Nach Marx
Verzeichnis kritisch-materialistischer Lehre im SoSe '26
Steigende soziale Ungleichheit, Klimakatastrophe, Krisen in der Versorgung von Grundbedürfnissen wie Wohnen oder Care, Rechtsruck und Faschisierung, geopolitische Krisen und neue Kriege: Die Liste der Herausforderungen unserer Zeit und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist lang. Kritisch-materialistische Theorien versprechen ein grundlegendes Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge und Krisenphänomene und darüber hinaus die Kritik der Strukturen, die unsere Gesellschaft immer wieder in Krisen, Kriege und ungleiche soziale Verhältnisse führen. Sie schließen darin auf verschiedene Arten und Weisen an Karl Marx an, bauen auf ihm auf und revidieren oder erweitern ihn.
Mit diesem Verzeichnis machen wir Möglichkeiten sichtbar, sich über die Lehrangebote des eigenen Studiengangs hinaus mit materialistischer Gesellschaftskritik auseinanderzusetzen. Die hier gesammelten Lehrveranstaltungen vereint ein Interesse an kritischer Lehre, interdisziplinärem Austausch und der materialistischen Analyse kapitalistischer Gesellschaften. Die Seminare stehen grundsätzlich allen Studierenden offen, unabhängig von der Einschreibung im enstprechenden Studiengang.
Veranstaltungen im Bachelor
In diesem Seminar widmen wir uns der gemeinsamen Lektüre von Karl Marx’ „Das Kapital“ (Band 1). Der Fokus liegt auf der intensiven Texterschließung und der kritischen Auseinandersetzung mit den zentralen Thesen, um ein tiefes Verständnis der wichtigsten Konzepte zu entwickeln.
Zu Beginn wird der historische und theoretische Kontext von „Das Kapital“ eingeführt, bevor wir uns schrittweise mit Themen wie Warenfetischismus, Arbeitswerttheorie, Mehrwert und kapitalistischer Akkumulation befassen. Die Texterschließung erfolgt interaktiv, mit regelmäßigen Diskussionen und Gruppenarbeiten, die es den Teilnehmenden ermöglichen, ihre Gedanken auszutauschen und die Konzepte kritisch zu reflektieren.
Der Kurs richtet sich an Studierende aller Disziplinen, die ihre Fähigkeiten im Umgang mit anspruchsvollen Texten und kritischem Denken weiterentwickeln möchten, um die Theorien und Konzepte von Marx in ihrer Tiefe zu verstehen und anzuwenden.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Donnerstags 16-18 Uhr | 9.4.26 | UNICOM 3.0210 Seminarraum 2 | Florian König | Soziologie | deutsch |
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Vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts bildete sich eine Strömung des unorthodoxen Marxismus heraus, die sich gegen eine geschichtsphilosophische und teleologische Auslegung der Kritik der politischen Ökonomie stellte. Anstatt den Kapitalismus als ein Herrschaftssystem von Kapitalist*innen über die Arbeiter*innen zu begreifen, das letztere zu überwinden hätten, gab es nun den Versuch, das marxsche Kapital neu auszulegen: Herrschaft in der bürgerlichen Gesellschaft gehe demnach vom Strukturprinzip der Gesellschaft selbst aus. Die Gebrauchsgüter werden zur Geldvermehrung in Form von Waren produziert und auf dem Markt gehandelt. Die Zwänge von Produktion und Austausch – das Gesetz des Kapitals – beherrschen Kapitalist*innen und Arbeiter*innen gleichermaßen (auch wenn diese Zwänge ohne Zweifel sehr ungleiche Positionen schaffen).
Diese Auslegung konzentrierte sich auf andere Kategorien der marxschen Theorie, als dies in der bisherigen Rezeption der Fall war. Nicht Produktivkraft und Mehrwert wurden unter die Lupe genommen, sondern abstrakte Arbeit, Tauschwert und Warenfetisch. Außerdem wurde darüber gestritten, welche Methode Marx im Kapital eigentlich anwendet, was es genau mit der materialistischen „Dialektik“ auf sich hat und was das „Kritische“ an der „‘Kritik‘ der politischen Ökonomie“ sein soll.
