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(F) Orient und Okzident? Persische Kalligraphie auf Keramik unter dem Einfluss lyrisch-philosophischer Texte

Persische Kalligraphie auf Keramik.
Persische Kalligraphie auf Keramik.

Wenn wir von Orient und Okzident sprechen, geht es um einen kontinuierlichen Dialog zwischen Menschen und Kulturen. Es geht nicht um spezifische Personen, Epochen oder Zeiten, obwohl namhafte Lyriker und Philosophen wie Hafez, Goethe und andere z. B. Rumi dies maßgeblich beeinflusst haben.

Der persischer Dichter und Philosoph Ḫwāǧe Šams ad-Dīn Moḥammad Ḥāfeẓ-e Šīrāzī (* um 1315 in Schiras, Iran; † ebd. um 1390) erhielt den Beinamen Hafez (Bewahrer), weil er schon als Kind den Koran auswendig kannte. Diesen Beinamen gebrauchte er generell als Dichternamen und Signatur am Schluss seiner Gedichte - sog. Ghaselen - die er zur Blüte brachte und die bis heute wegen ihrer außerordentlichen inhaltlichen und sprachlichen Schönheit bewundert werden. Über hundert wurden nach seinem Tod als Diwan versammelt. Von diesen gibt es weltweit über 1000 Handschriften, er ist in alle großen Weltsprachen übersetzt.

Bis heute wird Hafez in Iran als einer der größten Dichter verehrt; seine Verse werden auswendig gelernt und rezitiert. Sein Diwan wird auch als Buchorakel genutzt, um sich Ratschläge für das tägliche Leben zu holen.

Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar) entdeckte mit 65 Jahren  den persischen Dichter Hafez. Er las dessen erst kurz zuvor, 1812, von dem Österreicher Joseph von Hammer- Purgstall im ganzen ins deutsche übersetzten Diwan und war tief beeindruckt.  Über zeitliche, geographische, religiöse und kulturelle Grenzen hinweg empfand er eine innige Geistesverwandtschaft mit dem persischen Poeten des 14. Jhd., bezeichnete Hafez gar als seinen Zwilling, und lies sich durch ihn zu seiner umfangreichen Gedichtsammlung „West-Östlicher Diwan“ inspirieren.

Stellvertretend für Hafez und Goethe stehen sich heute am Rande der Altstadt von Weimar, auf dem Beethovenplatz, am Rande des Ilmparks, zwei steinerne Stühle gegenüber - ein Denkmal, dass Kommunikation zwischen den Kulturen, kulturelle Toleranz und Völkerverständigung symbolisieren soll. Es wurde von der UNESCO gestiftet und anlässlich des Internationalen Jahres des Dialogs der Kulturen im Jahr 2000 eingeweiht.

(…………)
Wer sich selbst und andre kennt
wird auch hier erkennen,
Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen.      
J.W. v. Goethe

Die Texte, die für Kalligraphische Schriften auf Keramik gewählt wurden, sind Textauszüge von dieser Philosophen und Lyrikern, die auch in diesem historischen Dialog zwischen Orient und Okzident Einfluss genommen haben, bzw. vermitteln. Die Kraft und Tiefe ihrer Aussagen ermöglichen, dass man Raum und Zeit vergisst, um sich deren Deutung zu nähern.

Entscheidend ist deren Einfluss in unserer globalen Welt, in der es viele offene Fragen gibt. Wissen und Verständigung über Dialoge beschreiben den Weg entlang dessen diese Fragen mit der Zeit beantwortet werden könnten. Solche in diesem Geiste entstehenden Bilder sind hier die kalligraphischen Schriften auf Keramiktafeln. Zum Beginn der Dialoge wird ein Textauszug aus den Ghaselen von Hafez gewählt:

Komm, lass uns Rosen streuen
(regnen lassen),
den Wein in die Schale gießen,
das Dach des Himmels brechen
und Neues entwerfen.
(Hafez, * um 1315 - ✝ um 1390 in Schiras, Iran)
frei interpretiert; übersetzt  A.T.


Dozent:    Ahmad Tavakkoli

Termine:    4 x dienstags, jede zweite Woche 15.09., 29.09., 13.10., 27.10.2020

Zeit:        15:00 (s.t.) bis 16:30 Uhr

Entgelt:    32.- Euro

Veranstaltungsart:    Online-Seminarreihe

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