(AKAD31) „Franken, in Bayern ganz oben“ - die steinreiche Ecke zwischen Schichtstufenland und Mittelgebirge

Das nördliche Frankenland wird von waldreichen Mittelgebirgslandschaften umrahmt, die vom Frankenwald, über das Fichtelgebirge und Steinwald, bis zum nördlichen Oberpfälzer Wald reichen. Südwestlich schließen landwirtschaftlich geprägte Gebiete an, die dem Süddeutschen Schichtstufenland zuzuordnen sind. Beide Landschaftstypen werden von einer markanten tektonischen Verwerfung, der „Fränkischen Linie“, begrenzt, die über weite Bereich auch in der Morphologie gut erkennbar ist. Sie trennt die alten Gesteine (550-289 Millionen Jahre) des Paläozoikums im Norden von jüngeren Sedimentgesteinen (246 Millionen Jahre-heute) weiter südlich. In der nördlichen Region besteht der geologische Untergrund auf relativ kleinem Raum aus einem Flickenteppich unterschiedlicher Gesteinskörper, die in verschieden tiefen Bereichen der Erdkruste entstanden, bzw. Bestandteile verschiedener tektonischer Platten darstellen. Landschaft, Geologie und Kultur dieser Region werden mit den folgenden vier Themen genauer beleuchtet, um Einblicke in eine alte Kulturlandschaft in der Mitte Deutschlands zu vermitteln.


Thema 1: Landschaften Frankens (1): Die alten (paläozoischen) Gebirge im Norden

Der Frankenwald ist räumlich und geologisch eng mit dem Thüringer Wald verbunden. Über die Kammlinie der beiden bewaldeten Mittelgebirge verläuft der Rennsteig, der die Wasserscheide zwischen Elbe und Rhein markiert. Weiter östlich bzw. südöstlich schließen Fichtelgebirge und Steinwald an, und leiten zum Oberpfälzer Wald über. Die unterschiedlich alten Diabase, Grauwacken, Kalke, Sand- und Tonsteine, Granite und Gneise dieser Region gehören zu den Resten eines vor mehr als 300 Millionen Jahren entstandenen Gebirges, dem „Variszischen Gebirge“. Hervorgegangen ist das einstige Hochgebirge aus der Kollision der beiden Großkontinente Laurussia im Norden und Gondwana im Süden. Nach Jahrmillionen der Erosion legt die heutige Landoberfläche Bereiche frei, die oft viele Kilometer unter den einstigen Gipfeln lagen, und die die Wurzelzonen des Variszischen Gebirges darstellen. Angeschnitten wurden dabei auch Granite, die am Ende der variszischen Gebirgsbildung aus glutflüssigen Gesteinsschmelzen erstarrt sind. Des Weiteren kommen metamorphe Gesteine (Gneise) vor, die teilweise in größeren Krustentiefen aufgeschmolzen wurden und im Zuge der Gebirgsbildung nach oben wanderten.

Das „Variszische Grundgebirge“ selbst besteht aus mehreren Einheiten, die im Verlauf der Gebirgsbildung durch tektonische Brüche und Verfaltungen verschoben wurden. Teilweise liegen unterschiedlicher Krustenteile auch eng verschuppt über- und nebeneinander. All diese Gesteinsverformungen werden über geologische Karten der heutigen Landoberfläche und Bohrungen in den Untergrund projiziert. Die variszischen Einheiten Frankens setzen sich unter dem Schichtstufenland nach Westen fort und sind im Schwarzwald wieder an der Oberfläche anzutreffen.
Im Vortrag werden die komplexen Zusammenhänge der erdgeschichtlichen Prozesse entschlüsselt, die zur heutigen bunten Mischung verschiedenster Gesteine in der Region führten.