Im Seminar werden wir Originaltexte von Marx lesen und dann deren wertkritische Interpretation nachvollziehen. Frühe unorthodoxe Marx-Lesarten finden sich schon bei Georg Lukács und Isaak I. Rubin, später dann bei Alfred Sohn-Rethel und der Frankfurter Schule. Im Zuge der „Neuen Marx Lektüre“ gab es von u.a. Hans-Georg Backhaus, Ingo Elbe, Michael Heinrich, Helmut Reichelt und Dieter Wolf eine Reihe von Veröffentlichungen. Das Seminar soll einen Überblick über die komplexen Debatten dieser wertkritischen Marx-Interpretationen bieten
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Dienstags 12-14 Uhr | 7.4.26 | GW2 B1216 | Max Henke | Philosophie | deutsch |
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In der politischen Philosophie der letzten Jahrzehnte hat vor allem eine Form des Widerstands eine wichtige Rolle gespielt: Ziviler Ungehorsam. In diesem Seminar wird es darum gehen, eine größere Bandbreite von Strategien des Widerstands systematischen Fragen der politischen Philosophie und der Ethik zu unterziehen. Diskutierte Strategien umfassen Streiks, Sabotage, Besetzungen und verschiedene Formen der Verweigerung. Eine zentrale normative Frage lautet: Warum und wann genau ist die entsprechende Form des Widerstands rechtfertigbar und angemessen?
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Dienstags 14-16 Uhr | 7.4.26 | SFG 1080 | Gabriel Wollner | Philosophie | deutsch |
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Die Bezeichnung feministische Philosophie verweist auf eine an Emanzipation orientierte theoretische Beschäftigung mit Geschlecht und Geschlechterverhältnissen. Mit diesem Erkenntnisinteresse ist sie weder einer festen Tradition noch einer philosophischen Teildisziplin zugehörig, sondern ein eigenes Querschnittsthema. Im Seminar wird eine Auswahl an Grundlagentexten im Feld der praktischen Philosophie gelesen. Dabei fokussiert das Seminar auf theoretische Ansätze, welche die Funktionsweise herrschaftlicher Geschlechterverhältnisse erschließen.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Donnerstags 10-12 Uhr | 9.4.26 | GW1 B0100 | Rose Troll | Philosophie | deutsch |
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Die Standpunkttheorien schreiben marginalisierten Gruppen einen epistemischen Vorteil zu. Obwohl diese Überzeugung immer mehr Resonanz gewinnt – innerhalb und außerhalb der Philosophie –, geht sie noch mit vielen Kontroversen einher, vor allem innerhalb der Standpunkttheorie. In diesem Seminar sollen diese genauer untersucht werden. Wir werden uns mit der Entstehungsgeschichte sowie mit zentralen gegenwärtigen Debatten innerhalb und außerhalb der Standpunkttheorien beschäftigen. Als Teil des Seminars wird es auch eine öffentliche Veranstaltung zum Thema geben. Vorkenntnisse aus der feministischen Erkenntnistheorie oder der marxistischen Philosophie sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Die Bereitschaft, schwierigere Texte auch auf Englisch zu lesen, ist jedoch Voraussetzung.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Donnerstags 14-16 Uhr | 9.4.26 | GW1 B0100 | Olivia Erna Maegaard Nielsen | Philosophie | deutsch |
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Crises, Circulation, and the Making of the Modern World
Why does a crisis in the Strait of Hormuz influence your heating bill, food prices, and daily life in Germany?
Many of you are watching the news from the Middle East—seeing how tensions disrupt oil flows, block supply routes, and drive up energy prices. What seems far away is actually close: higher costs, uncertainty, and the feeling that the systems supporting daily life are more fragile than they look.
