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(AKAD17) Frank Witzels Roman „Inniger Schiffbruch“ (2020)

Kunst- und Literaturgeschichte der Moderne 2

Frank Witzel, geboren 1955 in Wiesbaden, arbeitet als Schriftsteller, Illustrator und Musiker. Er lebt in Offenbach am Main. 2015 erhielt Witzel für seinen Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ den Deutschen Buchpreis. Frank Witzel ist ebenfalls Autor zahlreicher, preisgekrönter Hörspiele.

Sein neuer Roman „Inniger Schiffbruch“ ist für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert. Ausgehend von den Erinnerungen seiner eigenen Kindheit verbindet Witzel diese auf eine erzählerisch sehr subtile Weise mit der Geschichte und Kulturgeschichte der BRD. Er reflektiert den Tod der Eltern, beschreibt die Erfahrung, den Haushalt aufzulösen und dabei auf die tieferen Schichten der eigenen Familiengeschichte zu stoßen. 

„Dass es nicht ratsam scheint, als Kind auf Geheimnisse zu stoßen, die Erwachsene hatten verbergen wollen, ahnte ich schon damals, nachdem ich gerade die Schwangerschaft meiner Mutter, ohne entsprechende Fragen zu stellen, verfolgt hatte. In den nächsten Jahren würde ich die Fähigkeit, heikle Themen bereits vorzeitig erkennen und umgehen zu können, noch weiter verfeinern…“

Kindheit auch als Topos der Literatur und der Philosophie des gesamten 20. Jahrhunderts: die Bezüge zu Texten von T. W. Adorno bis zu Elio Vittorini bilden ein feines Netz um das der Kindheit des Erzählers, folgen auch den dunklen Spuren dar Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Wieder die Verbindung zu der eigenen Geschichte des Erzählers als Sohn, der den Nachlass des verstorbenen Vaters sichtet. Der Sohn liest die Tagebuchnotizen des Vaters aus der Zeit Dritten Reiches und seine späteren sehr genauen Aufzeichnungen; sehr spannend erzählte Roman spannt den Bogen zu der stets schweigend beschriebenen Mutter. Der „Innige Schiffbruch“ als Metapher des immerwährend Menschlichen: und so kann der Titel bereits als Hinweis auf das zu Erzählende gedeutet werden:

„Und mir fiel das Ewige ein und daneben die alten Jahreszeiten und diese daseiende Zeit, die lebendige, tönende. Also sinkt der Gedanke mir weg ins Übermaß.
Untergehen in diesem Meer ist inniger Schiffbruch.“

(Die letzte Strophe des L'infinito von Giacomo Leopardi in der Übersetzung von Rainer Maria Rilke) 

Ausgabe: Frank Witzel, „Inniger Schiffbruch“, Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2020.

Dozentin:     Margrit Platt, M.A.

Zeit:             Dienstag, 10:00 s.t. - 11:30 Uhr

Veranstaltungsart:   Online-Seminarreihe

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Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik

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