(AKAD12) Das Kaisertum der Ottonen

Im Jahre 962 wurde Otto I., der Große (936-973) nach dem Vorbild Karls des Großen in Rom von Papst Johannes XII. zum Kaiser gekrönt. Seither war die römische Kaiserwürde dauerhaft mit dem deutschen Königtum verbunden; zugleich hing die Erhebung der deutschen Könige zu römischen Kaisern eines universalen, ganz Mitteleuropa umfassenden Reiches von der Zustimmung und Mitwirkung des Papstes ab. Dieses Zusammenwirken der beiden sog. Universalgewalten (Kaiser und Papst) erfuhr unter Otto III., dem Enkel Ottos des Großen, noch einmal eine Steigerung. Otto III. (983-1002) hatte sich die Erneuerung des Römischen Reichs („Renovatio Imperii Romanorum“) zum Ziel gesetzt: Dem 996 von Papst Gregor V. zum Kaiser gekrönten Otto III. schwebte eine am Muster der antiken Imperatoren ausgerichtete Kaiserherrschaft vor Augen, Rom sollte dabei Reichsresidenz werden. Wir haben es also mit einer engen Verbindung von Kirche und Staat, Religion und Politik zu tun, die auch noch für das Kaisertum des letzten Ottonen Heinrich II. (1002-1024) kennzeichnend war.

Neben der Erneuerung und Weiterentwicklung des abendländischen Kaisertums durch die Ottonen sollen im Seminar auch die wichtigsten außen- und innenpolitischen Ereignisse, die die Ottonenzeit wesentlich prägten, in den Blick genommen werden. Lothringen und das Königreich Italien wurden von den Ottonen dem römisch- deutschen Reich eingegliedert, der Anschluss Burgunds an das Reich wurde vorbereitet. In der Ostpolitik wurden durch die Ausbreitung des christlichen Glaubens und die Unterwerfung der Heiden neue Maßstäbe gesetzt. Paradigmatisch hierfür steht der Sieg Ottos des Großen über die noch heidnischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg (955). Von innenpolitischer Bedeutung war vor allem die Etablierung des sog. Reichskirchensystems, in dem die Reichsbischöfe und Reichsäbte als Träger der höchsten Reichsämter Stützen der Königsmacht wurden. Für ihre militärischen und finanziellen Leistungen wurde die Kirche mit reichen Zuwendungen belohnt. Da im Inneren die staatlichen Institutionen (Gesetzgebung, Verwaltung, Ämterorganisation etc.) noch weitgehend unterentwickelt waren, zeichnete sich die ottonische Herrschaftspraxis durch vorstaatliche Formen der Herrschaftsausübung wie mündliche Konsensstiftung oder rituelle Akte der Repräsentation aus; man spricht deshalb auch von einer „Königsherrschaft ohne Staat“ (G. Althoff).

Im Seminar wollen wir den Aufstieg der sächsischen Ottonen zu einer der bedeutendsten Herrscherdynastien des europäischen Mittelalters anhand ausgewählter Quellentexte verfolgen und kritisch begleiten. Thematische Schwerpunkte sollen dabei das neu begründete abendländische Kaisertum sowie das von den Ottonen neu gestaltete Verhältnis von Kirche und Reich bilden, das eine beispiellose Sakralisierung des deutschen Königtums zur Folge hatte.


Dozent:             Dr. Ulrich Weidinger
Zeit:                   Donnerstag, 12:15 s.t. - 13:45 Uhr
Hinweis:         Teilnehmerbegrenzung: 60 Personen
Veranstaltungsart
:       nur in Präsenz (SFG, Raum 0140)

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