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(AKAD11) Die feinen Unterschiede - die Psychoanalyse des Sozialen nach Pierre Bourdieu

Der wohl größte zeitgenössische Soziologe Pierre Bourdieu hat die Soziologie und ihre Auseinandersetzung mit Macht und mit seiner Untersuchung von Lebensstilen entscheidend verändert. Er erweiterte den Kapitalbegriff von Karl Marx, der vor allem die Ökonomie ins Visier nahm, um einen Kapitalbegriff, der sehr viel ausdifferenzierter ist. Dabei untersuchte er die Alltagswirklichkeit der Franzosen; schaute auf Kulturverhalten, Geschmäcker und Lebensstile und fand heraus, dass (nicht nur) der Konsum nicht zufällig ist, sondern Gesetzmäßigkeiten des sozialen Feldes (ein Zentralbegriff von ihm) unterworfen ist. Essensgewohnheiten, Schönheitsideale, Freizeitgestaltung, Kino-Theater oder Galeriebesuche, akademische Titel, Wohnungseinrichtungen und Urlaubsorte bilden ein dichtes Gewirr von Strategien, um Distinktion zu erlangen.

In diesem Seminar werden wir uns mit den zentralen Begriffen der bourdieuschen Theorie  auseinandersetzen: mit dem ökonomischen, sozialen, kulturellen und symbolischen Kapital. Dazu kommt der Begriff des sozialen Feldes. Im Zentrum stehen dann nicht die erkenntnistheoretischen Standorte, sondern die praktische Bedeutung, die Kapitalgüter in unserer Kultur haben.

Wer Flüchtlinge betreut hat, wird sensibel dafür sein, dass das, was wir in unserer Kultur für selbstverständlich halten, doch eine Menge unbewusster Bedeutungen enthält. Daher wird der theoretische Blick der Soziologie Bourdieus um ethnologische Theorien erweitert, um dem Unbewußten der Kultur auf die Spur zu kommen. Gedacht ist also an eine spannende Auseinandersetzung  mit dem Alltag, der uns bestimmt.

Literatur:

  • Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Frankfurt a.M. 1987
  • Pierre Bourdieu, Die verborgenen Mechanismen der Macht, Hamburg 1992
  • Mario Erdheim, Psychoanalyse und Unbewusstheit in der Kultur, Frankfurt a.M. 1994
  • Mario Erdheim, Die Gesellschaftliche Produktion von Unbewusstheit. Eine Einführung in den ethnopsychoanalytischen Prozess, Frankfurt a.M. 1984
  • Mario Erdheim, Omnipotenz, Rausch und Lust. In: Uhlig, Thiele 2002
  • Gerhard Fröhlich, Die Einverleibung sozialer Ungleichheit, (ohne Jahr, Entwurf für ein Buch)
  • Gerhard Fröhlich, Kapital, Habitus, Feld, Symbol, in Fröhlich/ Mörth, Das symbolische Kapital der Lebensstile, 1994
  • Gerhard Fröhlich/ Boike Rehbein (Hrsg.) Bourdieu-Handbuch, Stuttgart 2009
  • Rolf Haubl, Consumo, ergo sum - Geld und Konsum als Stimmungsmacher. In Uhlig/ Thiele 2002
  • Maya Nadig, Psychoanalyse und Sozialforschung, in Erdheim 1994
  • Hans-Georg Soeffner, Die Ordnung der Rituale. Die Auslegung des Alltags 2, Frankfurt a.M. 1992
  • Stephan Uhlig, Monika Thiele (Hrsg.) Rausch – Sucht – Lust. Kulturwisssenschaftliche Studien an den Grenzen von Kunst und Wissenschaft. Gießen 2002

Dozentin:     Dr. Monika Thiele       

Zeit:             Donnerstag, 12:00 s.t. - 13:30 Uhr

Veranstaltungsart:   Online-Seminarreihe

Kontakt

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Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik

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