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Veranstaltungen

TAGUNG

Eröffnung des Zentrums für Entscheidungsforschung (ZEF)

Schnelles Entscheiden, langsames Entscheiden - Wie der Faktor Zeit die Qualität von Entscheidungen beeinflusst

 

Die erfolgreich etablierten Masterstudiengänge "Komplexes Entscheiden" und "Entscheidungsmanagement" zeigen, dass die Universität Bremen in der Lehre in diesem Themenfeld hervorragend aufgestellt ist. Die beiden Studiengänge greifen dafür auf das Expertenwissen der beteiligten Lehrenden zurück. "Entscheiden" ist aber nicht nur in der Lehre ein Thema, sondern auch in der Forschung an der Universität Bremen in unterschiedlichen Kontexten seit langem verankert. Mit dem "Zentrum für Entscheidungsforschung" werden diese fachspezifischen und interdisziplinären Ansätze nun unter einem gemeinsamen Dach versammelt. Die Gründungstagung des Zentrums findet am 30. November im Haus der Wissenschaft in Bremen statt. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen.

 

RINGVORLESUNG

Universelle Eigenschaften des Entscheidens

Vorlesungen des Geistes-, Ingenieurs-, Natur- und Sozialwissenschaften (SoSe 2016)

Alle Lebensformen auf der Erde müssen Entscheidungen treffen, um zu überleben, Nachkommen zu sichern oder ihre spezifische Nische im Ökosystem unserer Erde auszugestalten und einzunehmen. Im täglichen Leben fällen Menschen ununterbrochen Entscheidungen, allein oder zusammen mit anderen. Wir Menschen glauben, dass wir bewusste und wissensbasierte Entscheidungen treffen. Im Gegensatz dazu stehen einfache Lebensformen zum Beispiel Hydren oder Schleimpilze, die kein Gehirn oder nicht einmal ein Nervensystem haben. Doch auch sie zeigen ein komplexes Verhalten, um optimale Entscheidungen zu treffen, die ihr Überleben sichern. Fasst man allgemein Entscheidungsprozesse als die Suche nach einer optimalen Lösung auf, lassen sich auch unbelebte Prozesse als Entscheidungsprozesse verstehen, wie sie zum Beispiel in der Logistik, Telekommunikation oder der Robotik auftreten.

An den Bremer Universitäten und Instituten findet sich die Entscheidungsforschung sowohl in den Geistes- und Sozialwissenschaften als auch in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Ein vielfältiges Fächerspektrum an der Universität Bremen und der Jacobs University trägt aktiv zu diesem spannenden Forschungsfeld bei. In den kommenden zwei Jahren werden Bremer Wissenschaftler im 2-wöchigen Rhythmus ihre verschiedenen Disziplinen und Sichtweisen darstellen.


Vorlesungsprogramm im Sommersemester 2016

13. April:
Prof. Dr. Hans-Günther Döbereiner 
Der Schleimpilz Physarum polycephalum als Modellsystem universeller Entscheidungsprozesse

27. April: 
Prof. Dr. Georg Mohr 
Entscheidung, Willensfreiheit, Zurechnung

11. Mai: 
Prof. Dr. Anna Förster 
Entscheidungsprozesse in Kommunikationsnetzen: Naturinspirierte Verfahren

25. Mai: 
Prof. Dr. Thomas Hoffmeister 
Informationsverarbeitung und unbewusste Regeln beim Entscheiden - Einsichten bei Wespen und Menschen

8. Juni: 
Prof. Dr. Frank Kirchner 
Robotic Decision-Making

22. Juni: 
Prof. Dr. Uwe Schimank 
Entscheidungen in hochkomplexen Situationen: Nur noch Coping

6. Juli: 
Prof. Dr. André Heinemann 
Entscheiden in der Finanzpolitik

Vorlesungsprogramm im Wintersemester 2016/17

2. November: 
Prof. Dr. Herbert Kopfer 
Entscheidungsprozesse in Produktionswirtschaft und Logistik

16. November: 
Prof. Dr. Adele Diederich 
Sequentielle Samplingmodelle für binäre Entscheidungen

30. November: 
Prof. Dr. Stefan Bornholdt 
Börse, Spiele, Herdentrieb: Die Physik kollektiver Entscheidungen

14. Dezember: 
Prof. Dr. Wolfram Elsner 
Von Spieltheorie zur Komplexitätsökonomik. „Rationalität“, begrenzte Rationalität und fundamentale Unsicherheit in der heterodoxen Ökonomik