This has happened before. In 1914, a British naval blockade isolated ports like Bremen and Hamburg. As food and fuel collapsed, Germans turned to Kriegsbrot made with sawdust and acorn coffee. While the British Empire secured Middle Eastern oil to power its future, Germany—excluded from these flows—turned to coal and synthetic fuels, a path that was as environmentally destructive as it was politically explosive.
What you are witnessing today is the latest chapter in a century-long pattern. In this course, we move beyond the headlines to examine the circulatory system of global power:
• Weaponized Infrastructure: How pipelines, shipping lanes, and financial sanctions act as tools of power
• Contested Ecologies: Why water, oil, and land are sites of political struggle
• From Region to Everyday Life: How processes in the Middle East shape environments, economies, and daily life elsewhere
Join us to explore how struggles over energy and ecology in the Middle East didn’t just shape a region—they helped build the modern world.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Dienstags 12-14 Uhr | 7.4.26 | GW2 B2880 | Amir Khorasani | Kulturwissenschaft | englisch |
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Der Begriff Neoliberalismus, der vor allem von Wissenschaftler*innen anderer Disziplinen wie David Harvey und Wendy Brown geprägt wurde, findet erst seit kurzem ernsthafte Beachtung in der Geschichtswissenschaft. Neoliberalismus ist Schlagwort und Kurzform für eine Reihe von Themen, Prozessen und Argumenten besonders der US-amerikanischen Geschichte der vergangenen fünfzig Jahre. Die Aussagekraft des Begriffs zur Erklärung historischer Entwicklungen ist jedoch weiterhin umstritten. Von Seiten der US-amerikanischen Linken, wie auch international, wird Neoliberalismus zum ideologischen Kampfbegriff, der vielfältige Aspekte vereint - so Vorwurf und Warnung verschiedener Gruppen. Bleibt Neoliberalismus also Quellenbegriff für die Geschichtswissenschaft? Oder können wir ihn als Analysebegriff verwenden und damit die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA zusammenfassen? Diese und andere Fragen möchten wir im Seminar diskutieren. Dafür schauen wir auf Texte aus der Entstehungsgeschichte der politischen Ökonomie des Liberalismus, auf Rassismus und Klassismus in den USA, Sozialkonservatismus und Neoliberale Wende, die linke Gegenbewegung der 1970er und die Sozial- und Handelspolitik der 1980er und 1990er. Globale Entwicklungen und andere Regionen werden Teil unserer Betrachtungen sein. Der Blick auf die scheinbar so gegenwärtige Zeitgeschichte bringt uns zum Nachdenken über unsere Gegenwart und fordert uns umso deutlicher auf zu Transparenz und Positionierung.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Montags 14-16 Uhr | 13.4.26 | FVG O 0150 | Fabienne Müller | Geschichtswissenschaft | deutsch |
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Veranstaltungen im Master
Vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts bildete sich eine Strömung des unorthodoxen Marxismus heraus, die sich gegen eine geschichtsphilosophische und teleologische Auslegung der Kritik der politischen Ökonomie stellte. Anstatt den Kapitalismus als ein Herrschaftssystem von Kapitalist*innen über die Arbeiter*innen zu begreifen, das letztere zu überwinden hätten, gab es nun den Versuch, das marxsche Kapital neu auszulegen: Herrschaft in der bürgerlichen Gesellschaft gehe demnach vom Strukturprinzip der Gesellschaft selbst aus. Die Gebrauchsgüter werden zur Geldvermehrung in Form von Waren produziert und auf dem Markt gehandelt. Die Zwänge von Produktion und Austausch – das Gesetz des Kapitals – beherrschen Kapitalist*innen und Arbeiter*innen gleichermaßen (auch wenn diese Zwänge ohne Zweifel sehr ungleiche Positionen schaffen).
