(AKAD41) Die Kunst der Frührenaissance
Protorenaissance
Die drei Veranstaltungen des Wintersemesters 26/27 haben die Frührenaissance zum Inhalt, beginnend mit dem hier vorgestellten Thema der Protorenaissance. Die folgenden Vorträge haben das Hauptwerk des Giotto di Bondone (1266/67 oder 1276 – 1337), die Fresken in der Capella di Scrovegni (Arena-Kapelle), sowie das Werk des Architekten, Bildhauers und Baumeisters Filippo Brunelleschi (1377-1446) zum Inhalt.
Der Begriff der Protorenaissance bezeichnet einen Zeitraum zwischen etwa 1250 und 1400, in der sich die bildende Kunst schrittweise aus der Vorherrschaft byzantinischer Vorbilder löste. Als neue Vorbilder dienten die Werke der Antike. Dies führte bei Giorgio Vasari in seinem Werk „vitae“ zur Einführung des Begriffs Renaissance („renascita“).
Die Wurzeln dieser emanzipatorischen Bestrebungen sind sicherlich in einem grundlegenden Wandel religiöser Vorstellungen zu suchen. Exemplarisch ist hier das Nichteintreten der Vorhersagen der Offenbarung des Johannes anzuführen, die ein baldiges Weltende vorhersagten. Das Leben auf der Erde wurde nicht mehr nur als Zwischenstation begriffen, es wurde zum zentralen Geschehen, das zu untersuchen und auch veränderbar war.
Erste Ansätze des Humanismus sowie einer empirischen Naturforschung entwickelten sich. Der von Gott geschaffenen kosmischen Ordnung wird eine an der menschlichen Erfahrung orientierte gegenübergestellt. Die Malerei löste sich von den byzantinischen Vorbildern und entwickelte eine neue Bildsprache.
Wichtige Merkmale dieser Innovation sind
- die Gestaltung eines Bildraumes
- eine genaue Naturbeobachtung und deren Umsetzung in realistische Wiedergaben
- Wandel der Menschendarstellung vom „Träger einer Idee“ zum Individuum.
Zentrale Orte dieses Wandels sind die mittelitalienischen Städte Florenz, Siena, Pisa und Padua. Als Künstler seien hier genannt Giotto di Bondone, Cimabue (Malerei) und Vater und Sohn Pisano (Bildhauerei).
Giotto di Bondone und die Fresken der Capella di Scrovegni
„Giotto verwandelte die Kunst des Malens vom Griechischen ins Lateinische und führte sie zur modernen Kunst.“
Cennino Cennini (etwa 1360-1427) ist der Urheber dieses berühmten Ausspruches aus seinem Lehrbuch „Il Libro dell Arte“. Sicherlich ist der Singularitätsanspruch skeptisch zu sehen, richtig ist jedoch, dass Giotto der herausragende Vertreter des sich entwickelnden „stilo nuovo“ ist. Nirgendwo wird dies so deutlich, wie in den von ihm geschaffenen Fresken in der Capella die Scrovegni in Padua. Diese Kapelle ist auch unter dem Namen Arena-Kapelle bekannt, da sie auf dem Gelände einer antiken Arena gebaut wurde. Giotto gibt den Figuren erstmals einen Raum, in dem sie agieren, und zeigt sie als Individuen. Von den Zeitgenossen wird zudem seine realitätsnahe Darstellung der Umwelt hervorgehoben.
In den Jahren 1303 bis etwa 1306 entstand ein Zyklus aus mehr als 50 einzelnen Fresken, die an den Seitenfassaden (Nord/Süd) Geschehen aus dem Leben der Jungfrau Maria sowie ihrer Eltern Joachim und Anna und aus Leben und Leiden Christi zeigen. Die gesamte Westseite wird von einer großformatigen Darstellung des Jüngsten Gerichts bedeckt. Die Werke im östlichen Chor sind weitgehend zerstört.
Ein blauer, besternter Himmel bedeckt die Raumdecke, Ornamente begrenzen die einzelnen Fresken und auf Bodenhöhe sind an den Seitenwänden Laster und Tugenden in Form von Grisaillen gegenübergestellt.
Den Namen hat die kleine Kirche von Ihren Stiftern, der in Padua ansässigen Bankiersfamilie Scrovegni erhalten Die Entstehungsgeschichte hat romanhafte Züge und es lassen sich Anklänge dazu in einigen Details der Darstellung des Jüngsten Gerichts wiederfinden, in der auch ein Porträt des Stifters, Enrico Scrovegni, zu sehen ist.
Die Fresken wurden in den Jahren 2001 und 2002 aufwändig restauriert, der Innenraum besitzt ein eigenes Raumklima. Die Kapelle befindet sich in großer Nähe zum heutigen Stadtzentrum und kann ganzjährig besucht werden. Eine Voranmeldung ist sinnvoll.
Filippo Brunelleschi
Rund 50 Jahre fehlte der mächtigen Kathedrale Santa Maria del Fiore in Florenz eine Kuppel zur Vollendung. Die Stadt drohte wegen der Hybris der Domerbauer zum Gespött der italienischen Stadtrepubliken zu werden. Man entschloss sich dem noch weitgehend unbekannten Baumeister Filippo Brunelleschi (1377-1446) den Auftrag zu erteilen. Mit Hilfe einiger technischer Neuerungen (freitragendes Holzgerüst, Seilwinde mit Umlenkgetriebe) gelang ihm der Bau in der Zeit 1420 bis 1436. Die nach seinen Plänen gefertigte Laterne wurde erst 1471 angebracht. Neben dem Pantheon in Rom und der Hagia Sophia in Byzanz hatte der Vierungsturm des Florentiner Doms eine der größten freitragenden Kuppeln.
Die Realisierung der Kuppel sowie weitere Bauten wie das Findelhaus in Florenz machen Brunelleschi zu einem Begründer der Renaissancearchitektur.
Zur Beschreibung der wichtigsten Merkmale einer Renaissancearchitekturwerden neben den Arbeiten Brunelleschis auch Beispiele von Leon Battista Alberti (1404-1472), Donato Bramante (1444-1514) und weiteren gezeigt. Dem letzten bedeutende Renaissance-Architekten, Andrea Palladio (1508-1580), ist eine eigene Veranstaltung (Vortrag Frühjahr 2027) gewidmet.
Die auf lange Sicht einflussreichste Leistung Brunelleschis war jedoch die Entwicklung der mathematischen Grundlagen zur linearen Perspektive (Fluchtpunktperspektive mit Längenkürzungen). Sie bildete bis ins 19. Jahrhundert eine wesentliche Grundlage zum Aufbau, zur Komposition sowie zur Analyse von Raumdarstellungen auf zweidimensionalen Bildträgern.
Die Kathedrale Santa Maria del Fiore befindet sich im alten Stadtzentrum nahe dem Palazzo Vecchio mit der Statue des David. Die Kuppel ist noch immer eines der höchsten Bauwerke der Stadt und von weithin sichtbar. Zu Spitzenzeiten ist die Warteschlange der Besucher länger als das Hauptschiff der Kathedrale.
Dozent: Manfred Janssen
Termin: 3 x montags, 02.11. + 09.11. + 16.11.2026
Zeit: 16:00 (s.t.) - 17:30 Uhr
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Zentralbereich, Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz
Entgelt als einzelne Buchung: 45,- Euro (wenn Sie diese Veranstaltung als einzige im gesamten Wintersemester 2026/27 belegen)
Kontakt
Wir sind für Sie da:
Nicole Lehmkuhl
Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik
Büro:
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