(AKAD34) Christoph Hein: „Trutz“

Wie in allen seinen Romanen erzählt Christoph Hein (geb. 1944) auch in Trutz eine Geschichte aus der ehemaligen DDR. Der Autor ist vielleicht sogar so etwas wie das Gedächtnis des anderen Teils von Deutschland oder der sowjetisch besetzten Zone, wie es damals hieß – aber mehr noch ist er hier der Archivar zweier autoritärer Systeme, die das Zwanzigste Jahrhundert bis in unsere Gegenwart hinein geprägt haben.

Der Roman schlägt einen weiten Bogen, reicht vom Berlin der 1920 er-Jahre über Moskau bis in die sibirischen Straflager und wieder über die DDR zurück bis ins heutige Berlin. Es ist die Geschichte von Einem, der nicht vergessen kann, hinter dem wiederum der Erzähler, Christoph Hein, zum Vorschein kommt, der die Geschichte in immer wieder neuen, überraschenden Versionen erfindet.

Der Erzähler trifft bei einem Vortrag über den Hitler-Stalin-Pakt auf den eigensinnigen Pensionär Maykl Trutz, der mit seinem Faktenwissen brilliert, der Referentin aus dem Bundesarchiv einige sachliche Fehler nachweist. Er spricht den wunderlichen Mnemoniker oder Gedächtniskünstler nach der Veranstaltung an. Man macht sich bekannt, verabredet sich, schließt einen erzählerischen Pakt.

So führt Christoph Hein in die Lebensgeschichten seines Protagonisten ein. Trutz beginnt in Deutschland vor der Machtergreifung, spielt aber zum größten Teil im russischen Exil. Christoph Hein schreibt oral history im besten Sinn, eine Recherche, die sich durch Nüchternheit, Schnörkellosigkeit, Schnelligkeit und Spannung auszeichnet, die sich sowohl für das überindividuelle Verhängnis als auch das Persönliche an Lebensgeschichten interessiert. Die Erinnerung oder Mnemonik selbst schreibt den Text. Menschen-Schicksale kommen in den Blick, die aufzeichnen, wie die Geschichte bis in unsere Zeit hineinspielt, die uns gemacht hat. Ein gutes Gedächtnis war und ist stets eine Bedrohung, manchmal sogar eine tödliche Gefahr. Das Vergessen wird belohnt. Es soll sogar glücklich machen. Das Erinnern eher nicht. Wir werden darüber sprechen.
 

Das Buch ist als Taschenbuch erhältlich. 
 


Dozentin:          Dr. Marlis Thiel

Termine:           10 x mittwochs,  13.05. – 08.07.2026

Zeit:                   14:00 (s.t.) bis 15:30 Uhr

Veranstaltungsart:  in Präsenz (Akademie, Raum B 0660)

Hinweise:         Teilnehmerbegrenzung: 40 Personen

Entgelt als einzelne Buchung: 115,- Euro (wenn Sie diese Veranstaltung als einzige im gesamten Sommersemester 2026 belegen)

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