(AKAD40) Zur Ethik im Renaissancehumanismus
Der Renaissancehumanismus gehört zu den vieldiskutierten Phänomenen der europäischen Kulturgeschichte. Der von Jacob Burckhardt gepriesene Renaissance-Individualismus wurde von anderen als Übertreibung kritisiert, während die neuere Forschung zeigt, dass die Renaissance-Humanisten in einer Zeit, in der Krieg, Krisen und Nöte nicht unbekannt waren, die positive Vision eines aktiven, an Kosmos, Welt und Mitmenschen interessierten, kulturell neugierigen und kommunikativen Menschen verfolgten.
Der Renaissancehumanismus verdankt sich einem Entwicklungsprozess, der sich über lange Zeiträume erstreckte und eine große Zahl von individuellen Protagonisten aus den verschiedensten Schichten und Lebensbereichen umfasste. In praktischer Hinsicht war er gekennzeichnet durch „ein Interesse an Erfahrung, am Sinn des Menschseins, an der Pädagogik und der Moralphilosophie“. (Paul Richard Blum) Dabei spielt einerseits die Kritik und Überwindung (bestimmter) mittelalterlicher Praktiken eine Rolle, andererseits reicht diese Diskussion schon bis ins Mittelalter selbst zurück.
Dieses Seminar untersucht das Selbstverständnis der Renaissance-Humanisten insbesondere mit Blick auf die Frage, wie sie ihre ethischen Anliegen definierten. Schon länger gab es eine Miseria-Literatur mit einer pessimistischen Sicht auf den Menschen und sein Elend. Diese griffen die Humanisten auf und kehrten die Perspektive um auf die Freiheiten und Möglichkeiten des Menschen. Viel zitiert und diskutiert ist das Ideal menschlicher Würde, das in diesen Werken beschrieben wird. Doch richteten sie ihre Aufmerksamkeit ebenso auf die konkreten Tugenden des menschlichen Lebens und auf Fragen der Lebensbewältigung.
Die Humanisten haben sich, wie etwa Paul Oskar Kristeller betont, über einen klar umrissenen Fächerkanon definiert, die studia humanitatis (Geisteswissenschaften), die auf dem Studium der antiken griechischen und lateinischen Autoren basierten. Aber sie strebten nicht eine trockene und spröde Philologie an, sondern hatten dabei oft ein hehres ethisches Ziel vor Augen: das menschliche Leben zu verbessern, es kultur- und damit glücksfähig zu machen.
Eine Textsammlung steht zu Beginn des Seminars zur Verfügung.
Dozent: Björn Haferkamp
Termine: 5 x donnerstags, 15.10., 29.10., 19.11., 10.12.2026, 14.01.2027
Zeit: 16:15 (s.t.) - 17:45 Uhr
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Zentralbereich, Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz
Entgelt als einzelne Buchung: 55,- Euro (wenn Sie diese Veranstaltung als einzige im gesamten Wintersemester 2026/27 belegen)
Kontakt
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