(AKAD07) Sharon Dodua Otoo „Adas Raum“ (2021)
Der Debütroman der britisch-deutschen Schriftstellerin Otoo folgt der Erfahrung von Frauen durch verschiedene Zeiten und an verschiedenen Orten. So entsteht eine verdichtete Geschichte von Unterdrückung, Gewalt und Rassismus, von Zugehörigkeits- und Identitätsfragen. Otoo entwirft ein komplexes literarisches Gefüge, das wir im Seminar durchdringen wollen. So begegnen wir Ada, die im Roman als „eine Unsterbliche, die durch Zeit und Raum wandert“ bezeichnet wird, vier Mal: als westafrikanische Mutter, die im Jahr 1459 ein Neugeborenes begraben muss. Als Lady Ada King – angelehnt an die Biographie der Mathematikerin Ada Lovelace – im Jahr 1848. Als polnische Zwangsprostituierte Adelajda Marianska 1945 im Konzentrationslager Mittelbau-Dora. Als Augusta Adanne Lamptey, eine ghanaisch-britische schwangere Frau auf Wohnungssuche 2019 in Berlin.
In allen Zeiten und an allen Orten umgibt „Ada“ eine Schwester oder Freundin. Stets gerät auch Adas Mutter oder eine Mutterfigur in den Blick. Hinzu kommen die jeweiligen Partner. Die Geschichten, die mit hoher Intensität erzählt werden, offenbaren gesellschaftliche Muster, die in allen Frauenbiographien in irgendeiner Art Abdrücke hinterlassen. Wie genau, soll im Seminar untersucht und besprochen werden. Otoos Roman werden Elemente zeitgenössischer afrikanischer Literatur sowie des magischen Realismus zugesprochen. So fällt auf, dass die Autorin ein „Geistwesen“ in jeder der vier Handlungsebenen auftauchen lässt, das sich jeweils in Gegenständen manifestiert und einen eigenen Auftrag verfolgt. Es soll ein kostbares Armband mit dreiunddreißig gold-silbernen Perlen schützen, das allerlei Begehrlichkeiten auslöst. Die ersten drei Zeitebenen enden jeweils damit, dass „Ada“ von einem mächtigen oder bösen Mann umgebracht wird. Erst die gegenwärtige „Ada“ wird als Zeichen der Hoffnung weiter leben und ein Mädchen zur Welt bringen.
Bei „Adas Raum“ handelt es sich um einen ungewöhnlichen Roman, der eine reflektierte Auseinandersetzung verdient. Neben zahlreichen literarischen Fragen zu Figurenkonstellation, Zeiten und Orten, zur Erzählperspektive und zum Sprachstil soll die atmosphärische Wirkung des Textes thematisiert werden. Hinzu kommen aktuelle Diskurse über die Frage der Vergangenheitsaufarbeitung, zu Kolonialismus und Holocaust, zu Gewalt und Identität.
Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren. Ihre Eltern stammen aus Accra, der Hauptstadt Ghanas. Seit 2006 lebt Otoo in Berlin. Als Aktivistin für Menschenrechte veröffentlicht sie regelmäßig Beiträge zu Feminismus und Rassismus, außerdem zu vielfältigen Kultur- und Bildungsthemen. Otoo war Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe „Witnessed“.
2016 las Otoo in Klagenfurt und erhielt für ihren Text „Herr Gröttrup setzt sich hin“ den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2021 veröffentlichte Otoo ihren Debütroman „Adas Raum“. Im selben Jahr wurde sie in das PEN-Zentrum Deutschland aufgenommen. Außerdem erhielt sie den Verdienstorden des Landes Berlin. Von der Autorin sind zahlreiche Kurzgeschichten und Novellen erschienen. Zuletzt erschien Otoos zweiter Roman „So, in etwa, ist es geschehen“.
Literatur:
Der Roman ist als Taschenbuch im Fischer Verlag erschienen.
Dozentin: Dr. Ina Düking
Termine: montags, 12.10.2026 - 25.01.2027 (nicht am 14.12.2026)
Zeit: 14:15 (s.t.) bis 15:45 Uhr
Veranstaltungsart: Online-Seminarreihe
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