Thema 2: Landschaften Frankens (2): Trias und Jura (Mesozoikum) prägen das westlich gelegene Schichtstufenland

Entlang einer messerscharfen tektonischen Verwerfung („Fränkische Linie“) grenzen die überwiegend dunklen Gesteine der alten Gebirge gegen die mehr oder weniger horizontal lagernden Abfolgen des Mesozoikums. Entlang der Fränkischen Linie kommen in einigen kleineren Aufbrüchen auch Rotliegend Gesteine (Perm) zu Tage, wie z.B. im Stockheimer Becken. Die Trias- und Juraabfolgen Frankens gehören zum Süddeutschen Schichtstufenland, das durch schwach geneigte, unterschiedlich harte Gesteinsabfolgen erosiv herauspräpariert wurde. Rot bis braune terrestrische Sedimente (Sand-/Tonsteine) wechseln mit grau-beigen marinen Ablagerungen (Kalk-/Mergelsteine), wobei letztere oft zahlreiche Fossilien enthalten. Ursprünglich wurden die mesozoischen Sedimente in großen, flachen Becken abgesetzt, die ganz Süddeutschland und westlich bzw. südlich angrenzende Bereiche umfassten. So sind die Triasabfolgen bzw. die Ammoniten-führenden Juraablagerungen Frankens mit gleichalten Kalksteinen der Schweiz oder Frankreichs vergleichbar.
Am Kamm des Schichtstufenlandes treten sandige Kreide- und Tertiärablagerungen in isolierten Reliktvorkommen auf. Während Braunkohle-führende Unterkreide nur in schmalen Becken nahe der Fränkischen Linie anzutreffen ist, überschütten in der Oberkreide (vor100 bis 60 Millionen Jahren) dicke, 200 bis 400m mächtige Sande die älteren Trias- und Juraformationen. Erst durch die junge Heraushebung der Frankenalb wurden diese Sande seit wenigen Millionen bis auf wenige Reste wieder entfernt und alte Reliefformen freigelegt.
In diesem Zusammenhang sind die schroffen Kalk- und Karstlandschaften der Fränkischen Schweiz mit ihren zahlreichen Burgen, Schlössern und Höhlen seit langem bekannt und berühmt. Das Kalksteinplateau liegt auf einer markanten Aufwölbung der Erdkruste, die bis nach Nordböhmen verläuft und die südwestlichen Ausläufer des „Egerrifts“ repräsentiert. Im Nordosten brach der Egergraben ein, der heute vom gleichnamigen Fluß durchlaufen wird. Der schroffe Garbenabbruch ist mit Blick auf die Eger von der Burg Hohenstein (östlich Selb) aus gut sichtbar. Daneben sind längst erloschene Vulkane an dieser Grabenzone am Parkstein (bei Creußen) zu sehen. Aufwölbung und Grabenbruch dauern bis heute an und lassen als Erdbeben bei Eger und Marktredwitz hin wieder den Boden erzittern.
 

Thema 3: Burgen, Schlösser, alte Städte - ihre Bausteine spiegeln den geologischen Untergrund wider

Der Buchtitel „Der Franke ist ein Gewürfelter“ (Max von Aufseß) beschreibt den Charakter der Menschen und der vielfältigen, bunten Kulturregion mit ihren Schlössern und Burgen; er steht aber auch als Programm für die vielfältigen Gesteinsformationen des nördlichen Frankenlandes, die in den Bauwerken über Jahrhunderte Verwendung fanden. Verschiedene Sandsteine der Trias und des Jura eigneten sich besonders gut, sowohl für den Bau von Burgen, als auch für Sakralbauten. Mit dem Buntsandstein stand seit dem Mittelalter ein ausgezeichneter Werkstein zur Verfügung: Dickbankig und ausreichend hart sind seine wichtigsten Eigenschaften. Der Rötsandstein (eine Unterformation) aus der Umgebung von Kronach war über viele Jahrhunderte ein Exportschlager, der bis nach Berlin geliefert wurde. Daneben kennzeichnen diese Sandsteine die mittelalterlichen Ortsbilder der gesamten Region. Zahlreiche Burganlagen und Schlösser wurden in bzw. nahe natürlicher Sandsteinvorkommen angelegt; sie konnten leicht gebrochen und weiter verarbeitet werden. In der benachbarten Herzogstadt Coburg waren es die Keupersandsteine, insbesondere der sog. Burgsandstein, der in Burgen, Schlössern und der gesamten mittelalterlichen Altstadt Verwendung fand. Gleiches gilt für die Städte Kulmbach, Bamberg und Bayreuth.

