(AKAD45) Südschweden und die Ostseeinseln: Landschaften, Natur und Geologie

Die vielfältigen Landschaften Südschwedens erstrecken sich von der „Kornkammer Skane“ im Süden über Smaland bis Ostergötland. Morphologisch erhebt sich der südschwedische Dom mit bis zu 377m Höhe zwischen gewellten Ebenen und felsigen Höhenrücken mit vielarmigen Seen und Flüssen. Entgegen der landläufigen Meinung, dass die heutige Landschaftsprägung einzig auf die pleistozänen Vereisungen zurückzuführen ist, lassen sich für Südschweden mehrere „Frühphasen“ kontinentaler Einebnung innerhalb der letzten 600 Millionen Jahre belegen, die mit den Eiszeiten, beginnend vor 2,6 Millionen Jahren, erst ihren letzten Schliff erhielten. Öland und Gotland liegen am Westrand der geologisch jungen Ostsee (ca. 5600 Jahre) - jedes ein El Dorado für Naturliebhaber und Fossiliensammler. Hier finden sich kambro-ordovizische bzw. silurische Gesteine, die einst auch Südschweden bedeckten.

Öland hat eine tafelförmige, nahezu ebene Oberfläche. Ihre Entstehung geht sowohl auf den Untergrund (in Form einer riesigen Kalksteinplatte), als auch auf eiszeitliche Prozesse („Gletscherhobel“) zurück. Die grau-rötlich-grünlichen Kalksteine treten in den baumlosen Alvar-Gebieten zu Tage, wo auf kargen, felsigen Böden einzigartige Pflanzen, mit endemischen Formen anutreffen sind. Oft finden sich auf freigelegtem Gesteinsuntergrund Ansammlungen von langgestreckten, mehrere 10er Zentimeter bis Meter langen Orthoceren. Diese Cephalopoden besiedelten zusammen mit Trilobiten und Muscheln die ordovizischen Flachmeere (485-444 Millionen Jahre). In der „Stora Alvaret“ Südölands trifft man die größten Alvarflächen an - kleinere dieser differenzierten Biotope finden sich im Nordteil der Insel, bzw. auch auf Gotland. Hier besteht der Untergrund ebenfalls aus horizontal geschichteten Kalksteinen, die jedoch silurisches Alter haben (444 – 418 Millionen Jahre). Zu dieser Zeit entwickelten sich auf ausgedehnten Karbonatplattformen Riffe mit Kalkschwämmen, Brachiopoden und vereinzelten Korallen. Die hellen Kalksteine und ihre Fossilien finden sich auch in vielen Bauwerken, wie in der nahezu komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer von Visby und seiner zahlreiche romanischen Kirchenruinen. 

Die steilen Westküsten beider Inseln sind zwei Klifflinien („Klint“) zuzuordnen, die sich über den Meeresboden der Ostsee bis ins Baltikum erstrecken. Über die Entstehung dieser morphologisch markanten Klinte wird im Detail noch geforscht. Sie werden mit den Uferlinien eines oligozänen (33-23 Millionen Jahre) Flußsystems in Verbindung gebracht, dass sich vom nördlichen Finnland bis Dänemark, bzw. bis in die Nordsee erstreckte. 

In drei Vortragsblöcken werden die Hauptphasen der Landschaftsentwicklung Südschwedens und der beiden Ostseeinseln aufgezeigt. Neben der vielfältigen Natur und Geologie werden auch kulturelle und archäologische Bezüge in Verbindung mit der Besiedlungsgeschichte behandelt.

 

Die Vorträge dienen auch als einstimmende Vorbereitung für eine vom 28. Mai bis 07. Juni 2027 geplante Studienreise nach Südschweden und Öland.

Weitere Details dazu finden Sie auf:

 

www.uni-bremen.de/studienreisen
 


Dozent:                   Prof. Dr. Jochen Kuss

Termin:             3 x freitags, 08.01. + 15.01. + 22.01.2027

Zeit:                 10:00 (s.t.) bis 11:30 Uhr

Veranstaltungsart:      hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme

Hinweis:         Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz

Entgelt als einzelne Buchung: 45,-Euro (wenn Sie diese Veranstaltung als einzige im gesamten Wintersemester 2026/27 belegen)

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