen bis zu heimlichen und diskreten Schrecknissen. Unbehaust Wohnen schließt das Konflikthafte im Behausten ein und attackiert und demoliert es zugleich.

Unbehaust Wohnen ist ein stetiger Teil der Geschichte und Theorie des Wohnens. Es ist einerseits vergessen, nicht besprochen, verborgen oder wird zum Diskurs von Spezialist_innen des Sozialen und ist andererseits – wie in Kunst und Theorie – auch ein besonders sichtbar gemachter Teil des Wohnens, denn in der Wohnkritik wird es zur Gegenrede, zum gewollt Nichtidentischen und Instabilen, zur Flucht aus einer als desaströs befundenen Zuflucht. In diesem Entgrenzen des Behausten wohnt oft auch eine Versprechensrhetorik auf Auszug ins Befreite inne.

Die Tagung wird verschiedene Ebenen des Unbehausten aus kunst- und kulturwissenschaftlicher, philosophischer, ethnologischer, architekturtheoretischer, psychiatrischer und künstlerischer Perspektive thematisieren.

Mitglieder: Carina Bahmann | Silke Bangert | Dr. Angelika Bartl | Katharina Eck | Brigitte Härtel | Prof. Dr. Insa Härtel | Johanna Hartmann | Ninja Kaupa | PD. Dr. Christiane Keim | Astrid Schönhagen

Matratze/ Matrize

Internationale Tagung des Forschungsfeldes wohnen+/-ausstellen in der Kooperation des Instituts für Kunstwissenschaft - Filmwissenschaft - Kunstpädagogik an der Universität Bremen mit dem Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender.

Matratze/ hingeworfenes Ding, auf dem wir, schlafen, ruhen, lieben, faulenzen, träumen, quälen, reproduzieren, die wir beflecken, unter der das Verdrängte, Unheimliche lauert, auf der wir gesunden und sterben… Matrize/ Mutterform, die prägt, vervielfältigt, speichert, die Nachkommen hervorbringt, reproduziert, kopiert, die Gedrucktes erzeugt, zu Wissendes überträgt, die Gerüche hinterlässt, aufzeichnet …

Matratze und Matrize sind Medien und Mittler. Matratze bedeutet Intimität, Alltag und Körper, Matrize hingegen Publizität, Wissen und Schrift. Damit wird Differenz zwischen Authentizität, Substanz und Repräsentation, Reproduktion (re)formuliert. Der Schrägstrich zwischen Matratze/Matrize markiert jedoch ein zu diskutierendes Verhältnis. So ist die Matratze, zu Hause am vermeintlich privatesten Ort, auch Agentin von Normierung in Subjektivierungsprozessen und des Biopolitischen. Konfiguriert von Körperlichkeiten ist sie Objekt der Veräußerung, auf ihr findet Gesellschaftsstiftendes in seinen individuellen Bezügen statt. Die auf zu Veröffentlichendes ausgerichtete Matrize als Medium von Multiplizierung und Wissensbildung ist auch Metonym für Prägevorgänge und Einträge in Materialkörper. Die Matrize ist Theoriefigur, Wohnen in der Spanne von Substanzialität und Repräsentation zu denken. Die Matratze hat eine doppelte Position, sie ist Theoriefigur und zugleich Gegenstandsbereich. Alltag, Wissen, Subjektivierung in körperanalogen Medien des Wohnens und ihren Zeigestrukturen werden in Beziehung gesetzt. Beabsichtigt ist eine transdisziplinäre Debatte zwischen Kunst, Architektur, visueller Kultur und Theorie in der Verschränkung von Objekten, Materialitäten, ästhetischen Strukturen und Bedeutungskontexten.

Publikation:

Irene Nierhaus / Kathrin Heinz (Hg.): Matratze/Matrize. Möblierung von Subjekt und Gesellschaft. Konzepte in Kunst und Architektur. Bielefeld: transcript, 2016, Band 3, Schriftenreihe wohnen+/-ausstellen, transcript-verlag.de.

Stadt und Kultur

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Im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Stadt und Kultur" analysiert Michael Müller in seiner jüngsten Veröffentlichung „Kultur der Stadt. Essays für eine Politik der Architektur“ moderne Kultur- und Raummodelle, Ästhetisierungs- und Musealisierungsprozesse des urbanen Raumes sowie Strategien einer neuerlichen Politisierung der Architektur. Themen des Buches sind: Stadt als Ort kultureller Produktion / Straße und Integration / Drei Stadtmodelle / Die gesuchte Befriedigung am bloßen Sehen / Bild und Raum / Ästhetisierung, Kultur und Ökonomie / Museum und Stadt / Museum und Selbstinszenierung / Avantgarde, Subjekt und Massenkultur / Der Traum ewiger Ordnung / Kritik von Links / Walter Benjamin: Architektur für das schlechte Neue / Methodischer Perspektivwechsel und ökonomisches Kulturmodell.

Publikation:

Michael Müller: „Kultur der Stadt. Essays für eine Politik der Architektur"  (transcript-Verlag), Bielefeld 2010. 240 Seiten mit 13 farbigen und 8 s/w Abbildungen

Einleitung (Download)

Aktualisiert von: Steven Keller