Berühmtheit erlangten über die Landesgrenzen hinaus die zahlreichen Barock-Bauwerke in Franken und Süddeutschland, die von dem aus Eger stammenden Baltasar Neumann geschaffen wurden, u.a. die Würzburger Residenz, die Basilika Vierzehnheiligen und Schloß Banz (beide nahe Lichtenfels), oder die Wallfahrtsbasilika Gössweinstein (Fränkische Schweiz). Gerne wurde hier der standfeste und gut bearbeitbare gelbe Dogger-Sandstein des oberen Jura verwendet.
 

Thema 4: Rohstoffland Franken und Nordbayern, gestern und heute

Die frühesten Abbauversuche auf Erze sind aus dem 9. Jahrhundert datiert, aus der Umgebung von Kupferberg, einem Städtchen zwischen Frankenwald und Fichtelgebirge gelegen. In der weiteren Umgebung wurden über Jahrhunderte in kleinen Bergwerken Gold, Silber, Eisen und Zinn abgebaut, was zu einem bescheidenen Wohlstand für die Bevölkerung beitrug. Nicht von ungefähr haben Wirtschaftshistoriker für dieses Gebiet (zusammen mit der benachbarten nördlichen Oberpfalz) den Begriff "Ruhrgebiet des Mittelalters" geprägt. Die Blütezeit war jedoch zum Ende des 18. Jahrhunderts überschritten. Daran konnten auch die großen Leistungen A. v. Humboldt`s nichts ändern, der zwischen 1792 und 1796 den Bergbau im Fichtelgebirge und im Frankenwald koordinierte. Im Alter von 24 Jahren trat er seine erste Stelle als Bergassessor im „Bayreuther Oberland“ an und war für die systematische Aufnahme zahlreiche Bergwerke und Industrieanlagen zuständig. Mit großem Elan und Erfolg kartierte, sanierte und entwickelte er die Montanindustrie der Region. Während seines Wirkens trug er auch entscheidend zur Verbesserung des geologischen Kenntnisstandes bei. Heute sind nur noch wenige Betriebe aus dieser Zeit übrig geblieben, die vor allem Rohstoffe für die Porzellan-und Natursteinindustrie liefern. Schiefer-verkleidete Häuser charakterisierten lange Zeit das Ortsbild vieler Gemeinden im Frankenwald. Von den einst zahlreichen Schieferbrüchen befindet sich aktuell nur noch das Vorkommen bei Lotharheil im Abbau.

Die Sedimentgesteinsabfolgen des Schichtstufenlandes liefern heute vor allem Zuschlagsstoffe für die Bauindustrie; daneben werden auch Natursteine und die im Keuper anzutreffenden Gipsvorkommen abgebaut. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Kohle aus kleineren Vorkommen gefördert, die aus rohstoffgeologischer Sicht jedoch nicht mehr interessant sind. Geothermie nutzbar zu erschließen war bislang wenig erfolgreich und gelang nur in bescheidenen Ansätzen für balneologische Zwecke.


Dozent:             Prof. Dr. Jochen Kuss
Zeit:                  4 x Montag und Mittwoch, 12:00 s.t. - 13:30 Uhr
Termine:           Mo 09.01. + Mi 11.01. + Mo 16.01. + Mi 18.01.2023
Hinweis:        Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen in Präsenz
Veranstaltungsart:      hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme
Entgelt als einzelne Buchung:
50,-
Euro (wenn Sie diese Veranstaltung als einzige im gesamten Wintersemester 2022/23 belegen)

 

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