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Die Theologie der Religionen aus postkolonialer Perspektive

Religiöse Symbole

Unter dem Terminus „Theologie der Religionen“ werden verschiedene Ansätze innerhalb der systematischen oder dogmatischen (christlichen) Theologie zusammengefasst, die sich mit der Existenz und den konkurrierenden Wahrheitsansprüchen anderer, nichtchristlicher Religionen auseinandersetzen. Die Theologie der Religionen entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts als Konsequenz aus der „Entdeckung der Religionsgeschichte“ (Kippenberg) vor dem Hintergrund des europäischen Kolonialismus. Diese Entwicklung verlief parallel zum Aufkommen der Religionswissenschaft als eigenständiger Disziplin, mit der die Theologie der Religionen viele ihrer theoretischen Grundlagen teilt (zumal einige der frühen Religionswissenschaftler selbst auch als Religionstheologen gelten können).

 

Die durch die postkoloniale Theorie geprägten Debatten um den globalen Religionsbegriff, wie sie aktuell in der Religionswissenschaft geführt werden, führen zum Teil auch in der Religionstheologie zu einer Neureflexion althergebrachter Konzepte und Standpunkte. Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, diese Debatten zu bündeln und im Rahmen eines zusammenhängenden Entwurfs für die Theologie der Religionen fruchtbar zu machen. Dabei sollen zentrale Kategorien wie Religion, Universalität oder Wahrheit einer postkolonial motivierten Kritik unterzogen werden. Ziel dieser Kritik ist es, diese Konzepte in ihrer historischen Bedingtheit sichtbar zu machen, um zu demonstrieren, dass auch als zeitlos verstandene Wahrheiten eine Geschichte haben und zum Teil mit politischen und wissenschaftlichen Diskursen verflochten sind, die heute zum Großteil in Vergessenheit geraten sind.

 

In seiner Herangehensweise bewegt sich das Projekt im Grenzgebiet zwischen Religionswissenschaft und Theologie. Dieser Umstand ist dadurch bedingt, dass nicht nur die Herausbildung eines globalen Religionsbegriffs, sondern ebenso die heute übliche Unterscheidung zwischen beiden Disziplinen eng mit den oben genannten Diskursen des späten 19. Jahrhunderts verknüpft ist. Die Dekonstruktion der durch diese Diskurse geprägten Kategorien führt daher zwangsläufig auch zu einer Historisierung der Unterscheidung zwischen Religionswissenschaft und Theologie. Vor diesem Hintergrund wird hier eine postkolonial motivierte, kulturwissenschaftliche (und zugegebenermaßen noch stark experimentelle) Form der Religionswissenschaft im Sinne einer ‚Wissenschaft von der Religion‘ propagiert, die die Historizität ihrer eigenen Grundlagen theoretisch und methodisch kontrolliert in ihre Forschung zu integrieren sucht.

 


 

Publikationen:

 

In Vorbereitung:

  • Monographie: Die Theologie der Religionen aus postkolonialer Perspektive (Arbeitstitel).
  • Postkoloniale Theorie und Religionsgeschichte. Implikationen eines konsequent-historischen Religionsverständnisses für Religionswissenschaft und Theologie. In: ZMiss 2-3/2019.

 

Bereits erschienen:

  • Im Spiegel des Guru. Sathya Sai Baba als postkolonialer Religionstheologe. In: ZMiss 4/2017, S. 336-367.
  • Die Sagbarkeit Gottes. Poststrukturalistische Theorie, historisch-kritische Methode und die Theologie der Religionen. In: ZMiss 2-3/2015, S. 224-260.

Projektleitung:
Prof. Dr. Yan Suarsana

Aktualisiert von: L. Rothmann