18. Januar: 
Prof. Dr. Wolfgang Detel 
Entscheidung und Rationalität

1. Februar: 
Prof. Dr. Klaus Pawelzik
Das Zittern der Unsichtbaren Hand

Veranstaltungsort: Rotunde im Cartesium, Enrique-Schmidt-Str. 5

Veranstaltungszeit: jeweils von 16 bis 18 Uhr

WORKSHOP

Abschlussveranstaltung zur Ringvorlesung

Am Donnerstag, dem 03.04.2014, fand ein gemeinsamer Workshop mit Beiratsmitgliedern und Studierenden des Masterstudienganges Komplexes Entscheiden im Wall-Saal der Zentralbibliothek Bremen statt. Die Veranstaltung wurde zum Abschluss der Ringvorlesung „Zwischen Entscheidungseuphorie und -phobie: Komplexes Entscheiden in der Multioptionsgesellschaft“ veranstaltet.


Folgende Themen wurden diskutiert:

Frau Elke R. Holzrichter
Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) Köln, Programmbereichsleiterin Personalmanagement und Lösungen
Vortrag: Das Leitbild Bürgerkommune – Chance für Stadtgesellschaft!


Herr Klaus Brückner
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH,
Leiter der Repräsentanz Berlin                               
Vortrag: Partnerschaftlich gestalten – Faktoren erfolgreich gestalteter Aushandlungsprozesse in Entscheidungssituationen


Herr Dr. Peter Beier
Bremer Initiative Aktive Bürgerstadt (BIAB), Geschäftsführer
Vortrag: Entscheidungsblockaden aufgrund von Ambivalenzen in der Partizipationspraxis


Herr Hans-Henning Lühr
Die Senatorin für Finanzen Bremen, Staatsrat
Vortrag: Der Transport unterschiedlicher Rationalitäten, Interessen und politischer Grundsätze im Rahmen der Ressortabstimmung von Beschlussvorlagen des Senats - Intentionen, Rahmenbedingungen, Erfahrungen aus 10 Jahren -

RINGVORLESUNG

Zwischen Entscheidungseuphorie und -phobie: Komplexes Entscheiden in der Multioptionsgesellschaft

Moderne Gesellschaften sind Entscheidungsgesellschaften. Dem allgegenwärtigen Anspruch dabei, die richtige unter vielen möglichen Entscheidungen zu treffen, entkommen weder Individuen noch Organisationen, die Politik schon gar nicht. Zugleich werden die Entscheidungslagen immer komplexer, Individuen und Systeme als Entscheider geraten angesichts von Unübersichtlichkeit und Multioptionalität unter wachsenden Druck. Kein Wunder, dass das individuelle und kollektive Entscheidungsverhalten oftmals zwischen Entscheidungseuphorie und –phobie oszilliert, wobei dazwischen die Lähmung, das Nichtentscheiden liegt.

Entschieden werden muss am Ende aber doch, und das möglichst gut. Was kann dabei helfen? Individuell: Die Besinnung auf Moral, Eigenverantwortung, Solidarität? Kollektiv: Mehr und andere Formen der Bürgerbeteiligung, eine bessere Projektplanung, eine andere Ressourcenverteilung? Oder braucht es mehr generell eine grundsätzliche Neuaustarierung von politischer, ökonomischer, administrativer und juristischer Rationalität, ethische Gesichtspunkte nicht zu vergessen?

Diese Fragen werden im Rahmen der Ringvorlesung anhand unterschiedlicher Themen aus dem Bereich des „Professional Public Decision Making“ diskutiert. Die Referenten bringen dabei ihre je eigenen Sichtweisen aus Philosophie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft, Stadtplanung und Informatik auf zentrale Fragen der Entscheidungsgesellschaft ein.


Vorträge:

Sollen die Bürger entscheiden? Direkt-demokratische Elemente bei Großprojekten der Stadtentwicklung.

