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Teilprojekt 5: Folgen von Inklusionsbeschränkungen für NaturwissenschaftlerInnen der DDR

Folgen von Inklusionsbeschränkungen für NaturwissenschaftlerInnen der DDR

Bearbeitung: Jochen Gläser (Technische Universität Berlin, Leitung), Grit Laudel (Technische Universität Berlin), Caroline Bauer (Technische Universität Berlin)

Fragestellungen:

Anders als in der Ökonomik (TP4) blockierten in der naturwissenschaftlichen Forschung der DDR vor allem die materiellen Restriktionen und Kommunikationsbarrieren Erkenntnisfortschritte und beschränkten den Zugang zur internationalen Wissensproduktion.

  1. Welche Effekte hatten diese Beschränkungen und ihr Wegfall für die Forschungsinhalte, den Status in den internationalen Fachgemeinschaften und die Karrieren der NaturwissenschaftlerInnen?
Vorgehensweise (Bearbeitung):

Retrospektive Untersuchungen zur DDR-Wissenschaft und zur Vereinigung der beiden deutschen Wissenschaftssysteme haben klar die Inklusionsbeschränkungen herausgearbeitet, denen die NaturwissenschaftlerInnen unterlagen. Die wichtigsten Beschränkungen waren die schlechte materielle Ausstattung, ein geringes Interesse des Staates an Publikationen sowie die Reisebeschränkungen (Mayntz 1992, 1994, Gläser/Meske 1996, Kocka/Mayntz 1998, Laudel/Gläser 2001). Bisher war es aber noch nicht möglich, die mittel- und langfristigen Folgen dieser Inklusionsbeschränkungen für die Forschungsinhalte und Karrieren der DDR-NaturwissenschaftlerInnen zu untersuchen (zu den unmittelbaren Folgen siehe z.B. Pasternack 2001).

Die Analyse der Überwindung von Inklusionsbeschränkungen ist wissenschaftlich interessant, weil die Untersuchung von Integrationsverläufen nach der Vereinigung Rückschlüsse über die tatsächlichen Effekte der Inklusionsbeschränkungen erlaubt, die Inklusionsbeschränkungen fachgebietsspezifisch wirken und weil es weltweit eine Vielzahl von nationalen Wissenschaftssystemen gibt, die materiell oder politisch bedingte Inklusionsbeschränkungen aufweisen. Dazu zählen bspw. die spanische Wissenschaft in der Franco-Ära, die materiell sehr eingeschränkte Wissenschaft in Afrika und die politischen Beschränkungen unterworfene Wissenschaft in China. Die Folgen der Inklusionsbeschränkungen sind bislang ebenso wenig verstanden wie die Dynamiken ihrer Überwindung. Das TP nimmt eine vergleichende Perspektive ein und adressiert Spätfolgen der Wissenschaftspolitik der DDR.

Das empirische Programm des TP muss vor allem der Varianz der Inklusionsbedingungen Rechnung tragen. Die durch die materielle Situation bedingten Inklusionsbeschränkungen variierten zwischen Fachgebieten und z.T. regional (Berliner Institute der Akademie der Wissenschaften waren besser ausgestattet); durch politische Restriktionen verursachte Inklusionsbeschränkungen variierten zwischen Personen. Deshalb werden folgende empirische Strategien kombiniert:

  • Die Inklusionsbeschränkungen für eine größere Zahl von WissenschaftlerInnen in der letzten Phase der DDR lassen sich aus Anfang der 90er Jahre geführten Interviews (Gläser/Meske 1996, Meske et al. 1997, Gläser 1998) rekonstruieren. Die Forschungsbiographien können (wo es heute noch möglich ist) in Interviews oder bibliometrisch rekonstruiert werden (zur Methode siehe Gläser/Laudel 2015).
  • Zusätzlich werden (forschungs-)biographische Interviews mit aus der DDR übernommenen und heute noch aktiven WissenschaftlerInnen geführt.
  • Darüber hinaus werden bibliometrische Methoden genutzt, um die Publikationsaktivitäten von WissenschaftlerInnen in ausgewählten Fachgebieten im Zeitverlauf zu rekonstruieren und daran Inklusionsbeschränkungen und deren Verschwinden zu studieren (Laudel/Gläser 2001).

Die Auswahl von Fächern für die empirischen Untersuchungen ist für die auf früheren Projekten aufbauenden Analysen durch deren Entscheidungen vorgegeben. Für die anderen Untersuchungen werden Fächer so ausgewählt, dass Ressourcenintensität und Methodendynamik variieren. Internationale Vergleiche werden über internationale Workshops realisiert.

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