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Die frühe Theosophische Gesellschaft und ihre Rezeption des „Orient“ im globalen Diskurs um Religion und Wissenschaft

Die Theosophische Gesellschaft (Theosophical Society, T.S.) gilt als eine der wichtigsten „esoterischen“ Vereinigungen der Moderne. Gegründet im Jahre 1875 in New York um, unter anderem, die Brücke zwischen Wissenschaft und Religion zu schlagen, breitet sie sich rasch weltweit aus und ist in den Folgejahren vielfach in die Herausbildung religiöser wie politischer Reformströmungen eingebunden. Sie konterkariert damit aus historischer Perspektive viele oft negative Klischees über „Esoterik und zeigt eine womöglich erstaunliche Rolle in dieser Hinsicht: nicht nur ist die T.S. maßgeblich an der „Entdeckung“ und bis heute anhaltenden Begeisterung für asiatische Religionen und Traditionen wie Buddhismus oder Yoga beteiligt. Sondern Theosophen aus den verschiedenen lokalen Kontexten sind seit dem 19. Jahrhundert gut vernetzt und verhandeln in diesem Netzwerk weitergehende Debatten. Prominente Beispiele sind der moderne „Reformbuddhismus“ auf Sri Lanka oder Teile des modernen indischen Nationalismus.

Ziel meiner Forschung ist besonders die frühe Phase der T.S. aus dieser globalhistorischen Perspektive zu untersuchen. Die Gründer der T.S. H.P. Blavatsky und H.S. Olcott siedelten 1879 nach Indien über, wurden öffentlichkeitswirksam auf Sri Lanka „Buddhisten“ und trieben mit dieser sogenannten „orientalischen Wende“ maßgeblich ein globalisiertes Verständnis dessen voran, was heute als Weltreligionen allgemein anerkannt scheint. Die betonte Orientbegeisterung wiederum prägt auch ein "westliches" Selbstverständnis, das also selbst Teil dieser globalen Aushandlung ist. Anders gesagt, aus historischer Perspektive sind „Ost und West“ nicht einfach gegeben, sondern erweisen sich als geschichtlich entstandene, globale Identitätspositionierungen.

Projektleitung:
Ulrich Harlass

Aktualisiert von: H. Grünenthal