(AKAD18) Der Neue Deutsche Film – von den Anfängen bis in die Gegenwart
Wer, gerade unter den Älteren, kennt sie nicht oder hat nicht mindestens von ihnen gehört, die Filme von Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Wim Wenders, Werner Herzog oder Alexander Kluge? Sie stehen für das, was in der Kinoprogrammatik auch Neuer Deutscher Film genannt wird. Als Geburtsstunde dieses neuen Kinos gilt gemeinhin das Oberhausener Manifest (1962), in dem die jungen Filmemacher, zumeist Autorenfilmer, sich mit den Worten: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen“, gegen das Kino ihrer Väter und Großväter aussprachen. Der neue Film brach mit einer Tradition, die allzu sehr für Verwicklung und Kontinuität mit der Nazizeit und ein unkritisches Einverständnis in den gesellschaftlichen Status quo stand. Auf einmal waren deutsche Filme politisch, zeitgenössisch und an gesellschaftlichen Veränderungen interessiert, wie Christoph Terhechte schreibt. Und dies gilt sowohl für den Stoff, der, denken wir an Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ (BRD 1978), brennende Fragen der deutschen Nachkriegszeit thematisierte, als auch die Filmsprache, die, wie in Kluges „Abschied von gestern“ (BRD 1966), einen experimentellen Ansatz nicht länger scheute.
Im Seminar wollen wir uns an ausgewählten Filmbeispielen dem Phänomen des Neuen Deutschen Films nähern. Dazu wird es Filmausschnitte geben, über die wir im Anschluss diskutieren können. Dabei sollen auch Filme Berücksichtigung finden, die seit Mitte der 90er Jahre mit der Thematisierung von Migration und Wiedervereinigung für eine Wiederbelebung des deutschen Films gesorgt haben, darunter Regisseure wie Fatih Akin, Thomas Arslan, Andreas Dresen und Christian Petzold, der stellvertretend für die Berliner Schule (Nouvelle Vague Allemande) steht. Gefragt werden soll vergleichend, wie sich beide Perioden des Neueren Deutschen Films auf gesellschaftliche Realität beziehen, welche Intentionen in ihnen zum Ausdruck kommen und mit welcher filmischen Ästhetik gearbeitet wird.
An Literatur zum Thema seien empfohlen:
Norbert Grob, Hans Helmut Prinzler, Eric Rentschler (Hgg.): Neuer Deutscher Film. Stuttgart: Reclam 2012
Pierre Gras: Good Bye, Fassbinder! Der deutsche Kinofilm seit 1990. Berlin: Alexander Verlag 2014.
Dozent: Dr. phil. André Steiner
Termine: dienstags, 13.10.2026 - 26.01.2027
Zeit: 10:00 (s.t.) bis 11:30 Uhr
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0660) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen in Präsenz
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