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(G) „Ohne Angst verschieden sein…“ - Filmische Annäherungen an moderne Lebenswirklichkeiten

Ungleich

„Den besseren Zustand aber denken als den,
in dem man ohne Angst verschieden sein kann“,
(Theodor W. Adorno, Minima Moralia, 1951)

Mehr denn je zeichnen sich moderne Gegenwartsgesellschaften durch Vielfalt, Heterogenität und wachsende Mobilität sowie durch das stets präsente Wechselverhältnis von Integration und Ausgrenzung, von Anpassung und Konflikt aus. Dies ist nicht zuletzt den Globalisierungsdynamiken geschuldet: der Entgrenzung und Vernetzung von Kapital, Arbeit und Finanzen. Zwar gehört die Wahrnehmung und Erfahrung des Anderen, Unbekannten … längst zu unserem Alltag, und doch stehen auf der Agenda des Zusammenhalts in Gesellschaften und Nationen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus… In einer unübersichtlichen Welt riskiert alles Nicht-integrierte, Fremde als Gefahrenpotential wahrgenommen, abgewertet, abgewehrt zu werden…Zu einer weltoffenen Gesellschaft jedoch gehöre - nach allgemeinem Menschenrechtsverständnis - ein ziviler Umgang mit Vielfalt und Diversität sowie eine bewährte Gratwanderung zwischen individueller Freiheit und Gemeinwohlinteressen. Die Forderung „Ohne Angst verschieden sein zu können“ benennt demzufolge die wesentliche Voraussetzung eines freiheitlich-friedlichen Miteinanders.
Der Einsatz von Filmen mit gesellschaftskritischem Anspruch veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise, mit welchen Anforderungen und Zumutungen, Ängsten und Versagungen, Träumen und Hoffnungen Menschen konfrontiert sind, die sich auf den Weg gemacht haben, in anderen Gesellschaften anzukommen, zu bleiben oder auch sich ihnen zu entziehen oder gar zu gehen. Sie zeigen aber auch, mit welchen Herausforderungen und Zumutungen nicht nur „Außenseiter“, sondern auch „Etablierte“ (Norbert Elias) zu kämpfen haben, um Annäherungsprozesse und eine wechselseitige Verständigung bewerkstelligen zu können.

In diesem Kontext steht die filmische Dokumentation, die versucht, reale Protagonisten authentisch zu Wort kommen zu lassen, ohne dabei auf filmische Inszenierungen zu verzichten. Interessant ist die Konfrontation alltäglicher Lebenssituationen in der Großstadt wie auch in der Provinz.
Ein neueres Filmgenre, die Animation eines Graphic Novel, spricht insbesondere ein junges Publikum an. Es ermöglicht auf emotionaler Ebene Anteilnahme, aber eben auch eine distanzierte Haltung. Die Spannung resultiert aus dieser Diskrepanz.

Die Filmkomödie als ein weiteres filmisches Element bringt wiederum auf humorvolle Weise wechselseitige Vorurteile, Stereotypen und Klischeevorstellungen zur Sprache. Pointiert, überspitzt und damit für die Zuschauer nachvollziehbar, werden alltägliche Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus… der Lächerlichkeit preisgegeben, um damit (selbst-) kritische Denkhandlungen zu befördern.
Zu fragen wäre, ob die Bewältigung der im Medium Film gezeigten Ab-, Ausgrenzungs- und Abwertungsstrategien und -politiken in globalisierten Gesellschaften nicht am ehesten im Mikrokosmos von Nähe-Verhältnissen wie Peer-Groups, Familie… gelingen könnte.

Die Vortragsreihe wird sich u.a. mit Fragen nach Zugehörigkeit(en) und (kulturellen) Identität(en) beschäftigen sowie die wechselseitigen Vorurteilsstrukturen und klischeehaften Vorstellungen von dem/den Anderen in den Blick nehmen. Dabei werden Filme unterschiedlicher Genres zentrale Aspekte veranschaulichen, die in weitergehenden Diskussionen vertieft werden.

 


  • Dozentin: Dr. Ursula Dreyer
  • Termine: 3 x dienstags: 18.02., 25.02. und 03.03.2020
  • Zeit: 13:30 (s.t.) bis 17:00 (s.t.) Uhr mit ½ Std. Kaffeepause
  • Ort: Gebäude GEO, Raum 1550 (GEO-Hörsaal)
  • Hinweis: Teilnehmerbegrenzung = 140 Personen
  • Entgelt: 39.- Euro

     

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