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(T) Nachdenken über den Dichter und Menschen Friedrich Hölderlin

Der Mensch und Dichter lädt zum Nachdenken ein. Er, der heute als einer der größten deutschen Dichter angesehen wird, rang zu Lebzeiten um Anerkennung und der Möglichkeit, sein Dasein als Dichter zu gestalten. Seine Mutter ließ ihn mit 35 Jahren in die Autenriethsche Klinik in Tübingen zwangseinweisen, wo er nach 231 Tagen als unheilbar entlassen wurde. Er wurde dem Schreinermeister Zimmer in Obhut gegeben, wo er dann 35 Jahre „in geistiger Umnachtung“ verbrachte. Dort entstand eine gänzlich andere Dichtung, die „Dichtung im Turm“.

Im Seminar werden verschiedene neuere und ältere Biographien vorgestellt, daneben werden die Biographie Hegels und die Briefe von Caroline Schlegel-Schelling für die Betrachtung herangezogen. Sie lassen nachdenklich werden, wenn man Hölderlins Weg in den Wahn nachvollzieht.

Uwe Gonther und Jann E. Schlimme haben ein außerordentlich detailreiches Buch zum Thema „Hölderlin und die Psychiatrie“ geschrieben (2010). Auch dieses Werk wird vorgestellt. Hier werden keine vorschnellen Schlüsse aus der Sicht der Psychiatrie gezogen, sondern in großer Sorgfalt abgearbeitet. 

Carl Heinz Ott hat (2020) ein lustvoll zu lesendes Buch zu Hölderlin verfasst, in welchem auch die differenzierten Deutungen von Hölderlins Werk durch die Wissenschaft mal ironisch, mal distanziert die Köpfe der Leser in Bewegung versetzen.

"In Hölderlin erblickt man sich selbst, in seinem Leiden an den Verhältnissen, in seiner Klage über die beschissenen Zustände. Nicht Hölderlin war krank, ganz im Gegenteil, die Gesellschaft war krank, sie hat ihn zerstört."
Karl-Heinz Ott, Hölderlins Geister

Der Kulturwissenschaftler Thomas Knubben hat Hölderlins Fußreise nach Bordeaux nachvollzogen und ein Buch darüber geschrieben. Dieses Buch wird von der Hölderlin-Gesellschaft ausdrücklich empfohlen und wird den Inhalt einer Sitzung ausmachen.

Ich selbst werfe noch einen Blick auf die Mutter Hölderlins, die mit aller Macht verhindert hat, dass dieser Mann, der als sehr reicher Mann starb, (er konnte aber nie über sein Geld verfügen!) seiner Passion, dem Dichten, ohne Not nachgehen konnte. Dieser Aspekt kommt nur am Rande in den Biographien vor, ich möchte ihn im Seminar beleuchten.

Literatur:

  • Pierre Bertaux, Friedrich Hölderlin, Frankfurt a.M. 1981
  • Uwe Gonther/ Jann E. Schlimme, Hölderlin und die Psychiatrie, Bonn 2010
  • Thomas Knubben, Hölderlin. Eine Winterreise. 2020 
  • Gebhard Krämer/Hartmut Prottung, Friedrich Hölderlin, Salzburg 1981
  • Johann Kreuzer (Hrsg.) Hölderlin Handbuch. Leben-Werk-Wirkung, Stuttgart 2011
  • Karl-Heinz Ott, Hölderlins Geister, München 2019
  • Helm Stierlin, Nietzsche, Hölderlin und das Verrückte. Systemische Exkurse, Heidelberg 1992
  • Klaus Vieweg, Hegel. Der Philosoph der Freiheit, München 2019
  • Erich Witschke, Hegel, Hölderlin, Schelling. Roman einer Männerfreundschaft, Tübingen 2019.

Dozentin: Dr. Monika Thiele

Termine: 6 x dienstags

02.03. + 09.03 + 16.03. + 23.03. + 30.03. + 06.04.2021

Zeit: 12:00 (s.t.) bis 13:30 Uhr

Entgelt: 36.- Euro

Veranstaltungsart: Online-Seminar
 

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