Diese Auslegung konzentrierte sich auf andere Kategorien der marxschen Theorie, als dies in der bisherigen Rezeption der Fall war. Nicht Produktivkraft und Mehrwert wurden unter die Lupe genommen, sondern abstrakte Arbeit, Tauschwert und Warenfetisch. Außerdem wurde darüber gestritten, welche Methode Marx im Kapital eigentlich anwendet, was es genau mit der materialistischen „Dialektik“ auf sich hat und was das „Kritische“ an der „‘Kritik‘ der politischen Ökonomie“ sein soll.
Im Seminar werden wir Originaltexte von Marx lesen und dann deren wertkritische Interpretation nachvollziehen. Frühe unorthodoxe Marx-Lesarten finden sich schon bei Georg Lukács und Isaak I. Rubin, später dann bei Alfred Sohn-Rethel und der Frankfurter Schule. Im Zuge der „Neuen Marx Lektüre“ gab es von u.a. Hans-Georg Backhaus, Ingo Elbe, Michael Heinrich, Helmut Reichelt und Dieter Wolf eine Reihe von Veröffentlichungen. Das Seminar soll einen Überblick über die komplexen Debatten dieser wertkritischen Marx-Interpretationen bieten
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Dienstags 12-14 Uhr | 7.4.26 | GW2 B1216 | Max Henke | Philosophie | deutsch |
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Degrowth – auf Deutsch, Post-Wachstum – ist schon seit langem in aller Munde. Einige der berühmtesten Verfechter:innen dieser Idee kommen aus unserem Fach, wie z.B. Jason Hickel. Aber schon die Anfänge der Ethnologie waren geprägt mit grundsätzlichen Fragen wie was „Reichtum,“ „Wert,“ „Wohlstand“ oder „Fülle“ (abundance) überhaupt sind, und wie es dazu kam, dass sie in kapitalistischen Gesellschaften so einfallslos und reduktionistisch definiert werden. Dieses lese- und diskussionsintensive Seminar widmet sich der Fülle an Ansätzen, die diese Diskussionen schon länger und immer dringlicher führen und soll in sowohl einem Essay (6CP) als auch einer öffentlichen kreativen Arbeit/Diskussion (z.B. Posterdesign und Ausstellung, Vernissage, Vorträge am Ende des SoSe) (3CP) münden.
An bestimmten Tagen treffen wir uns in der zweiten Hälfte des Seminars (also von 16-18:00) mit dem zur gleichen Zeit laufenden Seminar von Prof. Nasima Selim zu den Environmental Humanities. Lesen werden wir (u.a. und eventuell) Marshall Sahlins, Julie Livingston, Jason Hickel, Kohei Saito, Karl Marx, Andreas Malm, David Graeber, Lefebvre, Nicholas Georgescu-Roegen, Keith Hart u.a.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Dienstags 14-18 Uhr | 7.4.26 | NW2 B4100 | Andrea Mühlebach | Kulturwissenschaften | englisch |
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In diesem Seminar werden wir uns dem Widerstand nicht nur gegen den Kolonialismus und Rassismus, sondern auch gegen die Versklavung widmen. Bei dieser Reflexion, die sich auf eine longue durée (ab dem 16. Jhdt.) bezieht, werden diese drei sozialen Phänomene und vor allem die Reaktion darauf ins Blickfeld gerückt, die miteinander verknüpft sind und auf die „koloniale Erfahrung“ zurückgehen. Diese Erfahrung sei nach Didier Fassin u.a. für prinzipielle kollektive Gewaltformen ursächlich: Sie habe nämlich eine radikale Beziehung zu Anderen hergestellt, die auf verschiedenste Weise in Texten repräsentiert und in Praktiken übersetzt worden sei, die Massaker, Plünderung und Versklavung erlaubt hätten. Diesem großangelegten Dominanzprojekt der europäischen Nationen, dem von Anfang an Gewalt inhärent war und das mittels Kolonialismus und Versklavung gestartet und später in „neue Formen der kolonialen Herrschaft“ umgestaltet wurde, wollen wir uns auf der Grundlage von ausgewählten theoretischen und sonstigen Textsorten annähern: Im ersten Schritt fragen wir nach Prozessen, Repräsentationen, und Legitimierungsweisen dieser Dominanzbeziehung sowie nach den darin auszumachenden Ambivalenzen. Im zweiten Schritt wenden wir uns den Reaktionen auf bzw. dem Widerstand gegen diese sozialen Phänomene zu und fragen nach Räumen, Zeiten, Weisen und insbesondere nach Akteur*innen dieses Widerstandes
(bestehend aus einzelnen Personen, Personengruppen, Bewegungen sowie Institutionen wie z.B. christlichen afrikanischen Kirchen in Südafrika und Namibia der kolonialen Zeit) – samt den über sie/von ihnen produzierten Schriften bzw. Ideen, Ansätzen und Konzepten. Hierbei wird durchgehend im Blick behalten, wie sich Kolonialismus, Versklavung und Rassismus einerseits und Antiversklavung, Antikolonialismus und Rassismus zueinander verhalten. Thematisieren werden wir auch die Rolle der Deutschen/Deutschlands im Verlauf des zu berücksichtigenden Zeitraums.
