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(F) Kino Seminar - Zurück ins Mittelalter

Johannes Hadlaub: Manessische Liederhandschrift

„Geschichte ist der einzige Ort, der noch exotische Qualitäten hat.“
(Enzensberger, Ausland, 2008)

Wer hat sich nicht schon einmal weit weg in eine andere Welt geträumt?  Gerade heute, wo der Blick auf die Zukunft eher unbehagliche Gefühle hervorruft, lockt vielleicht das Mittelalter. Oder das, was wir dafürhalten.  Oder, um genau zu sein, das, was man uns dafürhalten lässt.

Humanisten erfanden dieses „mittlere Zeitalter“, um sich von einer dunklen Zeit, die sie auf grob tausend Jahre (500 – 1500) schätzten, lichtvoll mit direktem Rückbezug auf die Antike abzusetzen. Doch schon bald entdeckten Dichter und Gelehrte diese Zeit der Ritter und Helden als die ihrer ruhmvollen Ahnen und nutzten gefundene und erdichtete Quellen zum Beleg der eigenen dynastischen oder auch nationalen Geschichte. Die Franzosen bekamen ihre Jeanne d’Arc, die Briten ihren Artus und die Deutschen ihre Nibelungen.

Im 18. Jahrhundert fanden gebildete Damen und Herren ihre eigene Empfindsamkeit wunderbar abgebildet in den Texten der höfischen Epen und Lieder und erfanden das romantische Mittelalter, das im 19. Jahrhundert, der Zeit der schnellen Industrialisierung, zu einer neuen Leidenschaft wurde. „Gotik“ wurde ein Stil für Villen und Regierungsbauten wie auch für eiserne Brücken oder Bahnhöfe. Hunderte von Kirchen wurden neugotisch erneuert.

Die Konstruktion von nationalen Ursprungsgeschichten hörte auch im 20. Jahrhundert nicht auf. Gerade in faschistischer Propaganda spielten völkische Versionen eine perfide Rolle.
 
In der Veranstaltung werden wir uns mit der heutigen Populärkultur
beschäftigen, in der das Mittelalter eine vielfältige Rolle spielt, nicht nur in den Unterhaltungsmedien, sondern auch im Tourismus und auf dem Markt. Auch heute geht es nicht nur um historische Wahrheit, sondern um Inszenierung einer anderen Welt zur
Befriedigung von Wünschen und Bedürfnissen unserer Zeit.

Seit Beginn des 20.Jahrhunderts wurde der Film zum größten Erzeuger von Mittelalterbildern mit großer Suggestivkraft. Welche Botschaften werden vermittelt?
Das wollen wir an unterschiedlichen Film - Beispielen untersuchen. In neueren Filmen wird Mittelalter oft mit riesigem Aufwand gestaltet. Ob als klassisches Historienkino, ob im modernen Action-Look, ob als Fantasy, es wird ein überwältigender Eindruck erzeugt.

Lassen Sie sich überraschen. Nach Betrachtung des jeweiligen Films - leider nicht in voller Länge aber mit zusammenfassender Ergänzung - haben wir Zeit zur Analyse und Diskussion.

„Es hat eben jeder seine eigene (meist verdorbene) Idee vom Mittelalter“
(Umberto Eco, Nachschrift zu Der Name der Rose, 1987)

 


  • Dozentin: OStR Ingrid Davids
  • Termine: 4 x montags 02.03., 09.03., 16.03., 23.03.2020
  • Zeit: 10:00 (s.t.) bis 14:00 Uhr (mit ½ Stunde Pause)
    10:00 - 11:00 Einführung,
    11:15 - 12:30 Film,
    13:00 - 14:00 Nachbesprechung
  • Ort: Gebäude GW2, Raum B1410
  • Hinweis: Teilnehmerbegrenzung = 60 Personen
  • Entgelt: 49.- Euro

     

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