(AKAD04) Drei Religionen – drei Götter?
Von der Zumutbarkeit der Gottesfrage …
Das Judentum mit dem Religionsgründer Mose1, das Christentum mit Jesus von Nazareth, auf den sich die Christen als Christus berufen, und der Islam mit dem Religionsgründer Muhammed2 sind miteinander verwandte Religionen.
Sie werden auch abrahamitische Religionen genannt, weil der vorbildliche Glaube des Patriarchen Abraham in allen dreien eine wegweisende Rolle spielt. Die drei Religionen gehören neben dem Hinduismus und Buddhismus zu den sogenannten fünf Weltreligionen.
Mit den Namen der Götter verhält es sich so, dass Gottes Heiligkeit im Judentum nur erlaubt, ihn namenlos beim Namen (hebr. ha-schem) zu rufen, ohne diesen jedoch auszusprechen. ER ist, der er ist, der er sein wird und ist der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs3.
Die Christen glauben Jesu Christo, ihm. Das ist ein Dativ der Beziehung und des Respekts. Jesus lehrt, zu Gott zu beten: Vater unser, der du bist….
Der Islam – arabisch die Vollkommenheit der Ergebenheit – die jüngste der Religionen – relativiert das Judentum und das Christentum zu bloßen Vorläufer-Religionen. Der Muslim bekennt sich nur zu Allah und seinem Propheten Muhammed.
Dazu sind in diesem Wintersemester 2026/27 drei exklusive Exkursionen zu den heiligen Orten vorgesehen: In die Synagoge Bremens, Schwachhauser Heerstraße 117, in die Fatih Moschee im Stadtteil Gröpelingen, Stapelfeldstraße 9 und schließlich in die Dorfkirche St. Johann zu Oberneuland,Hohenkampsweg 6, zu gehen.
Ich möchte – womöglich ein letztes Mal – mit Ihnen und den Repräsentanten der drei Religionen vor Ort gerne in ein Gespräch über die Gottesfrage eintreten: Mit der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde im Lande Bremen, Frau Elvira Noa, um 10:00 Uhr in der Synagoge. Mit Herrn Ilker Kabadayi in dem Gebetshaus des Islam und mit Pastor Frank Mühring in der Kirche.
Die Begegnungen und Gespräche mit den drei Vertretern der Glaubensgemeinschaften werden um der eigenen Grundkenntnisse willen gründlich und vielschichtig vor- und nachbereitet; selbstverständlich auch mit Filmsequenzen und Hörbüchern.
Jede der drei Religionen hat ihre eigene heilige Schrift. Das sind unsere Bücher mit ihren zuverlässigen deutschen Übersetzungen4: Die hebräische Bibel oder Tora, die griechische Bibel5 Alten und Neuen Testaments, der arabische Koran.
Was über das Judentum zu wissen ist:
Der jüdische Feiertag Sabbat (von Freitag- bis Sonnabend-abend) weist in der wöchentlichen Wiederkehr auf Gottes Ruhetag von seiner Schöpfung hin. Das große jüdische Jahresfest Pessach – im Frühlingsvollmond im Monat Nissan – erinnert eine Woche lang an Gottes Befreiung Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft durch den Propheten Mose.
Die Tora erzählt in ihrem ersten Buch Mose, der Genesis, im Rahmen der Urgeschichte, die an alle Menschen gerichtet ist, von der Schöpfung. Im zweiten Buch, dem Exodus, sind Moses Berufungsgeschichte am brennenden Dornbusch nahe dem Berge Horeb und die Befreiungsgeschichte der Stämme Israels nachzulesen. → Bibel, Lutherübersetzung 2017
Die Gottesfrage im Christentum
An mehr als 2.500 Stellen bezieht sich das Neue Testament auf das Alte Testament. Die Urchristenheit des Neuen Testaments ist zunächst sehr jüdisch geprägt.
Martin Luther hat auf der Gemeindeebene für die „gemeinen Pfarrherrn und Prediger“ 1529 den Kleinen Katechismus eingeführt. Ich habe diese „Laienbibel“, wie er sie nannte, als Konfirmand noch auswendig lernen müssen. Inhaltlich gehören dazu die fünf Hauptstücke mit ihren Artikeln:
(1) Die Zehn Gebote, (2) das Apostolische Glaubensbekenntnis (Schöpfung, Erlösung, Heiligung), (3) das Vaterunser, (4) das Sakrament der Heiligen Taufe und (5) des Heiligen Abendmahls, das Amt vom Schlüssel und von der Beichte. → Evangelisches Gesangbuch Nr. 806
Der Islam setzt sich aus fünf Säulen zusammen:
(1) Dem islamischen Glaubensbekenntnis (schahada), (2) dem fünfmaligen rituellen Tagesgebet in Richtung Mekka (salat), (3) der Almosengabe (zakat), (4) der Pilgerfahrt nach Mekka (haddsch), (5) und dem Fasten im einzigen Monat, der einen Namen trägt, Ramadan (saum).
Der Göttinger Theologe Wolfgang Reinbold hat in seinem Werk, Koran und Bibel, alle die Stellen, die für die Juden und Christen nach der Bibel klingen in den Suren bibelmäßig zusammengestellt und die Denk- und Glaubensweise Muhammeds noch deutlicher erkennbar werden zu las-sen. Sie machen immerhin mehr als zwei Drittel der Bibel aus.
Ich verspreche Ihnen ein spannendes und lebendiges Seminar mit interessanten Ton- und Filmbeiträgen zu Mose, Jesus, Muhammed, Martin Luther, dem Juden- und Christentum und Islam.
Am Ende werden Sie diese verwandten Religionen mehr begreifen können, noch besser die Religion, in der Sie aufgewachsen sind. Zugegeben, es erwarten Sie wieder Zumutungen denkenden Glaubens und glaubenden Denkens.
Auch Gotteserkenntnis oder Gottes Erkenntnis vermag zu erfreuen, befreit sie doch von eigenem oder fremdem Trug und Wahn.
Seien Sie herzlich willkommen.
Fußnoten:
- ^ Mose ist der jüdische Prophet, Moses dagegen das Beiboot einer Jacht oder der Schiffsjunge.
- ^ Der Name Muhammed war bereits vor seiner Zeit im Gebrauch. Im Koran wird der Name Muhammed an vier Stellen als Eigenname des Propheten genannt: Sure 3:144, 33:40, 47:2, 48:29.
- ^ Exodus 3,15f.: Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht.
- ^ Die Tora in jüd. Auslegung, Exodus (W. G, Plaut). Bibel, Lutherübersetzung 2017. Koran (Hennings)
- ^ Die Bibel ist nicht die Bibel. Die Tora ist nicht das Alte Testament, sie hat kein Neues Testament.
Dozent: Dr. theol. Klaus Dirschauer
Termine: mittwochs, 14.10.2026 - 20.01.2027
Zeit: 09:30 (s.t.) bis 11:00 Uhr
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0660) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen in Präsenz
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