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(Y) Geologie Südenglands – eine Zeitreise mit Karten, Skizzen und Bildern

Der geologische Aufbau Südenglands erschließt sich an Küstenabbrüchen durch spektakuläre Gesteinsaufschlüsse, die auch dem ungeübten Auge sehr gute Einblicke in die Gesteinszusammensetzung und den Aufbau der obersten Kruste vermitteln. Ergänzt durch Daten von Bohrungen und der Oberflächenmorphologie können so räumliche Bilder gezeichnet werden, die die Entwicklungsgeschichte der über 300 Millionen Jahren gewachsenen Landschaften beschreiben. Die heute allseits von Meeren umgebene Insel weist zahlreiche geologische Verbindungen mit ihren europäischen Nachbarn auf. Daneben hat England auch viele Geo-Bezüge zum Nordamerikanischen Kontinent aufzuweisen.

Teil 1: Geologische Impressionen entlang der Küste Südenglands

Ab den Kreidefelsen von Dover werden entlang der Küste nach Westen hin sukzessive ältere Gesteine angetroffen. Bei Swanage beginnt die Jurassic Coast - ein 150km langer Küstenstreifen der zum UNESCO Weltnaturerbe („ein Gebiet von außerordentlicher natürlicher Schönheit“) gehört und eine mächtige Abfolge aus Sand- und Kalkgesteinen der Unterkreide, des Jura und der Trias aufschließt. Hier gibt es außergewöhnliche Einblicke in vergangene Lebewelten eines 185 Millionen Jahre umfassenden Abschnittes der Erdgeschichte. Auf der Isle of Purbeck steht eine bunt gemischte Abfolge aus Kalksteinen des Oberjura-Unterkreide (Purbeck) an, die nach Westen von Jura-Kalksteinen des Portlands unterlagert wird. Die Namen beider Regionen wurden auch als Synonyme für erdgeschichliche Epochen bekannt; die Portlandkalke fanden zudem als wichtigste Bausteine der viktorianischen Epoche in London und anderen Städten weite Verbreitung.

Weiter westlich geht es mit sandigen Kalken des Mitteljura und tiefmarinen schwarzen Tonsteinen des Unterjura (Lias) in stratigraphisch immer ältere Abfolgen. Die Strände von Lyme Regis sind durch den Fossilreichtum dieser Schichten bekannt, aber auch durch Mary Anning, die hier Anfang des 19. Jahrhunderts, unter entbehrungsreichen Bedingungen, Fossilien sammelte und verkaufte, aber erst viel später berühmt wurde. Die westlich folgenden roten Sandsteine der Trias und des Perms markieren einen markanten Farbwechsel der Gesteine, die breite Küstenabschnitte bei Sidmouth einnehmen.

Noch weiter westlich reihen sich ältere Ablagerungen des Varistikums, mit tropischen Kalksteinen des Devons bei Torquay, an. Die landeinwärts gelegenen Granite und Tors des Dartmoor gehören zu den sog. Cornwall-Graniten, die zusammen mit steil verfalteten Sandstein-Tonstein-Wechsellagen des Unterkarbon die Küstenlandschaft bis Westend prägen.

Die Einblicke in die vielfältige Erdgeschichte Südenglands sind mit einer außerordentlich reizvollen Landschaft verknüpft. Neben tropischen Gärten, Burgen und mittelalterlichen Städten, kennzeichnen kleine Buchten, eindrucksvolle Strände und zahlreiche Aussichts-punkte die wechselvollen Küstenformen von Devon und Cornwall. Die allseits sichtbare Bewahrung alter Traditionen, Häuser und Denkmäler, die oft bis in das frühe Mittelalter reichen, verstärkt die positiven Eindrücke dieser vielfältigen Szenerie.

Teil 2: Erdgeschichtliche und plattentektonische Aspekte Südenglands

In groben Zeitschnitten werden die paläozoischen (Erdaltertum) Gebirgsbildungen der Kaledoniden und der Varisziden Nordeuropas und Nordamerikas mit ihren Verbindungen zum Grundgebirge Englands behandelt. Viele paläozoische Stufen und Perioden des Ordoviz, Silur, Devon und Karbon wurden erstmals in England detailliert beschrieben und nach ihren lokalen Erstvorkommen benannt. So sind Ashgill, Llandeilo Beispiele für geologische Alterstufen des Silurs, die nach englischen bzw. walisischen Ortschaften benannt wurden und bis heute Gültigkeit haben. Typische paläozoische Gesteine wie Diabase, Granite, Grauwacken, Kalksteine und Sandsteine erlauben sehr gute Vergleiche mit zeitäquivalenten nordeuropäischen Vorkommen und ergeben erst so ein Gesamtbild. Zudem haben die reichen Rohstoffvorkommen dieser Abfolgen (Erze, Steinkohlen) in der Vergangenheit zum wirtschaftlichen Wohlstand Englands beigetragen.

Das Erdmittelalter (Mesozoikum) ist durch oftmals fossilreiche Kalksteine (z.B. Kreidekalke), Sandsteine und Tonsteine charakterisiert, wieder mit engen Bezügen zu gleichalten Lithologien und Fossilien der festländischen Nachbarn. Diese Gesteine sind auch zum Teil mit den aus der Nordsee erbohrten Lithologien vergleichbar, die durch reiche Erdöl- und Erdgasfunde bekannt wurden. Gleiches gilt auch für die känozoischen (Neuzeit) Gesteine. 
Die Erdgeschichte Südenglands ist durch einzigartig herausmodellierte Felsformationen dokumentiert, die über Abbildungen in zahlreichen Lehrbüchern weltweit bekannt wurden. Viele der hier vorkommenden Gesteine findet man in historischen Gebäuden, Burgen, Schlössern, Brücken und Denkmälern wieder. Sie stehen für das Traditionsbewußtsein unserer englischen Nachbarn und damit auch für ein klares Bekenntnis zur (geologischen) Geschichte des Landes.


Dozent: Prof. Dr. Jochen Kuss

Termine:    

  • Mittwoch, 07.04.2021    (Teil 1)
  • Freitag, 09.04.2021    (Teil 2)

Zeit: 10:00 (s.t.) bis 11:30 Uhr

Entgelt: 20.- Euro

Veranstaltungsart: Online-Seminar
 

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