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(G) Umkämpfte Erinnerungen…Zum radikalen Umgang mit Denkmälern

Der leere Sockel der Statue von Edward Colston in Bristol.
Der leere Sockel der Statue von Edward Colston in Bristol.

Ausgelöst durch eine erstarkte #BlackLivesMatter-Bewegung wird nicht nur in den USA und Europa über ‚heroische‘ Denkmäler, symbolisch aufgeladene Gedenkstätten und Erinnerungsorte mit Blick auf die Geschichte von Unterdrückung und Ungerechtigkeiten, von Rassismus und Gewalt, von Kolonialismus und Imperialismus… kontrovers diskutiert, protestiert, und mehr noch: eingegriffen / selbst ‘Hand angelegt‘ und damit neue ‚Fakten‘ geschaffen. Doch, kann man geronnene Geschichte in Gegenständen des Alltags, in Sprache, Kunst und Politik ‚bereinigen‘, gar entsorgen, d.h. sich ihrer verhassten Implikationen entledigen, in dem man Denkmäler stürmt und stürzt, Symbole jagt und Kulturgüter in Worten und Taten demontiert? Dies scheint zu kurz gegriffen…

Denkmäler spielen als Ausdruck des Gedenkens, als Herrschaftszeichen oder als kollektives Symbol bürgerlicher und zivilgesellschaftlicher Werte seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle im Prozess der gesellschaftlichen Selbstverständigung, Indoktrination und öffentlichen Kommunikation. Sie sind - und bleiben - unverzichtbare Bestandteile spezifischer Erinnerungskulturen, des kollektiven Gedächtnisses moderner Gesellschaften. In Stein gemeißelt, mit eigener Formensprache, häufig monumental überformt, sollen sie (bestenfalls) sowohl die Vergangenheit nicht vergessen lassen, als auch für Gegenwart und Zukunft inspirierende und gestaltende Perspektiven bereithalten.

Doch was genau sollte erinnert, was dürfte nicht vergessen werden? Kollektives Erinnern und Erinnerung als ein historisch und kulturell variables Konstrukt birgt als Metapher für den verantwortungsvollen, selbstkritischen und aufklärerischen Umgang mit der eigenen Geschichte einen hohen Anspruch.

Um eine nachhaltige Wirkung zu entfalten, braucht es daher schon bildmächtige Aktionen – wie die gegenwärtigen Denkmalstürze, Proteste und Demonstrationen der Dekonstruktion in Sprache und Haltung. Mit ihrer machtvollen Symbolkraft sichern sie sich nicht nur die öffentliche Aufmerksamkeit, sondern provozieren eine breite öffentliche Debatte, die eine grundlegende Voraussetzung für jegliche Veränderungen, auch im Umgang mit der eigenen Geschichte darstellt. Was sollte mit umstrittenen Denkmälern geschehen? Sollten sie als „Stein des Anstoßes“ nicht einfach entfernt, sondern vielmehr in erinnerungspolitischen Kontexten als Deutungsnarrative kritisch hinterfragt, erklärt oder aber verfremdet und/oder ergänzt werden?

Die Vortragsreihe wird sich an ausgewählten Beispielen mit partizipativen Formen und künstlerischen Interventionen, mit Konzepten und Strategien der Umwertung von Denkmälern und Gedenkorten beschäftigen.


Dozentin:    Dr. Ursula Dreyer

Termine:    5 Termine
Dienstag 29.09. + Donnerstag 01.10. + Dienstag 06.10. + Dienstag 13.10. + Donnerstag 15.10.2020

Zeit:        10:00 (s.t.) bis 11:30 (s.t.)

Entgelt:    35.- Euro

Veranstaltungsart:    Online-Seminarreihe

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