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(J) Nicht erst am Ende des Lebensweges, schon unterwegs: sterben, Tod und trauern – zwei Verben und ein Substantiv…

Klaus Dirschauer.
Klaus Dirschauer.

Drei radikale Wirklichkeiten. Ein Subjektwechsel und drei anschauliche  Kursionen.  Ich sterbe den Tod und trauere um mein zu Ende gehendes Leben. Du trauerst um mich in Deinem Leben. Was da so grammatisch klingt, ist sozial-psychologisch in Ratgebern und Sachbüchern hin- und ausreichend beschrieben worden. Doch wie steht es um den eigenen geistigen und geistlichen Hintergrund? Es ist wesentlich mehr in der sogenannten schöngeistigen Literatur in  Gedichten, Tragödien und Tagebüchern zum Ausdruck gebracht worden. So viel zu dem ungewohnten anderen Kontext unserer Erfahrungen, die ich gern mit Ihnen einmal in Ruhe reflektieren möchte.

@ Klaus Dirschauer

① sterben – ein starkes Verbum im Infinitiv – unbegrenzt, endlich,  unbestimmt, abstrakt, jedoch ein konjugierbares Tätigkeits- und / oder Zeitwort.

Der tragende biblische Sprachgebrauch findet sich im zweiten Schöpfungsmythos im Zusammenhang mit der Tabu-Bruch-Erzählung ebenso wie in der lakonischen Ausdrucksweise der Patriarchen, die alt und lebenssatt starben und zu den Vätern versammelt wurden… Doch der Tod ist – abgesehen vom Kreuzestod Jesu und der Bestattungspraxis der Kirche –  heute kein Gegenstand  der Theologie oder Philosophie mehr. Das Sterben ist auf die Bühne des Theaters  und in die Lyrik der Bücher abgewandert.      

② der Tod  – ein  Nomen, Substantiv oder Hauptwort – lat. Exitus

Der erzählende Sprachgebrauch von einem personhaft vorgestellten Tod im Streit- und Trostgespräch vom Tode Johannes von Tepls, in der Märchenliteratur, im Volkslied Es ist ein Schnitter, der heißt Tod  und im Werk Hugo von Hofmannsthals  bis hin zu Wolfgang Borchers Draußen vor der Tür.

③ trauern – ein schwaches Verbum im Infinitiv – ist unbegrenzt, endlich,  unbestimmt, abstrakt, aber ein konjugierbares  Tätigkeits- und / oder  Zeitwort.

Der Sprachgebrauch geht auf die antiken Tragödien zurück, beispielhaft auf Sophokles’ Antigone oder Elektra,  findet seinen besonderen Ausdruck im Begräbnisbrauch (Schiwa) der Juden, in der Passionszeit der Christen, ihren Oratorien,  Messen und  Kirchenliedern bis hin zu Eugene O’Neills moderne Bearbeitung Trauer muss Elektra tragen.


Dozent:    Dr. theol. Klaus Dirschauer

Termine:    
6 x mittwochs 02.09. + 09.09. + 16.09. + 23.09. + 30.09. + 07.10.2020

Zeit:        09:30 (s.t.) bis 11:00 Uhr

Entgelt:    39.- Euro

Veranstaltungsart:    Online-Seminarreihe

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