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(AKAD18) Uwe Timms Roman „Morenga“ (1978)

Kunst- und Literaturgeschichte der Moderne 1

In „Morenga“ behandelt Uwe Timm (*1940) den Kolonialkrieg, den das Deutsche Kaiserreich zwischen 1904 und 1907 im damaligen Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) gegen die dort ansässigen Nama und Herero führte. Einer der Anführer des Aufstands war Jakob Morenga, ein vorheriger Minenarbeiter, der den an Zahl und Ausrüstung überlegenen deutschen „Schutztruppen“ einen listenreichen Guerilla-Krieg entgegensetzte. Zuletzt unterlag Morenga mit den letzten 260 Freiheitskämpfern einer Übermacht von 16.000 deutschen Soldaten. Die verbliebenen Herero wurden mitsamt ihren Frauen und Kindern in die Wüste getrieben, wo sie elendig verhungerten und verdursteten. Nur etwas über 15.000 von ehemals 80.000 Herero überlebten den Krieg gegen sie. Die ebenfalls gegen die Kolonialherrschaften aufständischen Nama wurden in Lagern eingesperrt, wo sie entweder an Hunger oder an Krankheiten darbten und viele starben.

Uwe Timms literarischer Zugang zu diesem komplexen Stoff folgt historischen Dokumenten wie Generalstabsberichten, Militärkorrespondenzen, Erlassen und Telegrammen. Außerdem zieht Timm Kolonialmemoiren zu Rate. Hinzu kommen geographische und ethnologische Exkurse. Um ein Panorama der historischen Wirklichkeit entfalten zu können, erschafft Timm den (fiktiven) Veterinär Gottschalk, der zum zunehmend kritischen Beobachter der Geschehnisse vor Ort wird. Ohnmächtig verfolgt Gottschalk die Vernichtung der ansässigen Herero und Nama aufgrund der weißen Herrschaftsinteressen, ihrer rassistischen Einstellungen und ökonomischen Motive.

Uwe Timm wurde am 30. 3. 1940 in Hamburg geboren. Nach einer Kürschnerlehre übernahm er zunächst das väterliche Pelzgeschäft. 1963 machte Timm Abitur am Erwachsenengymnasium Braunschweig-Kolleg. 1966-1967 folgte ein Studienaufenthalt in Paris, 1967–1971 ein Studium der Philosophie und Germanistik in München. 1971 promovierte er über „Das Problem der Absurdität“ bei Camus. Währenddessen, 1970–1972, studierte er parallel Soziologie und Volkswirtschaft. Seit 1971 lebt Timm als freier Schriftsteller. Bedeutende Werke sind: „Heißer Sommer“ (1974), „Der Schlangenbaum“ (1986), „Die Entdeckung der Currywurst“ (1993), „Johannisnacht“ (1996), „Rot“ (2001), „Am Beispiel meines Bruders“ (2003), „Der Freund und der Fremde“ (2005), „Halbschatten“ (2008), „Vogelweide“ (2013), „Ikarien“ (2017).

Der Roman ist als Taschenbuch erhältlich. Ein Reader mit zusätzlichen Materialien wird bereitgestellt.

Dozentin:     Dr. Ina Düking

Zeit:             Montag, 14:00 s.t. - 15:30 Uhr

Hinweis:      
Im Rahmen der Veranstalungsreihe finden 11 Termine statt. Die Veranstaltungen am 09.11., 14.12. und 21.12.2020 müssen leider entfallen.

Veranstaltungsart:   Online-Seminarreihe

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Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik

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