Als Lektüremethoden und –strategien bieten sich die Diskursanalyse und die Dekonstruktion sowie die Konzepte der Dekolonisierung, der Intersektionalität an.
Lektüren sowie Näheres zu den Modalitäten des Seminars sowie den zu erbringen Leistungen werden zu Beginn des Seminars besprochen.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
| Mittwochs 12-14 Uhr | 8.4.26 | SFG 2080 | Aissatou Bouba | Kulturwissenschaften | deutsch |
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Dieses Seminar ist Teil einer Lehrkooperation mit der Universität Rojava in Nordostsyrien, die seit 2021 besteht. Ziel dieser Kooperation ist der Dialog zwischen Studierenden der Universitäten Bremen und Rojava zu fördern. Dieses Semester ist zum ersten Mal auch die École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris mit dabei, sowie Teilnehmende aus den Städten Kobane und Heseke.
Wer die Nachrichten verfolgt weiß, dass diese Region über die letzten Jahre schwer unter dem Krieg, insbesondere durch die Angriffe des sogenannten Islamischen Staates (IS) und den Bombardierungen der Türkei gelitten hat. Gerade im Januar/Februar wurde die Region erneut von bewaffneten Gruppen angegriffen und es kam zu Verhandlungen mit der aktuellen Zentralregierung Syriens. Was diese Verhandlungen für den Frieden in der Region und die autonome Selbstverwaltung (AANES), die über die letzten zehn Jahre in Nord- und Ostsyrien (NES, auch als „Rojava“ bekannt) aufgebaut wurde, wird sich noch zeigen.
Die autonome Selbstverwaltung, die sich als Reaktion auf die Politik von Nationalismus, Assimilation und Gewalt unter dem Assad Regime entwickelte, ist zu einem der weltweit prägendsten aktuellen Versuche geworden, eine neue Form des Zusammenlebens jenseits des Nationalstaats zu etablieren. Trotz der schwierigen Lage versuchen die Menschen in NES, eine Gesellschaft aufzubauen, die ihren mehrsprachigen, multireligiösen und multikulturellen Charakter anerkennt und auf Ideen der Basisdemokratie, des Feminismus, der ökologischen Nachhaltigkeit sowie auf einem Autonomiemodell basiert. Gerade die starke Bedeutung der kurdischen Frauenbewegung und ihren Kampf für eine geschlechterbefreite Gesellschaft steht in starkem Kontrast zu den Zielen der aktuellen Machthaber in Damaskus, aber auch zu dem erstarkenden Anti-Feminismus in der Welt. Damit bietet es ein mögliches Modell nicht nur für den Nahen Osten, sondern auch für die Welt darüber hinaus, die sich einem globalen Aufstieg von Autoritarismus und einer antipluralistischen, rassistischen, frauen*feindlichen und homophoben Politik ausgesetzt sieht.