Prof. Dr. Klaus J. Beckmann, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin
Dienstag, 29.10., 18 – 20 Uhr
Konsul-Hackfeld-Haus, Großer Clubraum (Birkenstraße 34)

Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.  Murphy's Gesetz und Peter-Prinzip bei der Planung von Großprojekten.

Prof. Dr. Werner Rothengatter, Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung, Universität Karlsruhe
Dienstag, 03.12., 18 – 20 Uhr
Zentralbibliothek Am Wall, Wall-Saal (Am Wall 201)

Ist es vernünftig immer das Beste zu tun? Individuelles Entscheiden in der Multioptionsgesellschaft.

Prof. Dr. Kurt Bayertz, Philosophisches Seminar, Universität Münster
Dienstag, 10.12., 18 – 20 Uhr
Stadtwaage (Langenstraße 13)

Die Krise der Entscheider: Von der Politik als Beruf zur Politik als Zumutung?

Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden
Dienstag, 17.12., 18 – 20 Uhr
Bremische Bürgerschaft, Börsenhof (Am Markt 20)

Nice to have, aber leider nicht zu bezahlen. Grenzen und Entscheidungsspielräume der kommunalen Daseinsvorsorge.

Prof. Dr. Christoph Brüning, Institut für Öffentliches Wirtschaftsrecht, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel   Dienstag, 07.01., 18 – 20 Uhr
Zentralbibliothek Am Wall, Wall-Saal (Am Wall 201)

Entscheidung mit Nebenwirkungen? Auswirkungen der Schuldenbremse auf die kommunale Ebene.

Prof. Dr. Thomas Lenk, Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management,  Universität Leipzig
Dienstag, 21.01., 18 – 20 Uhr
Haus des Reichs, Raum 208 (Rudolf-Hilferding-Platz 1)

 

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VORTRAG

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer: Wie trifft man gute Entscheidungen?

24. Februar 2011, Stadtwaage Bremen, 19:00 Uhr

Im Jahre 1738 gelang Daniel Bernoulli ein großer Durchbruch mit der Entwicklung der Grundlagen der modernen Entscheidungstheorie. Deren Motto ist „erst wägen, dann wagen“ und „erst denken, dann handeln.“ Hat uns diese geholfen, bessere Entscheidungen zu treffen? Warum urteilen dennoch Manager immer wieder aus „dem Bauch“ heraus, und wieso verlässt sich Otto Normalverbraucher bei der Wahl eines Jobs oder Lebenspartners auf Gefühl statt Logik? In diesem Vortrag gebe ich einen Einblick in unsere Forschung, die zeigt, dass einfache, intuitive Entscheidungsregeln oft zu besseren Ergebnissen führen als komplexe statistische Software-Pakete. Weniger kann mehr sein.

Zur Videoaufzeichnung

WORKSHOP

Non-Decision Making - Interdisciplinary Perspectives

University of Bremen, December 10th and 11th 2010
Haus der Wissenschaft, kleiner Saal

While modern societies focus on decision-making as their universal basic element, it is very easy to overlook that in politics and law, but also in other areas of society, practices prevail that particularly aim at the avoidance of decision-making – whether for an indeterminate or a short, specified period, whether for a specific case or for a subject area in general.

There are a lot of practices of non-decision-making, of procrastination and of decision delay, of decision avoidance and decision refusal. All of these practices should be made subject to systematic studies, since philosophical, legal and social science research haven’t paid adequate attention to them yet.This workshop will discuss perspectives on non-decsion-making of various diciplines.


Speakers:

Prof. Dr. Peter Hammond (Economics, Warwick): Bounded Decision Models: Befitting Prescriptions Versus Fitting Descriptions
Prof. Dr. Rupert Sausgruber (Economics, Innsbruck): Voting for Reform: An Experimental Test of Status Quo Bias
Prof. Dr. Christian List (Political Science, London): The Democratic Trilemma
Dr. Tanja Pritzlaff (Political Science, Bremen): The Practice of Non-Decision-Making in Face-to-Face Interactions
Prof. Dr. Martin Morlok (Jurisprudence, Düsseldorf): Entscheiden und Nichtentscheiden in juristischer Perspektive

Aktualisiert von: Sandra Kohl