(AKAD42) Das Neue Rathaus in Bremen oder wie kommt der Sündenfall über das Rathausportal?

Franz Schütte, der reichste Bremer, drängt Anno 1891 den Senat dazu, sich endlich ein neues Stadthaus zu leisten, da das Alte allgemein als „Grauer Kasten“ oder „scheußliches Ding“ angesehen wurde. Und da er dem Senat nicht nur einen vom Dombaumeister Max Salzmann angefertigten architektonischen Entwurf mitliefert, sondern den „hochweisen Rat“ auch noch einen Plan zur Finanzierung eines Neubaus vorlegt, willigt der Rat schließlich ein. Und auch die Bürgerschaft gibt ihr Okay, obwohl dort zuvor eine Minderheit von Querulanten, das Projekt mit klassenkämpferischen Tönen zu verhindern sucht. 

Da das Projekt reichweit ausgeschrieben wird, trudeln 105 Entwürfe ein. Der angesehene Münchener Architekt Gabriel von Seidel, der in der Jury sitzt, sorgt aber dafür, dass alle 105 im Papierkorb landen. 

Nach einer kurzen Schamfrist wird erneut ausgeschrieben und Gabriel von Seidel bekommt den Zuschlag, denn nun sitzt er nicht mehr in der Jury, sondern liefert selbst einen Entwurf ab. Einen Shitstorm gab es damals wegen der Mauschelei nicht, denn von Seidel steuerte in der Tat den besten Entwurf bei.

Getuschel gab es jedoch, als von Seidel bei Arbeiten am Äußeren des Stadthauses die Worpsweder Künstler total überging und stattdessen bayrische Kumpels heranzog. So war der Münchner Spezi Julius Seidler für die zahlreichen Reliefs zuständig, mit der das Rathaus außen geschmückt wurde.  

Ob es daran lag, dass die Bremer Zeitungen in ihren ausführlichen Berichten über die Einweihung des Stadthauses am16. Januar 1913, das man von da an "Neues Rathaus" nannte, den kunstvollen Sandsteinschmuck an der Backsteinfassade kaum erwähnten. 

Das holte Wilhelm Tacke dann zum 100-jährigen Jubiläum des Neuen Rathauses in seinem Buch: „Das Neue Rathaus in Bremen: Wie kommt der Sündenfall über das Portal?“ ausführlich nach, indem er den biblisch-mythischen Mix als in Stein gehauenes Regierungsprogramm entschlüsselte.  

Er übersah dabei auch nicht, dass man den Bürgern beim Eintritt ins Rathaus seit damals eine Fake News zumutet, wird dort doch über dem Hauptportal mit römischen Ziffern behauptet, das Rathaus sei 1910 errichtet worden. Man war wohl zu abergläubisch, um dort 1913 einmeißeln zu lassen. Befürchtete man, es könne Unglück bringen, wenn man das Rathaus betrat? Und ob der Sündenfall deshalb über dem Portal eingemeißelt wurde, um den Bürgermeister davon abzuhalten, sich nicht wie Eva und Adam in Versuchungen führen zu lassen, kann man lediglich vermuten.

Dass das Rathaus trotzdem bei den Bremern ankam, kann man daran ablesen, dass Bremer Familien darum wetteiferten, das Innere des Rathauses gut auszuschmücken.
 


Dozent:         Wilhelm Tacke

Termin:        Mittwoch,   08.04.2026

Zeit:               16:00 (s.t.) bis 17:30 Uhr

Veranstaltungsart:   hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:                    Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

Entgelt als einzelne Buchung:  20,- Euro (wenn Sie diese Veranstaltung als einzige im gesamten Sommersemester 2026 belegen)

Kontakt

Wir sind für Sie da:

Nicole Lehmkuhl
Maike Truschinski
Jaroslaw Wasik

Büro:
Zentralbereich / Raum B0670
Bibliothekstraße 2A

Sprechzeiten:
Mo - Fr 10:00 - 12:00 Uhr

Telefon: 0421- 218 61 616
Telefax: 0421 - 218 98 61 616
eMail: seniorenprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de

Sie möchten sich anmelden?

[Zur Online-Anmeldung]