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(AKAD28) Kunst- und Literaturgeschichte der Moderne 4: Die Kritische Theorie und die Entzauberung der Welt (dargestellt an Werken der Literatur- und Kunstgeschichte)

Die in den dreißiger Jahren entstehende Kritische Theorie beschreibt und untersucht die Ursachen einer sich selbst zerstörenden Aufklärung („die rastlose Selbstzerstörung der Aufklärung“): „Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils. Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt.“

In der  „Rede über die Würde des Menschen“ von Giovanni Pico della Mirandola aus dem Jahre 1486 wird den Menschen von Gott die Willensfreiheit geschenkt: „Du wirst von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen, dem ich dich überlassen habe, dir selbst deine Natur bestimmen.“ Diese dem Menschen geschenkte Willensfreiheit kann als Grundidee der europäischen Aufklärung verstanden werden. Ungefähr dreihundert Jahre später (1783) wird Immanuel Kant die sich selbst gestellte Frage, ob wir in einem aufgeklärten Zeitalter leben, mit Nein beantworten und nur noch von einem „Zeitalter der Aufklärung“ sprechen. Diese verhalten optimistische Einschätzung wird  dann wenige Jahre später von Friedrich Schiller in seinen „Ästhetischen Briefen“ von 1795 schon nicht mehr geteilt, wenn er den „spielenden Menschen“ – für Schiller die Synthese aus Vernunft und Gefühl – nur noch als Menschen der Zukunft versteht. Dem „Sapere aude“, dem Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, stehen die menschliche „Trägheit der Natur“ und seine „Feigheit des Herzens“ entgegen.

In dem 1947 erschienen Hauptwerk der Kritischen Theorie, der „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, wird die Aufklärung als historischer Prozess des katastrophalen Scheiterns beschrieben. Statt der erhofften Befreiung des Menschen von Abhängigkeit und Not sind in der entzauberten Welt eine noch größere Entfremdung und eine Vermehrung der Macht über Natur und Menschen entstanden. Die Vernunft des Menschen hat sich verkehrt in eine zweckrationale „instrumentelle Vernunft“ im Dienste des abstrakten begrifflichen Denkens.

In vielen Werken der Literatur- und Kunstgeschichte wird diese Verfallsgeschichte eines Menschheitstraumes (der freie, friedliche und glückliche Mensch)  thematisiert. Oftmals unbewusst im Sinne einer „unbewussten Geschichtsschreibung“: „Das geschichtliche Moment ist den Kunstwerken konstitutiv […]. Sie sind die ihrer selbst unbewußte Geschichtsschreibung ihrer Epoche; das nicht zuletzt vermittelt sie zur Erkenntnis“.

Dozent:        Dr. Karl Heinz Wölke

Zeit:             Donnerstag, 15:30 s.t. - 17:00 Uhr

Veranstaltungsart:   Online-Seminarreihe

 

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