Station 5


Das Uni-Minarett oder doch einfach: der Fallturm
Von dieser Position aus sehen Sie in der Ferne den 146 m hohen Fallturm: mittlerweile bereits eine Art Wahrzeichen der Bremer Universität, in dem Gravitationsexperimente durchgeführt werden. Sie können ihn natürlich heute auch anschauen - aber das ist ein Stück Gehweg.
Was hat der Fallturm mit Religionswissenschaft zu tun?
Besucher*innen unseres Instituts fragen immer wieder, ob dieser Turm ein Minarett sei - also der Turm einer Moschee, von der aus der Muezzin Muslim*innen zum Gebet ruft. Aber dass ein solcher Turm ein Minarett in Bremen ist, ist schon deshalb kaum denkbar, weil der Turm immerhin 50 Meter höher ist als der Bremer Dom. Ob das genehmigt worden wäre?
Aber der Turm hat noch weitere echte Bezüge zu religionswissenschaftlichen Themen: 1992, zwei Jahre nach der Erbauung des Turmes, haben der deutsche Künstler A.R.Penck und sein irischer Kollege Felim Egan im unterirdischen Schacht des Fallturms ein Gemälde und Skulpturen erstellt - ein geheimer Ort, an dem ihre Kunst nun existiert. Penck hat darüber nicht gesprochen und es werden auch keine Bilder davon öffentlich gezeigt - außer auf der damaligen Ausstellung 1995 (s.Bild unten). Penck schaute sich seine Kunst u.a. von Höhlenmalereien ab und er schuf in der Höhle des Fallturms eine Art Michelangelo „Erschaffung des Adam“ (Orig. Sixtinische Kapelle, Rom) im Penck’schem Stil: der Mensch, der Gottes(?) Hand erreichen möchte, scheitert und fällt in die Tiefe - sehr sinnbildlich an einem Ort, in dem es um Gravitation geht.
Und schließlich: Seit 2014 kann man in der Fallturmspitze auch heiraten. Es gibt ein eigenes Trauzimmer in 130 Meter Höhe. Mehr als 150 Paare haben sich dort schon das Ja-Wort gegeben. Die säkulare Eventisierung von vormals religiös bedeutsamen Ritualen schreitet voran und sucht sich post-religiös außergewöhnliche Orte. Sind das Zeichen des Endes von Religion oder nur ihrer Veränderung durch die Verbindung mit einer neuen Ästhetisierung, Sinnsuche und Ritualisierung des Privaten?
Zu Station 6: das Institut für Religionswissenschaft und Religionspädagogik (Koordinaten SpT: 53.107384, 8.856657)