Ziel des Seminars ist es, angesichts dieser Entwicklungen Feminismus und Antifaschismus gemeinsam zu betrachten. Veronica Gago betont, zum Beispiel, dass aktuelle Prozesse der Faschisierung, eng in Fragen der sozialen Reproduktion, Kontrolle über Sexualität, Unterdrückung nicht-normativer Körper, geschlechtsspezifische Prekarisierung der Arbeit verankert ist. Vor diesem Hintergrund zielt das Seminar auch darauf ab, sich mit Weisen des Zusammenlebens zu beschäftigen, die sich der Logik des Faschismus widersetzen. Das Seminar fragt, wie ein feministischer Antifaschismus, wie es z.B. Ewa Majewska nennt, aussehen könnte.
Das Seminar umfasst zweiwöchentliche Vorbereitungstreffen (nur für Bremer Studierende) im April und Mai und ein Blockseminar vom 2-6 Juni 2026 gemeinsam mit den Studierenden in Rojava und Paris. Eingeladen werden dazu wichtige Gäste, die Impulsvorträge halten werden, auf die gemeinsame Diskussion basieren wird. Weitere Informationen zu den Terminen wird im Seminar besprochen. Die Bremen-only Sitzungen finden auf Deutsch statt, die weiteren mit Englisch-Kurmanji Simultanübersetzung.
| Zeit | Erster Termin | Raum | Dozent*in | Fachrichtung | Sprache |
Montags Blocktermine im Juni | 13.4.26 | SFG 2010 | Ulrike Flader | Kulturwissenschaften | deutsch/englisch |
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Sonstige Veranstaltungen
Vorträge, Kolloquien, Workshops und mehr
Das Institutskolloquium des Instituts für Philosophie beschäftigt sich im Sommersemestr 2026 mit “Zeitgenössischen Perspektiven auf Marx”. In den fünf Sitzungen werden wir mit unseren Gästen die Relevanz von Karl Marx für die zeitgenössische Philosophie diskutieren. Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Die Kolloquiumssitzung mit Kohei Saito findet als 1. Alfred-Sohn-Rethel Vorlesung in der Kassenhalle im Forum am Domshof statt.
Der Kolloquiumsplan findet sich im Detail auf dem Veranstaltungplakat. Die Kolloquiumsitzungen sind Teil des “Forschungsseminars Praktische Philosophie” (Stud.IP), in dem auch Credit Points erworben werden können.
Kontakt
Bei Fragen oder Anmerkungen zum Verzeichnis kritisch-materialistischer Lehre, wendet euch gern an:
oder
FAQ
Die Dozierenden der jeweiligen Veranstaltungen werden sich bemühen den CP-Erwerb für alle Seminarteilnehmer*innen aus unterschiedlichen Studiengängen zu ermöglichen, z.B. durch General Studies-Scheine.
Möchtet ihr Seminare in den Modulen eures Studiengangs anrechnen lassen, so besprecht die Prüfungsanforderungen aus eurem Modulverzeichnis am besten mit den Lehrpersonen des jeweiligen Seminars. Ob das Seminar dann tatsächlich anerkannt wird, entscheiden die Modulverantwortlichen und Anerkennungsbeauftragten in eurem Fachbereich.
Klar, wenn du denkst, es sollten Seminare des laufenden oder kommenden Semesters im Verzeichnis beworben werden, dann teile uns das mit. Du findest unsere Kontaktdaten rechts im blauen Kasten.
Die Zusammenstellung der Seminare und die Bewerbung der Liste ist ein Projekt des Arbeitsbereichs Praktische Philosophie. Die Lehrveranstaltungen werden aber von den Dozierenden selbst geplant. Wir tragen hier lediglich alle Veranstaltungen zusammen, die sich in den vielfältigen Strömungen und Perspektiven materialistischer Gesellschaftskritik bewegen.


